Witterungsbericht Dezember 2013

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der erste Monat des Winters 2013/14 (bis in den Januar 14 hinein vom DWD als deutlich zu kalt prognostiziert!) bot zwar nach den Mittelwerten kein extrem einseitiges Bild (mild, zu sonnig und zu trocken), in den einzelnen Regionen Mitteleuropas brachte er aber doch zum Teil außerordentliche Wetter- und /Witterungserscheinungen.

Wir beginnen traditionell im Bayerischen Wald, wo in der ersten Dekade wenigstens für einige Tage hochwinterliche Witterung mit kräftigen Schneefällen herrschte, dies vor allem in Lagen oberhalb von 700 m: am 6.12. in Bischofsreut/1000m 11 cm Neuschnee, tags darauf dann 36 cm neu (Daxstein 20 cm neu) und schließlich am 8.12. in Daxstein 10 und in Bischofsreut 18 cm neu (im ganzen Dezember dort immerhin 82 cm Neuschnee). Allerdings sollte das für lange Zeit das einzige richtige Schneefallereignis bleiben. Zuvor war in Daxstein in milder südlicher Föhnluft am 3.12. morgens die relative Luftfeuchtigkeit bis auf 23 % zurückgegangen. In der zweiten und dritten Dekade war vom Winter nicht mehr viel zu sehen, es wurde immer milder und genau an Weihnachten trat durchgreifendes Tauwetter ein, es gab auch keine Nachtfröste mehr, so dass die Schneedecke, da keine Eisschichten „eingebaut“ waren, am 28.12. zerfallen war; nicht so im Nachbarort Schöfweg/755 m, wo stets Nachtfröste herrschten und so die Schneedecke, dünn zwar, bis über den Jahreswechsel hinaus konservierten. Dies geschah auch an anderen Orten, so dass doch einige Stationen 31 Schneedeckentage zu melden hatten (Schöfweg, Zwiesel, Riedlhütte, Neureichenau-Klafferstrass), demgegenüber gab es in Donaunähe auch Orte ohne jede Schneedeckenbildung (Aldersbach-Kriestorf z.B.). Die Monats-Niederschlagssummen begannen bei etwa 20 mm (Fürstenzell 16,4, Kringell 20,1, Kirchberg 20,5, Grainet-Rehberg 23,1, Lalling 26,1 mm) und endeten in den niederschlagsreicheren Gegenden über 50 mm: Waldhäuser 51,5, Zwieslerwaldhaus 54,2, Haidmühle 57,7, Neureichenau-Duschlberg 58,0, Spiegelau-Althütte 58,8, Bischofsreut 63,8 und Gr. Arber 65,2 mm. Mehr als 45 % des Mittels waren das aber nicht. Die Mitteltemperaturen schwankten nicht so stark wie üblich, da des öfteren Inversionen die Temperaturen in den verschiedenen Höhenlagen ausglichen: Haidmühle – 2,6, Gr. Arber – 2,1, Zwiesel – 0,7, Kirchberg – 0,6, Entschenreuth – 0,2, Grainet 0,1, Lalling 0,5, Metten 0,6°C. Immerhin reichte es zu 2 bis 6 Eistagen (Haidmühle und Lalling jeweils genau 2 Stück!) und zu bis 31 Frosttagen (Haidmühle). Die Sonne schien an 47 (Metten) bis 104 Stunden (Gr. Arber, Haidmühle 103). An zusätzlichen Werten für Daxstein wären noch 15 Nebeltage und 12 Tage mit Alpensicht zu nennen. Hier noch die obligate Bewölkungstabelle:


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
für Daxstein im Dezember 2013
Termin I
Termin II
Termin III
01.12.2013
8² n.Schneegriesel
8² Dunst
02.12.2013
4¹ ?
0
03.12.2013
5¹ ?
0
04.12.2013
8² gefr. Nebel
8² gefr. Nebel
0 Dunst
05.12.2013
8² Nebel
8² Nebel
8² l.Schneefall,Nebel
06.12.2013
8² l. Schneefall
8² Schneesterne
8² st.Schneefall,Nebel
07.12.2013
8² mäß. Schneefall
8² Schneesterne
8² Dunst
08.12.2013
8² l.Schneefall,Nebel
8² Nebel
09.12.2013
8² Dunst
8² Dunst
8² Dunst
10.12.2013
7¹ Dunst
5¹ ?
11.12.2013
8² Nebel
8² nässender Nebel
8² Dunst
12.12.2013
2¹ ?
0
13.12.2013
8² nässender Nebel
8² gefr. Nebel
8² gefr. Nebel
14.12.2013
8² gefr. Nebel
8² gefr. Nebel
8² Griesel, Nebel
15.12.2013
8² gefr. Nebel
8² gefr. Nebel
0 Talnebel
16.12.2013
0
2° ?
0
17.12.2013
4¹ ?
0
18.12.2013
0
19.12.2013
0
20.12.2013
8² Nebel
8² l.Schneefall
21.12.2013
8² gefr. Nebel
6° ? Talnebel
22.12.2013
5¹ ?
23.12.2013
5¹ ?
24.12.2013
25.12.2013
26.12.2013
4¹ ?
8² l.Nieselregen,Nebel
27.12.2013
8² Nebel
28.12.2013
4°  Talnebel
3¹ ? Talnebel
29.12.2013
8² Dunst
8² nach Nebel
30.12.2013
1¹  Talnebel
3¹ ?
0
31.12.2013
5°  Talnebel
1° ?
0 Talnebel
Mittel
6,2 Achtel
6,1 Achtel
4,3  Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ
Alpensicht
Hochgestellte 0,1,2: Dichte der Bewölkung


Im Raum München wurden die Grenzwerte deutlich besser ausgelotet. Zwar war auch hier die Mitteltemperatur des Monats nur wenig auseinander: Oberhaching-Laufzorn 1,0 und München/Stadt 2,9°C. Der Heilige Abend und der Stephani-Tag zeigten sich dabei besonders mild: Ebersberg 16,1, Laufzorn 16,4 und München/Stadt 16,7 (2012 16,3°) sowie Haar 16,9°C, jeweils am 25.12.2013. Gerade am 24. und 25. gab es auch große Temperaturunterschiede zwischen der Stadt und dem nordöstlich gelegenen Flughafen, der zeitweise in der bodennahen Kaltluftschicht blieb, während weiter südlich die sehr milden Luftmassen durchgriffen:

 
6.50 Uhr
13.50 Uhr
18.50 Uhr
Tagesmittel
Max.
Min.
24.12.2013
Stadt
5,7
14,7
10,7
8,9
15,4
0,4
Flughafen M.
-1,0
6,1
1,4
1,5
7,1
-3,0
25.12.2013
Stadt
11,0
15,7
5,7
10,3
16,7
4,3
Flughafen M.
2,9
14,9
5,2
5,7
16,1
0,2


Warme Weihnachten waren auch schon in der Vergangenheit durchaus nicht selten, beispielsweise am 24.12.1977 (Horn bei Füssen 17,3, Wendelstein 9,0°C) oder am 25.12.1983 (Kaufbeuren 17,0, Attenkam 16,8 und Kempten 16,5°C). 

Nächstes Highlight war die Sonnenscheindauer, die in München nie dagewesene Höhen erklomm: 127 Stunden bedeuten den Dezemberrekord seit Aufnahme dieser Messungen im Jahr 1901:



Der alte Höchstwert von 2006 hatte nicht allzu lange Bestand. Bis 1971 lagen selbst die 100 Stunden weit entfernt, nun wurde diese Grenze zum dritten Mal (deutlich) überschritten. 

Der Niederschlag blieb viel schuldig, im erweiterten Stadtgebiet lagen die Summen bei 9 bis 12 mm (Stadt und Harthof 9,0 mm, Laufzorn 10,7 und Oberschleißheim 11,6 mm), aber selbst weiter entfernt Richtung Alpen oder ins nördliche Umland änderte sich daran wenig: Altomünster 11,8, Ottershausen 9,8, Finsing 8,1, Forstinning 7,8, Ebersberg 9,4, Oberpframmern 9,5, Aying 9,9, Assling nur 6,6 mm. Das sind nur 9 bis 20 % des neuen Mittels 1981 bis 2010. Auch in langen Reihen sind das Werte in der Nähe der Rekorde, wie die Grafik von München/Stadt auch bestätigt (abs. Minimum 5,7 mm, 1848):



Die 9,4 mm von Ebersberg sind das absolute Minimum seit Beginn der Beobachtungen 1900 (bisher 10 mm, 1975), gleiches gilt für Oberammergau (heuer 14,5 mm, alter Rekord 20,6 mm, 1972). Souverän zeigt sich Rosenheim: die 5,4 mm von 2013 sind deutlich weniger als im bisherigen Rekorddezember von 1890 (9,6 mm):


Am trockensten war es in Andechs, wo es lediglich zu 3,2 mm reichte (5 % des Mittels). An vielen anderen Orten wurden die Minima von 1975, 1972, 1890 oder 1932 dagegen nicht geknackt. 1890 etwa fiel in einigen Gegenden zum Teil nur 1 mm Niederschlag (Zwiesel, Hof, Bamberg oder Metten).

Fast völlige Fehlanzeige war bei der Schneedecke zu vermelden, zum Teil lag gar kein Schnee (z.B. München-Harthof), gelegentlich an 1 bis 2 Tagen (so in Altomünster oder Ebersberg). Weiter südlich waren es auch mehr Schneedeckentage (Holzkirchen 8 Tage). In der langen Münchner Reihe sind 9 Jahre ohne Dezember-Schneedecke verzeichnet (ab 1879 und zuletzt 2007 und 2006).

Der abnorme Sonnenscheinreichtum war 2013 auf die Zone vom Schweizer Mittelland über das Alpenvorland bis hinüber ins Salzburgische beschränkt; hier fielen alle bisherigen Maxima, allerdings nicht auf den Bergen, wo 1972 weiter einzig dasteht (Zugspitze 200 Stunden, Wendelstein [schmerzlich vermisst!] 194, Weißfluhjoch und Säntis je 185 und Patscherkofel 176 Stunden). Zürich mit 113 und Bern mit 121 Stunden und den langen Reihen dort (ab 1884 bzw. 1886) sowie Salzburg-Flughafen mit 143 Stunden. Die Grafik von Zürich wurde freundlicherweise bereits vom dortigen Bundesamt im Klimabulletin bearbeitet und veröffentlicht, so dass sie hier nur wiedergegeben wird:



Kopie S. 2 des Klimabulletins Dezember 2013 von Meteo Schweiz

(http://www.meteoschweiz.admin.ch/web/de/klima/klima_heute/monatsflash/bulletin201312.Par.0001.DownloadFile.tmp/klimabulletindezember2013.pdf)

Aber auch Météo-France berichtet von extrem langen Dezember-Sonnenscheindauern (Toulouse 140, Dax 138, Châteauroux 122, Bourges 118 oder Paris-Montsouris 113 Stunden). 

Die Niederschlagsarmut mit den kleinsten Monatssummen seit 1972 betraf auch Österreich, beginnend mit Salzburg-Oberösterreich bis hinüber ins Nordburgenland und „Spitzenwerten von 4 mm in Krems, 3 mm in Wolfsegg/Hausruck und nur 2 mm in Hollabrunn/NÖ. Die absoluten Grenzwerte liegen in Österreich bei 1 mm (1864 in Linz) und 2 mm in Landeck und St. Pölten (1932) bzw. 2 mm in Freistadt/OÖ im Dezember 1972. Südlich der Alpen war eine andere Welt anzutreffen mit reichlichen Niederschlägen aus dem Feuchtigkeitsangebot von Mittelmeertiefs (am 26.12. Lienz 63, Spittal a.d. Drau 53 mm). An der Côte d’Azur waren die Niederschläge am 19.12. noch viel ergiebiger: Saint-Raphaël-Fréjus 120,4 und Seilans/Var 133 mm.

Erwähnenswert schließlich noch das Weihnachts-Tief Dirk, das in den Pyrenäen Orkanböen bis 228 km/h hervorrief (Iraty, 1427 m) und Salzburg/Flughafen ein neues Dezember-Maximum der Temperatur brachte (19,1°C am 25.12.).

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Januar 2014