Witterungsbericht November 2014

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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In der Rekordjagd des warmen Jahres 2014 steht der heurige November an vorderster Front: ungewöhnlich mild, vor allem in den mittleren Lagen, abseits der Nebelzonen recht sonnig und insgesamt mehrheitlich deutlich zu trocken, so präsentierte sich der dritte Herbstmonat.

In der Region Bayerischer Wald hatte Zenting-Daxstein die besonders milde Karte gezogen, vor allem wegen seiner Hanglage: alle Tage des Monats bis zum 27. einschließlich waren zu warm gegenüber dem Durchschnitt 1981 bis 2010 (der 11. und 12.11. sogar um 8,6 bzw. um 9,3 K übernormal! Und die erste Monatshälfte hatte 8,8°C Mitteltemperatur, was 5,0 K über der Norm liegt!), die drei letzten Monatstage dann geringfügig zu kühl, so dass mit 6,0°C der mildeste November seit Messbeginn 1891 verzeichnet werden konnte. Da mit Zehntelgraden kein Schindluder getrieben werden sollte, ist 2014 praktisch gleichwertig zum November 1926, in dem 5,9°C errechnet wurden. 1926 lagen die Mitteltemperaturen in Lindberg-Buchenau (750 m) bei 5,1, in Hausstein (648 m, ebenfalls Hanglage) bei 6,7, in Metten (313 m) bei 5,5 und im angrenzenden oberösterreichischen Kollerschlag (725 m) bei 6,1°C. Hierzu die entsprechende grafische Aufbereitung von Daxstein:


 
 
 

So nimmt es auch nicht Wunder, dass in diesem Jahr  der späteste Termin des ersten Luftfrostes aufgetreten ist: noch nie dauerte es bis zum 28. November, bis das Quecksilber unter die Null-Grad-Marke sank; die bisher spätesten Termine waren der 19.11.1996 und der 19.11.2000 (zuvor der 17.11.1930). Die frostfreie Zeit dauerte diesmal unglaubliche 247 Tage (am 27.3. fror es zum letzten Mal). Immerhin hatten wir dann noch drei Frosttage (bisheriges Minimum 1 Frosttag 1994 und 2009). Der Herbst 2014 positioniert sich an zweiter Stelle mit seiner Mitteltemperatur von 10,0°C (Abw. + 2,4 K), nur geringfügig  hinter 2006 (10,2°C).

Jetzt bietet sich die Bewölkungstabelle von Daxstein an:



Die Niederschlagstätigkeit war gering (vom 20. bis 30.11. war es überhaupt trocken), nur wenige Tage brachten Regen, über 1mm waren nur am 17. und 18. zu verzeichnen, wobei der 18. den Hauptteil beitrug (42,5 mm: die höchste Tagesmenge im gesamten Bayerischen Wald, ähnlich hoch mit 38,4 mm nur im 4 km nördlich gelegenen Schöfweg). Schneefall war Fehlanzeige. In 18 Jahren seit 1883 ist eine geschlossene Schneedecke im November ausgeblieben, 2014 ist somit das 19. Jahr.  Bei den Schneedeckentagen kann 2014 ungefährdet den absoluten Minimumrekord einstellen, das ist jetzt schon klar. An 13 Tagen bildete sich zum Teil sehr dichter Nebel, im Gegenzug waren die Alpen an 12 Tagen sichtbar.

Wenn man auf die Mitteltemperatur der anderen Stationen in der betrachteten Region schaut, werden die Auswirkungen der häufigen Inversionslagen sichtbar: Haidmühle mit seinem Kältesee hatte nur 3,4, Kirchberg 4,0 und Zwiesel sowie Prackenbach-Neuhäusl (im nördlichen Bayerwald) jeweils 4,6°C. Dagegen liegen die Spitzenreiter alle mehr oder weniger in den mittleren Hanglagen: Lalling 5,8, Kringell 5,9 und Daxstein sowie Künzesberg je 6,0°C. Die Abweichungen vom Mittel reichten dabei bis + 5,3 K auf dem Großen Arber, wo es noch etwas milder als im extremen November 2011 war! Stellenweise war 2014 deutlich milder als 2011 (Entschenreuth heuer 5,1° gegen 3,2° 2011 oder Grainet 5,5° gegen 4<y,1° 2011). Die Höchsttemperatur brachte einheitlich der 4.11. (Lalling 19,9 und Metten 19,6°C), am kältesten einzelne Tage in der dritten Dekade ( Kirchberg 5,9° am 26., Haidmühle 5,4° am 23. und Grainet 5,0° am 30.); Daxstein hatte die wenigsten Frosttage, maximal waren es 14 in Zwiesel, 17 in Kirchberg und 18 in Haidmühle, wobei Haidmühle sogar drei Eistage hatte.

Beim Sonnenschein konnte überall das Soll übertroffen werden (Fürstenzell mit 59 Stunden gerade mal 109 %), in höheren Lagen aber deutlich: Zwiesel 123 Stunden (196 %), Grainet ebenfalls 123 Std. (211 %) und der Gr. Arber 147,5 Std. (187 %). Damit wurde in unserer Gegend diesmal der meiste Sonnenschein von ganz Deutschland registriert. Auch hier bleibt aber 2011 unerreicht (Gr. Arber 207, Zwiesel 147 Stunden). 

Die Niederschläge konnten vereinzelt bis gut die Hälfte des Solls erreichen (Bogen 37 mm=58 %, Metten 41 mm=54 %, Eging-Rohrbachholz 42 mm=53 %), im andern Fall reichte es nicht einmal bis an die 20 mm (Haidmühle 18 mm=16 %, Zwieslerwaldhaus 19 mm=17 %, Teisnach 19 mm=28 % und Zwiesel 20 mm=20 %). Allein Daxstein schaffte es auf 51,2 mm, Grafling auf 50 mm (47 %) und Schöfweg auf 48 mm (57 %), was aber nur dem 18.11. zu verdanken war.

Wenden wir uns nun der Region um München zu. Hier schwankten die Mitteltemperaturen zwischen 4,9°C in Oberhaching-Laufzorn (Osterseeon 5,1, Holzkirchen und Altomünster je 5,2°C) und 6,7°C in München/Theresienstraße (München/Stadt 6,4, Rosenheim 6,0°C). Dies bedeutet Werte, die 1,9 K (Maisach) bis 2,6 K (Holzkirchen) über dem Mittel liegen. Am 4.11. ging es bei Föhn deutlich über die 20 Grad hinaus: Theresienstraße 23,6, Helene-Weber-Allee 22,9 und Wielenbach 22,2°C. Frostgrade traten nur sehr dezent auf, einmal am 17. (Laufzorn 1,6°C) und dann gegen Monatsende. In der Münchner Innenstadt und in Weihenstephan kam es zu keinem Novemberfrost. Der bisher späteste Termin für München/Stadt (7.12.2002) wird heuer auf jeden Fall nach hinten verschoben: am 9.12.2014 war es dann soweit, dass erstmals der Frost bis  in die Münchner Innenstadt vordrang und damit den spätesten Termin für den ersten Luftfrost seit 1781 für die bayerische Landeshauptstadt markierte. Maximal waren es 7 (Laufzorn) oder 8 Frosttage (Holzkirchen). Nur in Attenkam überschritt die Sonnenscheindauer die Norm (81 Stunden bedeuten 110 %), sonst verhinderte die nebelreiche zweite Monatshälfte zu viel Sonnenschein: Flughafen München 53 Stunden (84 %), Weihenstephan 52 Std. (84 %) und Rosenheim 46 Std. (70 %). Richtung Inn fiel am wenigsten Niederschlag: Wasserburg am Inn 19 mm (nur 26 % der Norm; Assling 21 mm=29 % und Rosenheim auch 21 mm=31 %). Dagegen im Südwesten und Westen zum Teil deutlich mehr, aber auch dort war es zu trocken (Otterfing 56 mm, Geretsried 55 mm=69 %, Krailling 54 mm=74 %, Egling 54 mm=61 % und Ottershausen 47 mm=80 %). Wie im Bayerwald sorgte auch hier der 18.11. für mehr Feuchtigkeit: Ottershausen 20,6, Schweitenkirchen 21,2 und Maisach 21,6 mm.
 

 

Im weiteren Betrachtungsrahmen wurden in ganz Deutschland recht hohe Mitteltemperaturen gemessen, die aber nur für Daxstein den absoluten Novemberrekord erreichen ließen. Zwar hatte auch der Gr. Arber mit 5,0°C, was um 0,3 K über dem Werte vom November 2011 lag, doch besteht diese Station erst seit 1982. Auch alle anderen Berglagen konnten sich nicht über dem Mittel von 2011 positionieren. Anders die Lage in Österreich und der Schweiz: Dort waren die mittleren Bergstationen so warm wie noch nie seit 1864:
 

 

-Elm                             6,7°C    (+ 4,5K)

-Davos                          3,5       (+ 4,2K)

-Engelberg                     6,0       (+ 4,1K)

-La-Chaux-de-Fonds       6,3       (+ 3,8K)
 

 

Während in Deutschland beim Niederschlag die Extremwerte nicht angetastet wurden, war dies in der Südschweiz ganz anders, wo die dauernden Südlagen zu außergewöhnlichem Niederschlagsreichtum führten. In Lugano wurde es nach vier extrem trockenen Jahren - der nasseste November seit Messbeginn 1861: 587 mm (bisher 536 mm im November 2002); Locarno-Monti hatte den zweit-nassesten seit 1883 (733 mm, 2002 790 mm). Hier die Grafik von Lugano:


 
 
 


Dabei kam es einmal, vom 5. auf den 6.11. zu kräftigen Neuschneefällen in der Schweiz (Elm 48, Andermatt 70 cm), die bei uns in Bayern nur relativ schwach ausgeprägt waren: Nebelhorn 63, Mittenwald 25, Balderschwang 12 und Oberreute 11 cm. 

 
 

In Frankreichs Süden hatte der Niederschlag ebenfalls Ausnahmequalitäten. Folgende Monatsmengen kamen zusammen:
 

 

-Hyères                         391 mm

-Montélimar                   399

-Le Luc                         513

-Nice                             563,2

-Mont Aigoual                589
 

 

Damit wurde in Nizza der nasseste November überhaupt seit mindestens 1877 erreicht (Beginn der Messungen auf dem Mont Gros). Auch die größte Tagesmenge wurde gemessen: 159,7 mm am 4.11. (bisher 147 mm am 5.11.1957).
 

 

Allein fünf Stark- bzw. Dauerregenereignisse wurden registriert:

-3. bis 5.11. mit 358,9 mm in Antraigues und 353,7 mm in Barnas/Ardèche.

-9. bis 12.11. mit 205,3 mm in Bormes-les-Mimosas/Var

-14.11. mit 215,1 mm in Génolhac/Gard

-24. bis 26.11. mit 213,6 mm in Le Luc/Provence

-26. bis 30.11. mit 346,5 mm in Campile/Corse, 293,9 mm in Durban-Corbières und 297,1 mm in St-Paul-de-Fenouillet.

Der Herbst 2014 schließlich brachte in den genannten Regionen selbstverständlich Rekordregenmengen: 722 mm in Bormes-les-Mimosas, 916 mm in Prades-le-Lez/Hérault und 1826 mm in Barnas!

Noch zu erwähnen ist, dass in Frankreich der zweitwärmste November seit 1900 vorgekommen ist (nach 1994).


 

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Dez. 2014