Wetterstation Zenting-Daxstein

Der Mai 1902

Vor 100 Jahren erlebte Mitteleuropa einen der kältesten Maimonate der instrumentellen Beobachtungsperiode. Anhand einiger Grafiken und Daten möchte ich diesen Monat Revue passieren lassen.

Die Temperaturdaten von Berlin/Innenstadt wie auch von München-Harlaching zeigen eine extrem kühle Zeitspanne vom 1. – 25.Mai, der eine rasche Erwärmung zum Monatsende folgt; dabei steigerte sich die Wärme in Berlin bis zur Hitze (32,1°C am Monatsschluss). Ohne diese Wärmewelle wäre der Mai 1902 noch wesentlich kälter verlaufen. Bis zum 25. Mai wurde in München die 15-Grad-Marke nicht erreicht, dafür gab es an allen 25 Tagen hintereinander messbaren Niederschlag, der am 2., 6., 7., 8., 14., 15. und 18.5. wenigstens zeitweise als Schnee fiel. Mehrfach trat noch Graupel oder sogar Hagel auf. Trotz der Kälte gab es am 13., 19. und 23.5. Gewitter. Während München 3 Frosttage meldete, waren es in Karlshuld/Donaumoos und in Kaisheim 11 (der letzte am 23.5.), in Mittenwald 16 und auf dem Hohenpeißenberg 20! Die Zugspitze hatte 28 Eistage, wie auch der Sonnblick. Der Süden und Osten Bayerns bekam am 17.5. Dauerniederschlag (Daxstein 73 mm). Den ganzen Monat über war Sonne Mangelware (München insgesamt 138 Stunden) bei einem Bewölkungsgrad von 71 %.

Monatsmitteltemperaturen:

Sonnblick   - 8,5°C 
Zugspitze   - 8,0
Säntis    - 5,0
Gr. St. Bernard   - 3,5
Villacher Alpe   - 1,9
Bever    2,3
Daxstein   6,3
München   8,1
Bern    8,3
Salzburg   8,7
Bregenz   9,7
Graz    10,1
Wien    10,4
Berlin    10,6

Noch einmal 100 Jahre früher leistete sich der Mai zur Monatsmitte im Alpenvorland ein besonders winterliches Intermezzo: bei Temperaturen knapp über 0 Grad in München und um – 2 Grad auf dem Hohenpeißenberg setzte am 15.5. 1802 morgens ein Dauerschneefall ein, der erst 48 Stunden später wieder aufhörte. An vielen Bäumen kam es zu Schneebruch und noch am Abend des 17.5. lag im Englischen Garten in München noch so viel Schnee, dass zünftige Schneeballschlachten abgehalten wurden.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Mai 2002

 

 

Letzte Aktualisierung 28.08.2002
Durch Wolfgang Webersinke

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