Witterungsbericht März 2013

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der vergangene März hat gezeigt, wozu unsere Witterung fähig ist, wenn sich geeignete Nordost-/Ost-Wetterlagen nur lange genug einstellen, was dann auch wieder Kälterekorde möglich macht.

Im Süden Deutschlands lief das Ganze allerdings sehr gemäßigt ab, zumal auch bis zum 12. März eine Reihe von milden Tagen auftraten, die am Ende nur zu einem mäßig unterkühlten März führten, der allerdings selbst hier eine sehr kalte dritte Dekade aufwies.

Für Zenting-Daxstein ergab sich der kälteste März seit 2006 (zuvor 1996 kälter); bis zum Minimalrekord von – 2,6°C (1987 und 1944) fehlte es doch noch ziemlich. Alle Tage ab dem 13. März waren, bis auf den etwas zu milden 20.3., deutlich zu kalt gegenüber dem Mittel 1961 bis 1990 (maximal – 7,9 K am 25.3.2013). Nachts wurde es aber nie kälter als – 8,2°, Schnee fiel für Bayerwaldverhältnisse meist nur in homöopathischen Dosen (Ausnahme der 19. mit 10 cm Neuschnee) und der Niederschlag erfüllte, mangels Westlagen, sein Soll im dritten März hintereinander nur sehr mangelhaft.

Am 10. gab es ein erstes zaghaftes Frühlingsgewitter. Alpensicht war nur an den vier Tagen vom 17. bis 20.3. möglich, Nebel bildete sich an 8 Tagen und die Sonne ließ sich an 7 Tagen gar nicht blicken.

Abschließend noch die gewohnte Bewölkungstabelle:


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
in Daxstein im März 2013
Termin I
Termin II
Termin III
01. Mrz
8² Dunst
8² Dunst
02. Mrz
5º ?
6º ?
0
03. Mrz
8² Nebel
1º ?
0
04. Mrz
0 ?
0  ?
0
05. Mrz
0 ?
1º ?
0
06. Mrz
07. Mrz
08. Mrz
5º ?
2º ?
09. Mrz
8² Dunst
8² Nebel n.Regen
8² n Regen
10. Mrz
8² Nebel
8² n.Nebel
8² Nieseln, Nebel
11. Mrz
8² Nebel
12. Mrz
8² Dunst
6¹ ?
8¹ Dunst
13. Mrz
8² Griesel
8² Griesel
8² l.Schneefall
14. Mrz
8² Schneeflocken
0
15. Mrz
3¹ ?
0
16. Mrz
0  ?
1¹ ?
17. Mrz
3º ?
7º ?
0
18. Mrz
8² st. Schneefall, Nebel
19. Mrz
8² Nebel,Schneefl.
3¹ n.Reifgraupeln
20. Mrz
3¹ ?
8² etwas Regen
21. Mrz
8² l.Schneefall
22. Mrz
4¹ ?
0
23. Mrz
6º ?
24. Mrz
8² Schneeflocken
25. Mrz
8² l.Schneefall
26. Mrz
8² etwas Schnee
8² etwas Schnee
27. Mrz
6º ?
28. Mrz
3¹ ?
6¹ ?
29. Mrz
8² Nebel,Schneefall
6¹ ?
30. Mrz
8² Schneeflocken
8² etwas Schnee
31. Mrz
8² etwas Schnee
8² etwas Schnee
6¹ Schneeflocken
Mittel
6,0 Achtel
6,0 Achtel
5,1  Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ
bedeutet Alpensicht


Auch im Bayerwaldüberblick gilt Ähnliches: Deutlich unternormale Mitteltemperaturen (negativ ab etwa 600/750 m, je nach Lage [Zwiesel – 0,1°, Daxstein 0,0°C, Kirchberg – 0,3°C]), Sonnenanteile fast normal (Grainet-Rehberg 120, Lalling 143 Stunden Sonne) und recht dürftige Niederschlagsausbeute mit meist weniger als 50 % der Norm (Zwiesel 26,3, Metten 40,7, Gr. Arber 54,2 mm). Am kältesten war der 16. mit Minima jenseits der – 10 Grad in den entsprechenden Lagen (Zwiesel – 10,1, Kirchberg – 10,6 und Haidmühle – 15,1°C). Es gab 1 (Metten) bis 8 Eistage (Haidmühle). Die Schneedecke hielt sich in Tallagen an die 10 Tage (z.B. Metten), und ab etwa 650 m ziemlich den ganzen Monat, aber mit nur sehr geringen Neuschneesummen (Entschenreuth, 457 m, 13 cm, Spiegelau-Althütte, 808 m, 28 cm).

Der Großraum München hatte nur geringe Unterschiede in der Mitteltemperatur (München/Stadt 2,3 und Oberhaching-Laufzorn 0,6°C; Referenzstation München/Bot. Garten 1,6°C), alles etwa 3 K unternormal. Nur Laufzorn unterschritt die Minus-Zehn-Grad-Marke (- 10,8° am 4.3.), bei 21 bis 25 Frost- und meist 5 Eistagen.

Doch diese ereigneten sich teilweise spät im März und an drei Tagen hintereinander (25. bis 27.3.2013), was in München schon zu den Seltenheiten zählt. Nach Monatsmitte gab es bislang folgende Eistag-“Serien“:

·21. bis 24.3.1837

·16. bis 20.3.1850

·    19. bis 21.3.1853

·20. bis 23.3.1865

·18. bis 24.3.1875 (ohne den 20.3.)

·14. bis 19.3.1887

·18. bis 20.3.1939

·21. bis 23.3.1958

Am kältesten war bei der zweiten Monatshälfte 1853 mit einer Mitteltemperatur von – 3,8°C, gefolgt von 1865 mit – 3,3°C. Diese späte Märzkälte war eher eine Spezialität der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Spitzentiefsttemperatur – 15,5°C am 21.3.1865, an nächster Stelle – 15,0° am 24.3.1875). Wir waren in den letzten Jahrzehnten dieser Kälte besonders entwöhnt, weshalb sie uns nun gar so außergewöhnlich anmutet. Auch schneemäßig war heuer in München nicht allzu viel los, wenn man weiß, dass am 21.3.1906 27 cm und am 31.3.1919 ebenfalls 27 cm Schnee lagen (1944 gar hatte 31 Tage mit geschlossener Schneedecke).

Abschließend noch die Temperaturgrafiken der zweiten Märzhälfte in München von 1853 und 1865 (jeweils Minima, Maxima und Tagesmittel), 2013 trennen davon noch Welten, wenngleich 1853 auch zuerst relativ mild begann:



Beim Niederschlag blieb das Gesamtergebnis hinter dem Mittel 1981 bis 2010 zurück (30,3 mm in Großberghofen/Lkr. Dachau und bis zu 56 mm in Holzkirchen). In Holzkirchen auch 18 Tage mit geschlossener Schneedecke und 28 cm Neuschneesumme (17 cm in Laufzorn, 11 cm in Altomünster und in Haar-Eglfing und nur 4 cm in Ebersberg). Die Sonne war zwar fleißiger als im Februar und Januar, aber mit 110 bis 120 Stunden unterbot sie trotzdem noch die Norm. Das einzige Gewitter am 10. des Monats brachte in Teilen Oberbayerns (u.a. in München und in Markt Schwaben) auch den ersten Hagel des Jahres.

Der angesprochene März 1853 hatte es aber auch andernorts in sich: in Wien etwa bildete sich nach einem Schneesturm am 20.3.1853 eine stark verwehte Schneedecke, die im Mittel 30 cm hoch lag, sie lag bei abnehmender Tendenz bis zum Monatsende. Die Temperatur sank am 26.3. in Kremsmünster bis – 9,1° (Neuschneesumme dort vom 17. bis 28.3. 39 cm) und am 30.3.1853 in Salzburg bis – 9,4°C. Auch in Leipzig waren alle Tagesmittel vom 17.3. ab negativ und am 29.3.1853 wurde mit – 10,1°C das Minimum des gesamten Winters 1852/53 gemessen!  Von Leipzig sind auch noch ältere Beobachtungen verfügbar, die zeigen, dass 1770 ebenfalls ein später Märzwinter in der zweiten Monatshälfte wütete, 1771 wiederholte sich das in verschärfter Form ab dem 23.3. Das Leipziger Monatsmittel des denkwürdigen März 1785 lag übrigens bei – 5,4°C. (Angaben dazu im Sächsischen Jahrbuch von 1867 bzw. im K.u.K. Jahrbuch von 1853)

Deutschlandweit war der März 2013, vor allem Richtung Nordosten, als extrem einzustufen (aber längst nicht in dem Maße wie 1853 oder 1785!). Gerade in Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen war es oft nur in wenigen Jahren seit 1901 ähnlich kalt gewesen. Man sollte sich dabei nicht an den Zehntelgraden verbeißen, sondern auf den abgerundeten Wert achten, denn gerade Stationsverlegungen oder neue Stationsorte lassen sich nicht immer leicht an alte Standorte anschließen. Oft war 1987 ähnlich kalt (z.B. Brocken 2013 – 6,3, 1987 – 6,6°C oder Hannover/Flgh. – 0,3, 1987  - 0,5°C), es gab aber auch Orte, an denen 2013 an erster Stelle liegt:


·Angermünde                 - 1,6°C  (Rekord seit 1901 im Jahr 1942 mit – 1,6°C egalisiert)

·Lindenberg/Obs.            - 1,2°C (Rekord seit 1906, 1931, 1942 und 1987 mit jeweils – 0,7°C)

·Potsdam                      - 0,8°C  (Rekord ab 1893 1917 mit – 0,7°C)

·Cottbus                        - 1,1°C  (Rekord ab 1884 1969 mit – 0,5°C)


Aber alle Stationen, die eine längere Historie haben, haben ihre Tiefstwerte im 19. Jahrhundert, wie folgende Liste offenbart (Ausnahme Fichtelberg und Greifswald):

 
Ort
2013
Rekord
Jahr
Bremen
0,1°C
- 3,7°C
1845
Dresden
-1,1
-2,0
1853,1883
Erfurt
-1,8
-2,9
1883
Fichtelberg
-5,9
-7,3
1987
Frankfurt/Oder
-1,1
-2,8
?
Görlitz
-1,5
-2,9
1883
Greifswald
-0,6
-1,5
1917
Halle-Kröllwitz
-0,9
-2,7
1853
Leipzig
-1,2
-1,8
1883
Magdeburg
-0,3
-2,4
1853
Schwerin
-0,8
-3,1
1853
Emden
0,4
-0,7
1853
Hamburg
-0,4
-1,1
1883
Münster/Greven
1,1
-0,3
?
Lübeck
-1,1 
-1,5
1883

Der besseren Übersicht/Einordnung wegen wurden von Bremen, Schwerin, Erfurt und Görlitz die entsprechenden Temperaturgrafiken erstellt:



Für Erfurt und Görlitz liegen nur 2 bis 4 Märzmonate seit Mitte des vorletzten Jahrhunderts unter den heurigen Werten!

Ganz im Norden kam nur sehr wenig Niederschlag zusammen und in List auf Sylt waren es schließlich nur 3,3 mm und damit die geringste Märzmenge seit Stationsgründung im Sommer 1891. Deshalb hier auch die Niederschlagsgrafik:



Vor allem im Norden gab es ungewöhnlich viel Schnee. Aber nur selten kam man in die Nähe der Märzrekorde (oft 1965, 1970, 1979, auch 1942), wie etwa in Lübeck mit 36 cm am 12.3.2013 (37 cm am 3.3.1965). Allein Hamburg erreichte den Allzeitrekord für März mit 28 cm am 12.3. (bisher 25 cm am 17. und 18.3.1969). In Frankfurt am Main wurden 18 cm gemessen, was noch 2 cm unter dem Rekord von 20 cm am 1.3.1942 liegt. Natürlich ist die lange Schneedecke in der zweiten Märzhälfte (etwa in Berlin) recht außergewöhnlich, aber in den extrem kalten Märzmonaten von 1845 oder 1785 wird wohl den ganzen Monat über noch Schnee gelegen sein, nur leider wurde dieses Wetterelement damals noch nicht beobachtet.

Extrem viel Niederschlag fiel dagegen auf dem Cevennengipfel Mont Aigoual (1507 m) in Frankreich (wie generell im Süden Frankreichs): 494 mm (319 % der Norm) bedeuten den viert-höchsten Märzwert seit 1901 (nach 534 mm 1960, 529 mm 1991 und 517 mm 1936); allein am 5.3. gab es dort 116 mm. Auch Nizza hatte diesen Monat 243 mm, das sind 639 % des Mittels, damit war es der nasseste März seit mindestens 1942. Darüber hinaus erfassten ungewöhnliche Schneefälle den Norden des Hexagons mit Höhen, die völlig beispiellos sind:

·40 cm in Corseul (Côtes-d'Armor) am 13.3.

·45 cm in Litteau (Calvados) am 13.3.

·50 cm in Fresnoy-Folny (Seine-Maritime),12.3.

·69 cm in Saint-Sauveur-le-Vicomte (Manche).

Wolfgang Webersinke, Daxstein, April 2013