Witterungsbericht März 2014

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Wieder einmal ist ein Monat extrem mild und dabei sehr sonnig und niederschlagsarm ausgefallen. Immer wieder sind dabei die Grenzwerte fast erreicht oder sogar überschritten worden.

In besonderem Maße gilt das für einige Regionen im und im weiteren Umfeld des Bayerwalds. Herausragend zu mild waren diesmal die Hang- und Kuppenlagen, so dass Daxstein mit einer Mitteltemperatur von 7,0°C die alte „Bestmarke“ von 5,6° gleich um 1,4 K übertroffen hat. Deshalb hier gleich die entsprechende Illustrierung:



Das 124-jährige Mittel der gesamten Reihe beträgt 2,0°C. Letztes Jahr gab es genau 0,0°, so dass es heuer 7 K wärmer als 2013 war; von 1958 auf 1959 betrug der Anstieg sogar 7,8 K. Nur vom 23. bis 25.3. wurden überhaupt negative Temperaturabweichungen festgestellt. Die exzessive Märzwärme spiegelt sich auch in den nur 2 Frosttagen wider, bislang waren es zumindest 4 gewesen (nur die Münchner Innenstadt – repräsentiert von der Station Theresienstraße – hatte in Bayern ebenso wenige Frosttage wie Daxstein). Die Luftfeuchtigkeit war meist sehr gering, so dass das Mittel nur 57 % betrug; vom 9.3. vormittags bis gegen 0 Uhr am 15.3. lag die Luftfeuchtigkeit beständig zwischen 20 und 50 Prozent. Da aber die Luft mit vielen Staubpartikeln angereichert war, gab es viel weniger Alpensicht als in den Wintermonaten (nur an 5 Tagen); Nebel trat aber auch nur an 4 Tagen auf. Phänologisch äußerst bemerkenswert, dass schon am 29.3. erste Blattoberflächen bei der Rosskastanie zu sehen waren.

Die Schneearmut hielt ebenfalls unvermindert an: zum ersten Mal seit 1884 war der März komplett ohne Schneedecke (bisheriges Minimum ein Tag in den Jahren 1918 und 2011):




Zum Abschluss der Daxsteiner Messungen noch die obligate Bewölkungstabelle:

 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
für Daxstein im MÄRZ 2014
Termin I: 7.30 Uhr
Termin II: 14.30 Uhr
Termin III: 21.30 Uhr
01.03.2014
4? ?
5? ?
02.03.2014
5¹ 
5¹ ? Dunst
03.03.2014
2¹ 
2? ?
8¹ 
04.03.2014
8² Regentropfen
8² 
8² 
05.03.2014
8² Dunst
8¹  Dunst
8¹ 
06.03.2014
2? ? Dunst
8²  Dunst
7¹ 
07.03.2014
? Dunst
2? ? Dunst
6¹ 
08.03.2014
5¹  Dunst
2? ? Dunst
0
09.03.2014
? Dunst
1? ?
10.03.2014
4¹ ?
4? ?
0
11.03.2014
4? ?
5? ?
0
12.03.2014
4¹ ?
5¹ ?
0
13.03.2014
4¹ ?
2¹ ?
0
14.03.2014
5? ?
4? ?
0
15.03.2014
8¹ 
8² l.Regen,Nebel
8¹ 
16.03.2014
8² l.Regen,Nebel
8² l.Regen
8² n.Regenschauer
17.03.2014
8² 
6¹ ?
0
18.03.2014
7¹ 
6? ?
8¹ 
19.03.2014
8² l.Nieseln
7² 
8² 
20.03.2014
4¹ ?
4? ?
0
21.03.2014
5? ?
6? ?
22.03.2014
6? ?
5¹ ?
8² l.Regen
23.03.2014
8² l.Regen
8² l.Schneefall
8² Dunst
24.03.2014
8² l.Schneefall
7² etwas Schnee
0
25.03.2014
8² Dunst
6¹ ?
0
26.03.2014
5¹ ?nach Graupel
7¹ 
0
27.03.2014
8² Dunst
5¹ ?
0
28.03.2014
6¹ 
8¹ 
0
29.03.2014
? Dunst
?
0
30.03.2014
3? ?
5¹ ?
0
31.03.2014
7¹ 
8¹ 
0
Mittel:
5,1 Achtel
5,3 Achtel
3,5  Achtel
4,6 Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ
Alpensicht
Hochgestellte 0,1,2: Dichte der Bewölkung
Ab 30.3. MESZ: 8.30, 15.30, 22.30 Uhr Beob.zeit

Die anderen Stationen im Bayerwald meldeten gleichfalls hohe Mitteltemperaturen, die am Gr. Arber bei 2,1°C (Abw. + 4,2 K) begannen und bei 7,7°C in Kringell (450 m) und Lalling endeten. 7,0° und mehr hatten neben Daxstein und den beiden eben genannten noch Eiserszell (7,0° 617 m hoch) und Fürstenzell (476 m, 7,5°, Abw. + 3,8 K). An die Passauer Reihe angelehnt ergibt sich auch da der wärmste März seit mindestens 1879 (bislang: ). Die kältesten Lagen hatten noch 3,0°C (Haidmühle) bzw. 5,1° in Kirchberg und 5,8° in Zwiesel. Grainet-Rehberg in ähnlich milder Lage wie Daxstein erreichte 6,8°C (Abw. + 4,5 K); Metten hatte 6,8° und lag 0,1 K unter dem Rekord von 1974. Die Zahl der Frosttage war breit gestreut: 29 in Haidmühle, 23 in Kirchberg, 21 in Zwiesel, aber nur 6 in Lalling, 4 in Kringell und 3 in Eiserszell.

Beim Sonnenschein schwankten die Monatssummen um die 200 Stunden: 188,5 auf dem Gr. Arber (195 in Grainet und Metten) und bis zu 221 Stunden in Lalling (Aldersbach 215); im benachbarten oberösterreichischen Braunau sogar 224 Stunden. Prozentual gesehen waren das 166 (Grainet) bis 203 % (Aldersbach).

Wie schon im Vormonat fehlten deutliche Niederschlags-Summen an der Norm: meist gab es 30 bis 45 % des Mittels (Fürstenzell 26, Eiserszell 28 mm, Wegscheid 48, Buchenau und Klingenbrunn 49 und Gr. Arber 53 mm).

Nicht weit vom Bayerischen Wald entfernt hat auch Regensburg den absolut mildesten März der 1773 beginnenden Beobachtungen erlebt, wenn auch nur ganz knapp:





Im 242-jährigen Mittel sind 3,0°C zu erwarten. Die Grenzwerte liegen einmal 1785 (- 5,2°C) und dann bei 7,3°C 2014; ganz nahe daran an 2014 sind 1994 mit 7,2 und 2011 mit 7,1°C.

Im Raum in und um München wurden keine Rekorde gebrochen, da hier meist die Nächte zu kühl waren und die Tagesmittel nicht ganz so hoch lagen: 8,7°C an der Theresienstraße, 7,9° am Wetteramt, 6,4° im Botanischen Garten (Referenzstation) und bis zu 5,5°C im Gut Laufzorn (Holzkirchen 5,8°); immerhin stieg der Unterschied zwischen Innenstadt und Land auf etwas über 3 K! Auch in Oberbayern frappiert die große Spreizung bei den Frosttagen: 2 an der Theresienstraße, 4 an der Helene-Weber-Allee, aber 18 im Botanischen Garten, 19 in Laufzorn und 22 jeweils in Osterseeon und am Flughafen im Erdinger Moos! Exakt zum Frühlingsanfang am 20. März wurde das bisherige Maximum von 1974 (21,2°) mit 21,8° überboten (Bot. Garten). Wie oft bei vorherrschend antizyklonalem Gepräge ist der Unterschied Stadt/Land auch bei der Luftfeuchtigkeit groß: 65 % am Wetteramt gegen 72 % im Bot. Garten und 74 % am Flughafen im Mittel. 

Die Sonne war oft zu sehen und brachte es auf 210 (Wetteramt) bis 216 Stunden (Theresienstraße), was etwa 160 % Normerfüllung entspricht. Damit war es der drittsonnigste März seit 1901, nach 1921 und 1953. Niederschlagsmäßig gab es 20 (Haimhausen-Ottershausen sowie Flughafen München) bis etwa 60 mm (Geretsried), was ungefähr ein Drittel bis zur Hälfte der Norm bedeutet. Zunächst sah es ja auch hier nach einem sehr trockenen März aus, da die ersten beiden Dekaden (bis zum 21.3.) nur 2,5 mm Regen gebracht hatten (München/Stadt). Am extremsten in dieser Hinsicht waren bisher 1882 (in 47 Tagen vom 1.2. bis zum 19.3. nur 3,8 mm an der Sternwarte) und 1972 (15.2. bis 25.3. in Riem lediglich 2,5 mm); völlig ohne messbaren Niederschlag blieb 1976 vom 17.2. bis 16.3. (29 Tage mit höchstens 0,0 mm in Riem).

Im mittel- und westeuropäischen Rahmen fiel dieser März ebenfalls sehr  mild aus. In Deutschland erreichten folgende Orte die Spitzenposition des wärmsten März seit Beobachtungsbeginn:


 
Ort
Tm März 2014
Alter Rekord
Jahr
Brocken
2,6°C
2,1°C
1991
Chemnitz
7,3
6,8
1989
DD-Klotzsche
7,9
7,8
1938
Fichtelberg
2,6
1,6
1938
Lindenberg/BRB
7,8
7,8
1938
Regensburg
7,3
7,2
1994
Fürstenzell
7,5
7,2
1974

An zahlreichen Orten fehlten oft nur wenige Zehntel, um den Höchstwert zu egalisieren, z.B. Geisenheim 8,7° (9,0°), Bad Kissingen 7,3° (7,6°), Weißenburg i.B. 7,3 (7,5), Bremen 7,4 (7,6), Potsdam 7,8 (8,0), Schwerin 7,0 (7,2) oder Stuttgart-Schnarrenberg 9,0 (9,4°).

An einer Station wurde heuer ein Niederschlagsrekord gerade eben eingestellt: in Gera fielen lediglich 4,0 mm, was dem bisherigen Minimum aus dem Jahr 1943 gleich kommt (Reihe ab 1901). An einer weiteren, in Braunschweig, reichte es sogar zum absoluten Minimum: 7 mm (bisher 8 mm, 1984); deshalb nun noch die entsprechende grafische Aufbereitung:



Auch im angrenzenden Elsass gab es nur sehr geringe Niederschläge (Sélestat 1,8 mm). Die lange Reihe von Strasbourg zeigt für heuer 4,4 mm (bei nur 2 Niederschlagstagen), was im untersten Bereich des Möglichen liegt (1811 gar kein Niederschlag, 1880 2 mm, 1900 5 mm, 1929 3 mm und 1953 4 mm). Hier die entsprechende Grafik:


Vor 100 Jahren gebärdete sich der März allerdings ganz anders, wie mein kurzer Rückblick auf damals zeigt:

Der März 1914 glänzte vor allem durch seinen Niederschlagsreichtum, speziell in den Weststaulagen des Bayerwalds. Folgende Monatssummen wurden damals gemessen (Kollerschlag, Deffernik und Hurkenthal sind grenznahe Stationen der k. u. k. Zentralanstalt):



Metten                         124 mm

Passau                         125

Klingenbrunn                 151

Schöllnach                   157

Kirchdorf                       172

Schönberg/Ndb.            184

(5.3.                             38,0)

Kollerschlag/OÖ            192

Waldhäuser                  201

Rohrstetten                   210

Zwiesel-Rabenstein       211

Deffernik                       213

(5.3.                             47)

Hurkenthal (1000 m)      252

Buchenau                     272

(5.3.                             70,8)

Rusel-Forsthaus            295

(5.3. 70,0, 6.3. 57,1 mm)

Oedwies (1029 m)         304

(5.3.                             92)



Da in höheren Lagen zum Zeitpunkt der größten Tagesmengen (5. und 6.3.) auch noch 40 cm und mehr gefallener Schnee wegtaute, waren alle Bäche randvoll. In Buchenau wurden bis heute die 70,8 mm im März noch nicht wieder übertroffen. Oberstdorf hatte 348 mm, Tegernsee 253 mm. Auf dem Säntis in der Schweiz gab es im März 687 mm und allein am 5.3. 128 mm Niederschlag. Auf diesen März folgte ein trocken-sonniger April (Ludwigshafen 8, Bad Dürkheim 9, Cham 12 mm).

Der Niederschlagsreichtum betraf auch Frankreich: Brest hatte 30, Besançon 27 Tage mit messbarem Niederschlag. Folgende Monatssummen waren besonders hoch:
 
Cherbourg
189 mm
Grenoble
200
Besançon
210,5
Bagnères de Bigorre
273,6
Château-Chinon
286
Puy-de-Dôme
341,1
Pic-du-Midi
354,8
Albertville
376,5
Ballon-de-Servance
609
Le Thillot
618

In Le Thillot fielen am 4. 60, am 5. 68, am 6. 77 und am 7.3.1914 64 mm, also in 4 Tagen alleine 269 mm.




Wolfgang Webersinke, April 2014