Witterungsbericht Februar 2014

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Auch der dritte Wintermonat setzte die Mildstrategie seiner Vorgänger fort, dazu gesellten sich viel Sonne und unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen.

Besonders in den mittleren Lagen des Bayerwalds, speziell in der Hanglage von Daxstein zeigte sich die milde Witterung besonders deutlich: mit 2,9°C Mitteltemperatur reihte sich der Februar 2014 unter die „großen“ seit 1891 ein; 1966 3,4, 1926 3,3, 1990 3,1 und 2002 2,6°C, das heißt 2014 steht immerhin an vierter Stelle. Die Grafik sieht so aus.




Besonders bemerkenswert ist auch die langanhaltende Folge zu milder Tage gegenüber den täglichen Mittelwerten 1981 bis 2010: Seit dem 29. Januar bis heute (15.3.) gab es keinen einzigen Tag mit unterdurchschnittlicher Temperatur mehr! Die 10 Frosttage zeigten sich gehäuft bis zum 14., dann war ein Frosttag schon etwas Besonderes (nur am 23. und 27.). Eistage gab es gar keine mehr. Hier nun die Bewölkungstabelle von Daxstein:

 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
für Daxstein im Februar 2014
Termin I: 7.30 Uhr
Termin II: 14.30 Uhr
Termin III: 21.30 Uhr
01.02.2014
1¹ 
2¹ ?
02.02.2014
8² Nebel
8² dichter Nebel
8² Schneesterne
03.02.2014
6¹ 
2¹ ?
0
04.02.2014
1¹ 
6¹ 
4¹ 
05.02.2014
3¹ 
6¹ ?
0
06.02.2014
7² l. Nieseln
3¹ ?
5¹ 
07.02.2014
5¹ 
7¹ 
7¹ 
08.02.2014
1¹ 
5? ?
8¹ 
09.02.2014
8² nach Regen
8² 
0
10.02.2014
5¹ 
8² 
8² 
11.02.2014
8² 
7² 
0
12.02.2014
8² 
8² 
0
13.02.2014
7¹ 
7¹ 
0
14.02.2014
7² 
4? ?
0
15.02.2014
7¹ 
3? ?
3¹ 
16.02.2014
8² mäß.Regen,Nebel
8² mäß.Regen,Nebel
8² 
17.02.2014
7¹ 
7¹ 
0
18.02.2014
6¹ 
7¹ 
0
19.02.2014
8² Dunst
8² Nebel
0 Dunst
20.02.2014
8² Nebel
8² dichter Nebel
0
21.02.2014
8² Dunst
8² 
8² l. Regen
22.02.2014
6¹ Talnebel
7¹ 
0
23.02.2014
1? ? Dunst
5¹ ?
0
24.02.2014
3¹ ?
4¹ ?
0
25.02.2014
2¹ ?
3¹ ?
0
26.02.2014
6¹ ?
6? ?
0
27.02.2014
8² Dunst
8² Nebel
0
28.02.2014
8² n.Schnee,Nebel
7¹ 
0
Mittel
5,8 Achtel
6,1 Achtel
2,2  Achtel
4,7 Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ
Alpensicht
Hochgestellte 0,1,2: Dichte der Bewölkung

Die lediglich 6 Schneedeckentage (bisheriges Minimum 11 Tage 1972 und 1975) sind sogar der minimale Rekordwert seit Aufzeichnungsbeginn im Bayerischen Wald (Zwiesel-Rabenstein seit 1884, Buchenau ab 1891, Rusel ab 1895, Hausstein ab 1916; alle Stationen in vergleichbarer Höhenlage von 650 bis 800 m). Zusammen mit dem Rekord von Januar 2014 ergibt sich so in Summe die schneedeckenärmste Periode Januar und Februar mit nur 16 Tagen. Bisher hielt der Winter 1971/72 den Rekord (26 Tage). Daher nun die täglichen Schneehöhen dieser beiden Winter:




Während es 1971/72 mehrere kleine Schneeereignisse gab, reichte es 2013/14 zwar zu einer längeren Schneedeckenphase (Ende November bis Ende Dezember), der aber nur noch einzelne Schneedeckentage folgten.

Nebel trat im Februar an 8 Tagen auf, Alpensicht an 13 Tagen.

Der gesamte Winter 2013/14 (Tm 1,9°C, Abw. + 3,1 K) wurde schließlich zusammen mit dem legendären von 2006/07 zum mildesten der gesamten Reihe:



Der Niederschlag erreichte mit 156 mm nur 39 % der Norm von 1981 bis 2010 (398,5 mm), der Winter wurde zum trockensten seit 1971/72 (107 mm), der auch zugleich der überhaupt trockenste war; 2013/14 besetzt insgesamt die 5. Stelle der niederschlagsärmsten Winter seit 1876/77. Schnee hatte für unsere Lage geradezu Seltenheitswert: 43 Tage mit geschlossener Decke, die Neuschneesumme betrug lächerliche 76 cm.


In der Erweiterung der Betrachtung auf den gesamten zentralen und südlichen Bayerischen Wald zeigt sich die Wärme des heurigen Februar ebenso: nur in den Höhenlagen (über 1000 m) sanken die Mitteltemperaturen überhaupt unter den Gefrierpunkt (Haidmühle – 0,1, Gr. Arber – 0,9°C), sonst schwankten sie zwischen 2,0°C (Kirchberg, Zwiesel) und 3,4°C (Hutthurm-Kringell, 450 m). Die Abweichungen vom Mittel betrugen 3,2 (Saldenburg-Entschenreuth) bis 4,2 Kelvin (Grainet-Rehberg). An allen Tagen hatte nur der Gr. Arber Frost (nur dort auch Eistage, insgesamt 9), Haidmühle an 27, Kirchberg und Zwiesel an 26 Tagen, minimal waren es nur 10 in Daxstein. Der 15.2. war generell am wärmsten, wobei sehr oft an die 15 Grad erreicht wurden, maximal 16,3° in Zwiesel. Die Sonne leistete Überstunden und schien 98 (Gr. Arber) bis 132 Stunden (Lalling). Beim Niederschlag ging es wieder recht sparsam her: Wirklich ergiebig war im südlichen Bayerwald nur der 16. mit 21,9 mm in Kirchberg und 21,0 mm in Grafling-Mühlen. Bis an die 50 mm gingen denn auch nur die höchsten Monatssummen (Gr. Arber 50, Grafling-Mühlen 49,6, Daxstein 47,7 mm). Die trockensten Gegenden, die auch im hinteren Wald lagen (!), kamen nicht einmal an die 20-mm-Marke heran: Neureichenau-Klafferstrass 20, Haidmühle 18, Kringell 17,7, Aldersbach 12 mm). Damit wurden höchstens 47 % des Mittels erfüllt (Grafling), oft war es nicht einmal ein Viertel (Klafferstrass 22, Zwiesel 24 %). Der Schnee blieb weiter Mangelware (s.o.), mehr als 7 Tage waren es nicht in den Tälern (Klafferstrass auf 668 m Höhe etwa nur 2!) und selbst in den höheren Gebieten, wo es für 28 Schneedeckentage reichte, schneite es nur wenig (beispielsweise Bischofsreut auf 1000 m gerade 19 cm Neuschneesumme).

In und um München war es nicht besser. Die Mitteltemperatur hatte eine Spannbreite, die in der Münchner Innenstadt mit etwa 5°C begann (Theresienstraße 5,2, Wetteramt 4,9°C) und im freien Umland bei 2,6°C endete (Osterseeon/Lkr. EBE; Laufzorn 2,8°C). Alles deutlich übernormal (3 bis 3,8 K). Besonders herausragend die Maximaltemperatur am 15.2. mit 20,1 an der Theresienstraße, 19,9° am Wetterturm in Garching und 19,4°C je am Botanischen Garten und an der Helene-Weber-Allee. Durch die vielen Strahlungstage gab es bei den Frosttagen große Unterschiede: 6 (Theresienstraße) bzw. 7 Frosttagen in der Innenstadt (Wetteramt) stehen 26 am Flughafen gegenüber. Es geht aber noch milder, denn 1926 registrierte die Stadtstation an der Gabelsbergerstraße nur 2 Frosttage. Einen einzigen (knappen) Eistag meldeten Osterseeon und Laufzorn jeweils am 3. In diesem Zusammenhang steht auch der große Unterschied bei der  mittleren Luftfeuchte; während das Mittel am Flughafen 83 % betrug (Bot. Garten 79 %), belief es sich am Wetteramt auf nur 71 %! Beispielhaft hier der Wert von 13 Uhr am 15.2.: Flughafen 48, Wetteramt 29 %. 

Die Sonnenscheinausbeute hatte 113 bis 118 Stunden aufzuweisen, was leicht übernormal ist. Wenig Niederschlag hieß die Aussage für den heurigen Niederschlag. Am trockensten der Nordwestraum mit gerade einmal 11 mm in Altomünster respektive in Großberghofen und am Flughafen und 12 mm in Ottershausen (Ortsteil von Haimhausen), aber auch die maximalen 32 mm in Otterfing (31 mm in Holzkirchen) im Süden sind mickrig. Einen ordentlichen Effekt erzielte der Saharastaubfall am Morgen des 19., als bei einem Regenschauer in München alle Autos unter einer schmutzigen Dreckschicht verschwanden. Schnee machte sich rar, es waren allenfalls 2 bis 7 Tage mit geschlossener Schneedecke (Holzkirchen und Laufzorn), bei Neuschneesummen von 1 bis 2 cm. Der gesamte Winter 2013/14 brachte im Raum München mit die wenigsten Schneedeckentage seit mindestens 1879: je nach Beobachtungsstandort ergaben sich seit Ende November 11 (Helene-Weber-Allee: Handmessung!) bis 13 Tage (Harthof) mit geschlossener Schneedecke; im selben Zeitraum hatten wir 2006/07 auch 11 Tage, 1924/25 sogar nur 7 (damals aber ereigneten sich durch einen Märzwinter noch zusätzlich 14 Tage!).

In der Zusammenschau, auch über den deutschen „Tellerrand“ hinaus, manifestieren sich in diesem Ausnahmewinter riesige Unterschiede bei den Niederschlagssummen: einer extrem trockenen Zone nördlich der Alpen (Freistadt/OÖ im Februar 2 mm, das sind 4 % des Mittels!) stehen an den westeuropäischen Küsten und südlich der Alpen Gebiete mit exorbitanten Überschüssen gegenüber. In Sachsen hatte auch Deutschland Anteil an Trockenzone, hierher gehören die 4,2 mm Monatssumme von Görlitz, die genau dem bisherigen Grenzwert entsprechen (erreicht 1870 und 4,5 mm 2003); deshalb nun die entsprechende Grafik (1945 und 1946 ohne Messungen):



Als Gegenstück bietet sich Klagenfurt südlich der Alpen mit seiner langen Reihe an. Dort summierten sich die Niederschläge (längst nicht in der Maximalzone gelegen!) auf 181 mm (Norm 29 mm, d.h. 622 % des Mittels). Damit hat 2014 den Rekord in der 202-jährigen Beobachtungs-geschichte inne:


Der bisherige Rekord bestand auch schon sehr lange (157 mm im Jahr 1904). Pörtschach kam auf 212 mm (706 %), am Loiblpass fielen 534 mm (515 %), in Spittal an der Drau 221 mm (737 %) 

und in Kötschach-Mauthen 365 mm (etwa 1000 %). Der gesamte Winter bescherte Klagenfurt 371 mm (auf dem nächsten Platz 1916/17 mit 349 mm). Die größte Schneehöhe wurde in Obertilliach/Osttirol am 1.2.2014 mit 192 cm erreicht, im Katastrophenwinter 1917 waren es aber dort 335 cm! 

Ähnliches lässt sich aus der Schweiz berichten: in Lugano zweithöchste Februarniederschlags-menge seit 1864 (277 mm, das sind 533 %, 1888 364 mm). In der Bretagne erlebten die Menschen den nassesten Februar seit Menschengedenken: 27 Regentage in Lanvéoc (Finistère), 266 mm in Brest, 280 mm in Pontivy (Morbihan), 310 mm in Spézet (Finistère). Der gesamte Winter brachte hier nie dagewesene Mengen (und Winterüberschwemmungen): Brest 752 mm (187 %), Rostrenen 750 mm (198 %), Guiscriff 995 mm (206 %) an 69 Niederschlagstagen.

Der Winter 2013/14 erreichte nur in Daxstein zusammen mit 2006/07 die Wärmespitze (Ähnliches gilt nur für Chur und Bad Ragaz), sonst rangierte er aber auch auf den obersten Rängen: in der Schweiz generell auf dem dritten Platz (dafür in Lugano mit 638 mm nassester Winter der 1864 beginnenden Messreihe; Gleiches in Locarno mit 754 mm). In Österreich liegt der heurige Winter hinter 2006/07 an zweiter Stelle (ab 1768). Ein weiteres Kennzeichen war das teilweise komplette Fehlen von Eistagen im Flachland (z.B. in Basel, was dort zuletzt 1876/77 der Fall war), gekoppelt mit großer Schneearmut nördlich der Alpen und extremem Schneereichtum südlich davon (z.B. Bosco-Gurin 684 cm Neuschnee).

Wolfgang Webersinke, März 2014