Witterungsbericht Juli 2014

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Nach dem relativ trockenen Juni setzte sich mit dem Juli das bislang gültige Muster der unbeständigen und mit häufigen Starkniederschlägen verbundenen Sommerwitterung durch. Tiefdrucksumpf und das fast völlige Fehlen von Hochdrucklagen ging damit Hand in Hand.

Das sieht man auch gut an der Witterung im Bayerwald. In Zenting-Daxstein war es vor allem bis zum 13. sehr unbeständig. An diesem 13.7. kam es von 13 Uhr bis 13.25 Uhr zu einem wolkenbruchartigen Gewitterregen mit kurzzeitigem Hagel, bei dem auf unserer Terrasse sogar für einige Zeit das Wasser nicht ablief. An diesem Tag konnten 54,9 mm gemessen werden; zumindest ein Tagesrekord für den 13. Juli seit Beobachtungsbeginn 1895. Anschließend konnte sich ein sommerlicher Abschnitt etablieren, der aber am 28.7. nachhaltig zu Ende ging (bis heute am 14.8. ist es fortdauernd unbeständig geblieben). Zu vermelden waren sonst noch 7 Tage mit Nebel und 4 Tage mit Alpensicht. Zur Komplettierung noch die Bewölkungstabelle von Daxstein:


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
für Daxstein im JULI 2014
Termin I: 8.30 Uhr
Termin II: 15.30 Uhr
Termin III: 22.30 Uhr
01.07.2014
2¹ ?
4¹ ?
02.07.2014
6¹ ?
7¹ n. Regen
03.07.2014
8²  n. Regen
2º ?
04.07.2014
2º ?
05.07.2014
5¹ ?
4¹ ?
06.07.2014
2¹ ?
1¹ ?
07.07.2014
3¹ ?
8²  n. Gewitter
08.07.2014
4¹ ?
5¹ ?
8²  starker  Regen
09.07.2014
8²  Nebel
8²  l. Regen
8²  l. Nieseln
10.07.2014
8²  n. Regenschauer
8²  mäßiger Regen
11.07.2014
8²  mäßiger Regen
12.07.2014
8²  Nebel
13.07.2014
8²  Nebel n. Regen
7¹  ?
8²  Dunst
14.07.2014
15.07.2014
5¹ ?
4¹ ?
0
16.07.2014
6¹ ?
4¹ ?
0
17.07.2014
6¹ ?
5¹ ?
0
18.07.2014
4¹ ?
4¹ ?
0
19.07.2014
3º ?
1¹ ?
0
20.07.2014
1¹ ?
4º ?
0
21.07.2014
8²  Dunst
8²  l. Regen
22.07.2014
8²  l. Regen
8²  starker Regensch.
23.07.2014
4¹ ?
0
24.07.2014
0  ?
0
25.07.2014
5¹ ?
0
26.07.2014
3º ?
3¹  ?
27.07.2014
8²  Nebel
6¹ ?
0
28.07.2014
8²  Nebel
8²  n. Gewitter
8²  mäßiger Regen
29.07.2014
7²  Dunst
0
30.07.2014
8²  l. Regen
8²  Ferngewitter
31.07.2014
8²  Dunst
Mittel:
5,5 Achtel
5,8 Achtel
4,4 Achtel
5,2 Achtel
8.30 MESZ
15.30 MESZ
22.30 MESZ
Alpensicht:
am Beobachtungstermin
Hochgestellte 0,1,2: Dichte der Bewölkung


In der umfassenderen Sicht bewegten sich die Monatsmitteltemperaturen im Bayerwald durchweg etwas über den Richtwerten von 1981 bis 2010 (Aldersbach + 0,2 K und Gr. Arber + 1,4 K als Grenzwerte) mit einer Schwankungsbreite von 13,2°C (Gr. Arber, Haidmühle 15,4°C) bis 19,4°C (Lalling; Metten und Aldersbach je 19,1°C), dazwischen Kirchberg 17,3, Zwiesel 17,7, Grainet 17,8 oder Entschenreuth 18,5°C. Am heißesten war es am 20. (Metten 33,7, Lalling 33,3 und Zwiesel 33,0°C), am kühlsten gleich zu Monatsbeginn (Haidmühle 0,8, Gr. Arber 4,5, Kirchberg 4,8 und Zwiesel 6,2°C). Die Sonne erreichte im besten Fall genau den langjährigen Mittelwert (Zwiesel 211 Std. bzw. Haidmühle 217,5 Stunden; in Lalling maximal 239 Stunden), sonst blieb sie darunter (Fürstenzell 208 Stunden bedeuten 87 %; Grainet 198 Std. mit 89 %). Der Niederschlag zeigte die sommerliche Prägung mit sehr unterschiedlichen Mengen: von der Donau in den Wald hinein gab es Zungen mit deutlich zu wenig Regen (Büchlberg-Tannöd 83 mm = 76 %; Eging am See 83 mm = 76 %; Entschenreuth 104 mm = 90 %), insgesamt überwog aber Niederschlagsüberschuss bedingt durch kräftige Gewitterregen (Zwieslerwaldhaus 157 mm = 127 %; Viechtach 150 mm = 134 %; Schöfweg 186 mm = 148 %; Philippsreut 206 mm = 165 %; Lindberg-Buchenau 241 mm = 176 %; Finsterau 199 mm = 178 %). Herausragende Niederschlagsereignisse waren am 8.7.: Grafling 50,9, Waldkirchen 59,7, Lam 67,9 und Buchenau 103,2 mm. Am letztgenannten Ort war dies für Juli die größte je registrierte Tagesmenge seit Beobachtungsbeginn 1891! Sodann am 13.7.: Schöfweg 51,4 und Daxstein 54,9 mm. Schließlich noch 50,7 mm am 21.7. in Fürstenzell.

Im Raum München war die Wärme etwas weniger ausgeprägt, so dass die Mitteltemperaturen teilweise sogar minimal unter dem 30-jährigen Schnitt zu liegen kamen: Rosenheim 18,6° (- 0,3 K), Attenkam 17,2, Maisach 17,9 (jeweils 0,2 K), München/Stadt 19,3 und Laufzorn 17,4°C (je 0,1 K), ansonsten waren sie gering übernormal (Weihenstephan 18,3°, + 0,4 K; Ebersberg 17,9 und Flughafen München 18,6°, je + 0,3 K). Auch hier der Monatsanfang am kühlsten: Wielenbach 5,8, Osterseeon 6,0, Laufzorn 6,3 und Holzkirchen 6,4°C. Der heißeste Tag war generell der 19.: Altomünster 33,2 und München/Stadt 33,7°C. Die Sonne blieb einige Prozent schuldig (München/Stadt 195 Stunden = 80 %), über 200 Stunden gab es nur im nördlichen Raum (Weihenstephan 214,5, Elsendorf 222 Stunden). Entgegen der Normalverteilung beim Niederschlag lagen diesmal die trockeneren Orte im Süden: Aying 124 mm = 81 %, Assling 129 mm = 89 % und Feldkirchen-Westerham 135 mm = 94 %. Fast überall aber war es zu nass: Unterföhring 155 mm = 123 %, Forstinning 161 mm = 128 %, Neufahrn 158 mm = 139 %, Altomünster 175 mm = 154 %, Maisach 185,5 mm = 157 %, München-Harthof 197 mm = 162 % und Oberschleißheim 180 mm = 165 %. Am 21. gab es recht verbreitet Starkniederschläge: Oberschleißheim 51,4, Fahrenzhausen 57,6, Ottershausen 60,1, Altomünster 63,0, Nandlstadt 64,6, Schweitenkirchen 66,7 und Scheyern 76,7 mm; alle Orte im nördlichen Bereich! 

Für weite Teile West- und Mitteleuropas setzte der heurige Juli neue Maßstäbe, was Regenstärke und häufigkeit sowie Sonnenscheinarmut anbetraf. Es ist praktisch unmöglich, alle größeren Tagesniederschlagsmengen aufzulisten, weshalb die folgende Zusammenstellung nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber zumindest die sehr großen Mengen dürften enthalten sein:


 
Große 24-stündige RR-Mengen Juli 2014
Auswahl
Ort
Summe/mm
Tag
Lindberg-Buchenau
103,2 mm
8.7.
Stützengrün-Hundshübel
83,0
8.7.
Balderschwang
81,4
8.7.
Oberstdorf-Rohrmoos
73,3
8.7.
Mummelsee
72,2
8.7.
Gapfohlalpe/Vorarlberg
72,4
8.7.
Warth/Arlberg
70,7
8.7.
Bad Hersfeld
66,0
10.7.
Landwehrhagen
51,1
13.7.
Feldberg/Schwarzwald
94,0
21.7.
Kehl-Odelshofen
90,8
21.7.
Schärding/OÖ
89,6
21.7.
Freistadt/OÖ
73,5
21.7.
Altusried-Muthmannshf.
66,8
21.7.
Altomünster
62,7
21.7.
Haimhausen-Ottershausen
60,2
21.7.
Ilsenburg
95,0
26.7.
Bregenz
93,4
26.7.
Fraxern/Vorarlberg
92,7
26.7.
Samerberg-Geisenkam
78,6
26.7.
Lindau
77,2
26.7.
Dornbirn/Vorarlberg
68,5
26.7.
Sulzberg
66,9
26.7.
Holzdorf
57,0
27.7.
Gößweinstein
52,7
27.7.
Münster/LANUV
292
28.7.
Münster/MG, privat
165
28.7.
Münster/Uni
162
28.7.
Münster/MG
122,2
28.7.
Emmendingen-Liptingen
109,4
28.7.
Altenberge
97,5
28.7.
Mummelsee
95,9
28.7.
Aspang/NÖ
63,5
28.7.
Eckertalsperre
99,8
29.7.
Bad Harzburg
92,2
29.7.
Gifhorn-Kästorf
91,1
29.7.
Golling/Salzburg
60,4
29.7.
Podersdorf/Burgenland
158,2
30.7.
St. Bartholomä/Königssee
107,9
30.7.
Neusiedl am See
105,9
30.7.
Plau am See
95,6
30.7.
Hinterwössen
91,6
30.7.
Reit im Winkl
90,7
30.7.
Micheldorf/OÖ
83,8
30.7.
Kufstein
82,5
30.7.
Obere Firstalm
78,4
30.7.
Güssing/Burgenland
73,5
30.7.
Simbach/Inn
66,7
30.7.
Weißenbach/OÖ
82,2
31.7.
St. Pölten
54,2
31.7.

Die beiden herausragenden Ereignisse sind einmal der große Gewitterregen von Münster am Nachmittag des 28. Juli und der Rekordregen im burgenländischen Podersdorf vom 30. Juli, wo innerhalb von sechs Stunden 136,8 mm fielen und mit 158,2 mm ein neuer Bundesland-Rekord für 24-stündigen Regen aufgestellt wurde.

Im Fall Münster stammen alle gemessenen Niederschläge von Stationen, die entweder privat, von Meteo Group oder von anderen Institutionen vorgenommen wurden, der DWD besitzt dort im weiteren Umkreis nicht eine einzige (!) Station. MG maß 122,2 mm und an einer Umweltstation des Landes wurden etwa 290 mm registriert. Wie dem auch sei, seit 1851 gab es in Münster noch keinen 24-stündigen Niederschlag von über 100 mm. 

Bei den Monatsmengen gab es nur an zwei Orten wirklich neue Rekorde, es handelt sich um Erfurt-Bindersleben (ab 1851: 203 mm, bisher 202 mm im Jahr 1858) und Freiburg im Breisgau (ab 1868: 280 mm, bisher 228 mm im Jahr 1879): Ganz nahe dran waren Strasbourg im Elsass (202 mm, 205 mm im Jahr 1804, Reihe ab 1802) und Basel-Binningen (207 mm, 211 mm im Jahr 1956, Reihe ab 1864). Daher nun die folgenden Grafiken:



 

 


 

 


 

 

In Bregenz, wo die Messungen 1874 einsetzen, kam es zum zweit-nassesten Juli mit 379 mm. Besonders hohe Monatsmengen maß man im Schwarzwald, im Bregenzerwald und im Allgäu: Nebelhorn 386 mm, Oberstdorf-Rohrmoos 421 mm, Balderschwang 461 mm, Gapfohlalpe/Vorarlberg 542 mm, Mummelsee 602 mm.

Die Ursache für die Überregnung liegt in der nahezu ständigen Anomalie mit einem Hochdruckgebiet über Skandinavien (in Oslo etwa wärmer als in Toulouse) und einer Tiefdruckzone über Mitteleuropa. Feuchte und wolkenreiche Luft dominierte bei uns, während Skandinavien im Zustrom warm-trockener Luft aus Südosten lag.

In den Gebieten mit viel Niederschlag machte sich auch die Sonne teilweise sehr rar, so dass in Genève und in Lugano (der Tessin wird sonst gerne als Sonnenstube der Schweiz bezeichnet!) bemerkenswerte absolute Minima der Sonnenscheindauer zustande kamen, wobei beide Reihen bereits im 19. Jahrhundert beginnen! Genf hatte nur 161 Stunden und Lugano gerade mal 186 Stunden (unter 200 Stunden hatte es in Lugano seit 1885 im Juli noch niemals gegeben!). Hier die Übersicht:



 
 


 

 

Da Meteo-Schweiz in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an nicht immer durchschaubaren und nachvollziehbaren Homogenisierungen vorgenommen hat, benutze ich die Daten, die in den jeweiligen Jahrbüchern bzw. Internet-Monatszusammenfassungen geliefert wurden.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, August 2014