Witterungsbericht sPTEMBERSe 2014

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der letzte Sommermonat 2014 zeigte in weiten Bereichen Deutschlands kein sommerliches Gesicht, vor allem im Süden war es der kälteste und unfreundlichste seit 2006.
Der Mangel an Wärme und Sonne war umso fühlbarer, als derartige Witterungserscheinungen in den Jahrzehnten seit 1987 zu den Seltenheiten zählen, während etwa um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Derartiges alle paar Jahre vorkam und niemand gejammert hätte. Wir Heutigen aber erwarten südliche Verhältnisse und sind natürlich enttäuscht, wenn der dreiwöchige Urlaub ausgerechnet im August ins Wasser fällt.

Für Zenting-Daxstein gilt das oben Gesagte: mit 14,5°C wurde das Mittel 1981 bis 2010 fast um 2 K verfehlt. Bis zum 10. war es noch einigermaßen sommerlich, ab dem 11. waren fast alle Tage zu kalt (nur der 29. und 30. etwas zu warm). 20 Grad wurden nicht mehr erreicht, es gab keinen einzigen heiteren Tag. Am kältesten nach der Mitteltemperatur waren der 16. (11,2°) und der 24. (9,2°C). Solche Kälterückfälle gab es etwa auch 1966 und 1960: auf der Rusel ergab sich am 17.8.1960 sogar eine Mitteltemperatur von nur 8,3 und am 16.8.1966 8,1°C. Nebel trat an 12 Tagen auf, Alpensicht war Fehlanzeige und an drei Tagen schien die Sonne gar nicht. Der Sommer 2014 war dennoch temperaturnormal (15,9°C, + 0,2K), aber etwas zu feucht (435 mm entsprechen 115 % des Mittels, 56 mm zu viel). 2006 aber war der August noch viel unfreundlicher (Tm 13,1°C mit einem Bewölkungsmittel von 6,4 Achteln).

Hier nun die allmonatliche Bewölkungstabelle von Daxstein:



 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
für Daxstein im AUGUST 2014
Termin I: 8.30 Uhr
Termin II: 15.30 Uhr
Termin III: 22.30 Uhr
01.08.2014
6¹ ?
5¹ ?
0
02.08.2014
4º ?
3¹ ?
8²  n. Gewitter, Regen
03.08.2014
8²  Nebel
2¹ ?
04.08.2014
8²  Dunst
0
05.08.2014
8²  l. Nieseln
8²  Dunst
06.08.2014
7²  ?
0
07.08.2014
0
08.08.2014
6¹ ?
2¹ ?
09.08.2014
6¹ ?
10.08.2014
2¹ ?
11.08.2014
8²  mäß. Regen, Nebel
8²  mäß. Regen
12.08.2014
13.08.2014
8²  n. Regen
8²  l.Regen, Nebel
14.08.2014
8²  l.Regen
0
15.08.2014
8²  Nebel
7¹ n. Gewitter
16.08.2014
8²  Nebel i.d.Nähe
6¹ ? n. Gewitter
8²  n. Regenschauer
17.08.2014
8²  Nebel
4¹ ?
18.08.2014
6º ?
19.08.2014
8²  etwas Regen
0
20.08.2014
21.08.2014
8²  n. Regenschauer
5¹ ?
22.08.2014
5¹ ?
6¹ ?
23.08.2014
4º ?
24.08.2014
7¹ ?
5¹ ?
0
25.08.2014
2º ?
5¹ ?
8²  l. Regen
26.08.2014
8²  mäß. Regen,Nebel
8²  mäß. Regen
27.08.2014
8²  mäß. Regen
5¹ ?
28.08.2014
1¹ ?
2¹ ?
29.08.2014
8²  Regentropfen
0
30.08.2014
8² Nebel, n. Regen
5¹ ?
31.08.2014
8²  l. Regen
8²  n. Regen
Mittel:
6,8 Achtel
6,0 Achtel
4,6 Achtel
5,8 Achtel
8.30 MESZ
15.30 MESZ
22.30 MESZ
Keine
Alpensicht:
am Beobachtungstermin!
Hochgestellte 0,1,2: Dichte der Bewölkung


Im gesamten Bayerwaldumfeld war der August ähnlich. Die Mitteltemperatur schwankte zwischen 9,8°C auf dem Gr. Arber (Haidmühle 12,9, Kirchberg 14,5°C) und 16,4°C in Lalling, und Metten (16,1° in Fürstenzell, 16,0°C in Steinach). Die Abweichungen vom Mittel überall negativ, bis zu 2 K in Entschenreuth. Zwei heiße Tage gab es in Lalling (30,7° am 2. und 30,2°C am 10.) sowie gerade einen in Fürstenzell (30,0° am 2.), Sommertage allerhöchstens 7 jeweils in Metten und Lalling. Haidmühle wartete mit 3 Frosttagen auf (- 1,6°C am 25.), der 25. häufig der Tag mit dem tiefsten Minimum: 1,0° in Kirchberg, 2,1°C am 28. in Zwiesel. Die Sonne schien seltener als im Normalfall, meist 119 (Gr. Arber) bis 168 Stunden (Entschenreuth), die gemeldeten 206 Stunden von Lalling erscheinen zu hoch (auch Haidmühle auffällig viel mit 177 Stunden!). 
Beim Niederschlag war wieder die große Unterschiedlichkeit das Hauptthema. Während an wenigen Orten (oft im nördlichen Bayerischen Wald, Ausnahme Glotzing, an der Grenze zu Oberösterreich) nicht einmal das Augustsoll erfüllt wurde (Lam mit 87 mm genau 100%, Glotzing mit 106 mm nur 88 %, Prackenbach-Neuhäusel 81 mm und nur 74 %), war es praktisch „nebenan“ extrem feucht: Schöfweg 206 mm (196 %), Waldkirchen 216 mm (196 %), Lindberg-Buchenau 234 mm (189 %) und Grainet-Rehberg 234 mm (227 %). Tage mit größeren Mengen waren der 3.8. (Rohrbachholz 42,9 und Waldkirchen 43,0 mm),  der 5.8. (Rehberg 34,7 mm), der 11.8. (Daxstein 31,1 mm), der 26.8. (Metten 39,1 mm) und der 31.8. (Buchenau 51,6 mm).

Die Gegend rund um München zeigte ein ähnliches Gepräge wie der Bayerwald. Das Temperaturniveau pendelte im Mittel zwischen 17,4°C an der Münchner Theresienstraße (Wetteramt 17,2°) und 15,1°C in Oberhaching-Laufzorn (15,2°C jeweils in Attenkam, Otterfing und in Holzkirchen). Die Abweichungen waren stark negativ und hatten Werte von – 1,3K in Weihenstephan und bis zu – 2,1K in Ebersberg. Der wärmste Tag war der 10., wo es in München/Stadt (30,7°) und in Wielenbach (30,4°) noch zu einem heißen Tag reichte; an letztgenanntem Ort hatte es auch 9 Sommertage, Altomünster dagegen brachte nur 2 Sommertage zustande. Die kühlste Nacht erlebte man zum 25. (Holzkirchen 5,0, Laufzorn 4,9, ebenso Attenkam und Wielenbach nur 3,9°C). Bemerkenswert die Tatsache, dass der letzte Sommertag dieses Monats der 10.8. war. In früheren Zeiten allerdings konnte der Sommer noch früher zu Ende sein, im Extremfall schon am 30. Juni, als 1833 bereits der letzte Sommertag zu verzeichnen war. 1896 war am 28. Juli mit dem Sommer Schluss oder 1912, wo in Bogenhausen am 1.8. der letzte Sommertag registriert wurde. 2006 hatten wir zuletzt einen noch deutlich kühleren August (München/Stadt 15,6°C und nur 2 Sommertage!).

Beim Sonnenschein konnten wir nur etwa drei Viertel der normalen Dauer genießen: Wielenbach 156 und maximal bis zu 187 Stunden in Weihenstephan. Die Niederschlagsmenge ist wieder differenziert zu betrachten. In Maisach-Galgen wurde das Soll genau zu 100 Prozent erfüllt (105 mm), dagegen hatten Landstriche im Norden und vor allem Richtung Ammersee ein mehr oder weniger deutliches Defizit aufzuweisen (Neufahrn 97 mm, 98%; Fahrenzhausen 89,5 mm, 90 %; Ottershausen 90 mm, 89 %; Andechs-Erling 96 mm, 73 %; Utting-Achselschwang 84 mm, 68 %), aber auch südlich von München war es auch zum Teil etwas zu trocken (Aying 133 mm, 95 %). Im größeren Teil allerdings überwogen Niederschlagsüberschüsse, besonders deutlich im Raum östlich von München (Altomünster 116 mm, 123 %;Assling 162 mm, 126 %; Neufinsing 143 mm, 138 %;Isen-Westach 192 mm; 159 %; Forstinning 222 mm, 183 %). 

Es war zwar heuer sehr kühl an manchen Tagen im August, aber vor 150 Jahren muss es in der dritten Augustdekade schon Bodenfrost gegeben haben, denn von der Münchner Sternwarte in Bogenhausen wurden am 26.8.1864 1,9 und drei Tage später sogar nur 0,6°C als Minimum registriert (jeweils gegen 5 Uhr morgens bei klarem Nachthimmel). Letzt genannter Wert ist das absolute Augustminimum für München. Um die Verhältnisse zu illustrieren füge ich die damaligen Wetterkarten des Observatoire Impérial de Paris bei. Diese Institution zeichnete damals schon Wetterkarten, die dann später als Buch herausgegeben wurden und seit einiger Zeit sukzessive von Météo France digital herausgegeben werden:



Man sieht, dass zuvor kalte polare Meeresluft eingeflossen war, die dann unter den Einfluss eines ostwärts ziehenden Hochs kam und so die tiefen Nachttemperaturen, speziell in Oberbayern, hervorrief. 

Die aus Cottbus am 4.8. gemeldeten 102,6 mm bedeuten keinen Augustrekord, denn am 12.8.1948 gab es hier schon einmal 107,4 und am 8.8.1978 gar 130,6 mm. Damit hat Cottbus deutlich mehr Tages-Werte von über 100 mm als etwa München! Wie schon im Juli fällt Erfurt-Bindersleben durch hohe Niederschläge auf, so dass mit 146 mm im August der zweithöchste Wert der gesamten Reihe zu konstatieren ist (abs. Augustrekord 148 mm im Jahr 1870). Ebenso fielen im gesamten Sommer 2014 dort außergewöhnliche 386,5 mm. Die 107 Sonnenstunden von Oberstdorf sind auch vom August 2006 mit 97,7 Stunden noch deutlich unterboten worden. Wie überhaupt 2006 im Süden noch eine ganze Kategorie schlechter verlaufen ist als 2014.

Nicht so im Tessin: in Lugano wurde nach dem Juli auch der absolut sonnenscheinärmste August der ganzen Reihe festgestellt: 173 Stunden (bisheriges Minimum 176 Stunden, 1968), so dass auch der gesamte Sommer 2014 mit 585 Stunden (81 % des Mittels) der trübste wurde.

Wolfgang Webersinke, Daxstein Sept. 2014