Witterungsbericht Februar 2013

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der letzte Wintermonat zeigte sich heuer ebenfalls nicht von seiner zahmen Seite, denn die winterkalten Abschnitte überwogen, Schnee gab es oft reichlich und die Sonne schien teilweise so selten wie lange nicht mehr.
In Zenting-Daxstein, eine der Referenzstationen im Bayerwald, überstiegen nur 8 Tage das langjährige Temperaturmittel, das um 1,4 K unter dem Mittel 1961 – 90 lag, beim Zeitraum 1891 – 2010 waren es sogar – 2,0 K. Da es fast nie klar war, reichte es zu keiner starken nächtlichen Abkühlung bis unter – 10 Grad (ebenso in Lalling). Allerdings traten 19 Eistage auf, ein Wert, der nur auf dem Großen Arber noch übertroffen wurde (Haidmühle 17, Kirchberg 15 Eistage). Dies liegt am hohen Bewölkungsgrad von 7,0 Achteln (oder 88 %); 11 Tage blieben ohne jeden Sonnenstrahl. Es gab 12 Nebeltage und nur 1 Tag mit Alpensicht (der 18.). Die Winterbilanz 2012/13 schloss mit einem Temperaturmittel von – 1,8°C (+ 0,1 K gegen 1961 – 90 und – 0,6 K gegenüber 1981 – 2010), beim Niederschlag mit 499 mm (135, respektive 125 %). Schnee lag an 85 Tagen bei 239 cm Neuschnee. Der Bewölkungsgrad betrug 6,9 Achtel (oder 86 %) bei 1 (!) heiteren und 64 trüben Tagen: allerdings hatten wir in der Saison 2009/10 7,0 Achtel und 66 trübe Tage!

Im größeren Betrachtungsrahmen hatte der Februar 2013 von 25,2 Sonnenstunden (Haidmühle: 29 % der Norm) und bis zu 44,8 Stunden in Grainet zu bieten (53 %). Rekorde wurden dabei nicht gebrochen (Finsterau etwa 1952 im Februar nur 23,5 Stunden, Metten 22,6, Hausstein 20,2 oder Zwiesel 17,7 Stunden). Wohl aber, wenn man den gesamten Winter in Betracht zieht: den minimalen 101 Stunden von Haidmühle heuer sind als nächst tiefere Werte die 104 Stunden von 2009/10 und dann die 113 Stunden von 1969/70 auf den Fersen (Betrachtungszeitraum ab 1920). Bedingt durch die viele Bewölkung sind die Mitteltemperaturen relativ wenig weit auseinander: - 1,3°C in Lalling, - 2,9° in Kirchberg, - 4,0° in Haidmühle und bis zu – 7,3°C auf dem Gr. Arber. Das absolute Minimum bei – 18,6° am 10. in Haidmühle (Kirchberg – 16,8° jeweils am 11. und 22.) auch wenig aufregend. Die Niederschläge zeigten sowohl Ausschläge ins Minus (Haidmühle 82 mm = 69 % oder Zwiesel 78 mm = 84 %) als auch ins deutliche Plus: Schaibing 108 mm = 146 %, Metten 107 mm = 151 % und Hengersberg-Unterfrohnstetten 140 mm = 169 %. Generell war der 1.2. der nasseste Tag des Monats (Grafling-Mühlen 45,2 mm). Eine Schneedecke lag generell an 26 Tagen (in der Regel ab dem 3. auch in Tallagen), ab etwa 600 m den ganzen Monat lang, was aber völlig normal ist. Besonders viel Neuschnee fiel nicht, meist waren es um die 50 bis 90 cm in der Monatssumme. 

Hier nun noch die obligate Bewölkungstabelle von Daxstein:


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
in Daxstein im Februar 2013
Termin I
Termin II
Termin III
01. Feb
8² 
8² l.Regen
8² Nebel,mäß. Regen
02. Feb
8² l.Regen
8² n.Schneeschauer
7¹ l.Schneeschauer
03. Feb
8² l.Schneeschauer
8² Schneegriesel
8² mäß.Schneefall
04. Feb
8² Nebel,mäß.Schneefall
8² Nebel,st.Schneefall
8² mäß. Regen
05. Feb
8² l. Schneefall
8² Nebel
8² Nebel,Schneegriesel
06. Feb
6¹ Dunst
7² 
0
07. Feb
8² Nebel,l.Schneefall
8² Nebel,l.Schneefall
0
08. Feb
8² Nebel, Schneeflocken
8² 
0
09. Feb
8² Nebel i.d. Nähe
8² Schneeflocken
8² l.Schneefall
10. Feb
7¹ Dunst
6¹ Schneeflocken
2º 
11. Feb
2º ?
6º ?
8¹ 
12. Feb
8¹ 
8² Schneegriesel
8² Nebel,l.Schneefall
13. Feb
8² Dunst
7¹ Dunst
7¹ 
14. Feb
8² 
8² Dunst
8² Schneegriesel
15. Feb
4º ?
5º ?
8² Dunst
16. Feb
8² l.Schneefall
8² Schneeflocken
8¹ 
17. Feb
8² 
8² 
8² 
18. Feb
8² 
8² 
8² 
19. Feb
8² 
8² Nebel,st.Schneefall
8² mäß.Schneefall
20. Feb
7¹ 
6¹ 
6º 
21. Feb
8¹ 
5¹ ?
0
22. Feb
8¹ 
6º ?
7¹ l. Schneefall
23. Feb
8² mäß. Schneefall
8² Schneeflocken
8¹ Schneeflocken
24. Feb
8² 
8² nach Nebel
8²  Nebel
25. Feb
8² Dunst
8¹ Dunst
0 Dunst
26. Feb
8² 
8² Dunst
8² Dunst
27. Feb
8¹ 
8² 
8² 
28. Feb
8² 
6¹ 
8º 
Mittel
7,5 Achtel
7,4 Achtel
6,2 Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ
bedeutet Alpensicht

Im Raum München gilt vieles, was schon für den Bayerwald gesagt wurde: wenig Unterschiede bei der Mitteltemperatur, die unterkühlt ausfiel: - 1,2°C in München/Stadt und – 2,9°C in Oberhaching-Laufzorn sind die Eckpunkte. Nur außerhalb Münchens auch Minima unter – 10°: am 10. Osterseeon – 15,4°C, am 11. Laufzorn – 16,4 und Flughafen München/Erdinger Moos am 15. – 15,5°C. In der Regel gab es 10 bis 12 Eistage. Die Niederschlagsverteilung war erneut recht kurios: da, wo es normalerweise reichlich davon gibt, war es  oft weniger als erwartet, z.B. in Ebersberg nur 85,6 mm, dagegen Richtung Norden zum Teil sehr viel, wie etwa in München-Harthof mit 91 mm. Erst deutlich südlich von München wurden die 100 mm überschritten (Geretsried 113, Holzkirchen 114 mm). Allerdings war das überall, teilweise deutlich zu nass (Haar-Eglfing 182, München-Harthof 191 %). Die Neuschneesummen, beinahe eine Kopie des Bayerwalds, meist zwischen 40 (Altomünster) und 92 cm (Holzkirchen), mit den maximalen Schneehöhen bei 30 cm (Laufzorn am 23. und 24.2.).
Um den Unterschied zum Winter 1962/63 zu verdeutlichen, habe ich in einer kleinen Grafik die täglichen Schneehöhen des Februar von München-Harthof 2013 und die von München-Am Hart 1963 (ein Stadtteil südöstlich an den Harthof anschließend, wo von 1960 bis 1970 Niederschlagsbeobachtungen durchgeführt wurden) nebeneinander gestellt:




Obwohl es heuer recht schneereich war, liegt hier an allen Tagen des Monats 1963 vorn, ganz besonders am 1.2.1963, wo im Münchner Norden der Schnee 56 cm hoch lag.
Nun eine etwas längere Betrachtung zur Sonnenscheindauer dieses Februar: generell wurden in und um München um die 40 Stunden gemessen (Flughafen 39,7, Garching 39,5, Wetteramt 41,0 und München-Theresienstraße 42,1 Stunden); das ist der niedrigste Februarwert seit 1942 (34,4 Std. in München), davor gab es auch 1908, 1907, 1904 und 1902 noch deutlich niedrigere Summen (1907 23,3 Std.). Abgesehen von den Auswertungsschwierigkeiten, die der Campbell-Stokes-Apparat mit sich bringt, sind meiner Ansicht nach auch andere Gegebenheiten zu berücksichtigen, etwa die, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Luftqualität in den Städten eminent schlechter als heute war (Heizung durch Holz und Kohle mit extremer Schwefeldioxidbelastung und vielen Aerosolen/Staubteilchen in der Luft), so dass von daher viel weniger Sonnenschein durchkam, wenn es lange ruhige Hochdrucklagen gab. Ich habe die Bewölkungsangaben für die drei Haupttermine 7 (an nur drei Terminen gab es keine Bewölkung unter 8 Achtel!), 13 und 19 Uhr für München zusammengestellt und bin auf einen Bewölkungsgrad von 7,3 Achtel (92 % der Himmelsfläche) für den diesjährigen Februar gekommen (das passt zur einzigen im Raum München noch vorhandenen Wetterdienst-Bewölkungsmessung am Flughafen, die 7,2 Achtel erbrachte (90 %)). Damit steht dieser Wert mit an der Spitze der Bewölkungsangaben für den Februar in München seit 1848: 1907 hatte die Centralstation an der Gabelsbergerstraße 87 % (Sternwarte 86), 1904 die Sternwarte 87 % (Centralstation 86). Zuvor gibt es noch für 1852 ein Monatsmittel von 83 und 1855 von 84 %. Zumindest bei der Bewölkung war 2013 wohl „Spitze“. Was den Eindruck der Düsternis aber noch verstärkt haben dürfte, ist die Tatsache, dass in den vergangenen drei Jahrzehnten die sonnigen Winter fast die Regel waren.

Wie dem auch sei, jedenfalls war in der Münchner Reihe der Winter 1903/04 der absolut sonnenscheinärmste überhaupt: Dezember 10, Januar 7 und Februar 31,5 Stunden, insgesamt nur 48 Stunden, das waren heuer fast dreimal so viele Sonnenstunden! Und man muss bedenken, dass 1903 auch schon der Februar ausnehmend trüb war (32 Stunden Sonne). Die Werte für Nürnberg, was die Sonnenscheindauer anlangt, waren in jenem Winter 26, 13 und 20 Stunden bei Bewölkungsgraden von 88, 88 und 92 %!

Deutschlandweit wurden im Februar 2013 eine Reihe von Sonnenscheinrekorden gebrochen, wobei kürzere Reihen (ab 1946) deutlich öfter beteiligt sind, als die längeren, die noch im 19. Jahrhundert oder am Beginn des 20. Jahrhunderts mit den Beobachtungen einsetzen. Bei letzteren sticht besonders der Februar 1926 im Norden mit extrem niedrigen Werten hervor: Bremen 9,6, Hamburg 10,6, Rostock 9,2 oder Schwerin nur 6,0 Stunden! Das gab es heuer nicht. Hier nun die Übersicht mit den Rekorden für 2013:


 
Ort
Sonne
Alter Rekord
Jahr
Februar 2013
Greifswald
26,8
34,5
1992
Angermünde
30
37
1993
Arkona
12,7
37
1963
Dresden/Flughafen
21,0
32,5
1965
Görlitz
19,7
27,6
1973
Frankfurt am Main
27,7
32,2
1914
Rheinstetten/Karlsruhe
25,5
29,1
1907
Chemnitz
22
33,1
1965

An weiteren Stationen liegt 2013 nahe beim alten Grenzwert, ohne ihn zu erreichen: beispielsweise in Geisenheim (34 gegen 32,7 1946) oder auf dem Kahlen Asten (20,4 gegen 19,5 2010) oder in Bamberg (31,1 gegen 30 1908).
Für die Säkularstation Erfurt folgt nun die entsprechende Februargrafik:


Praktisch überall liegt die Summe der Sonnenscheinstunden des Winters 2012/13 über den bisherigen Minimumwerten, jedenfalls bei den über 100-jährigen Stationen, z.B. Hamburg 83,6 Stunden (1925/26 59,8), Bremen 104,2 (1925/26 79,5) oder Rostock 74,5 (1903/04 53,7) oder Schwerin 58,4 (1925/26 43,4)..
Diese Sonnenscheinanomalie zieht sich auch bis in unsere Nachbarländer hin: Basel-Binningen 48,5 Stunden im Februar (1970 allerdings nur 26), Zürich 41 Stunden (1987 nur 22), bzw. Auxerre/F 51,1 und Ambérieu/Ain 35,6 Stunden (37 % des Mittels).

Noch erwähnenswert am Februar in Deutschland ist der hohe Tagesniederschlag am 1.2. vor allem im Schwarzwald, der aber auch in München nun den größten Wert für diesen Tag in der gesamten Reihe ab 1848 inne hat. Die zehn größten Mengen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet:
 
Tagesniederschlagsmenge 1.2.2013 in mm
Baiersbronn-Ruhestein
85,7
Todtmoos
80,9
Vöhrenbach-Urach
80,1
Baiersbronn-Mitteltal
78,4
St.Blasien-Menzenschwand
78,2
Bad Rippoldsau
77,8
Bernau-Goldbach
75,8
Dachsberg-Wolpadingen
73,6
Freudenstadt-Kniebis
71,3
Obersimonswald
68,2



Zum Schluss noch ein besonderes Phänomen, das diesen Winter vor allem Bregenz betroffen hat. Bedingt durch die immer gleichen Luftströmungen wurden dort immer wieder immense Schneemengen abgeladen, so dass es schon am 18.1.2013 zum größten bisher gemessenen 24-stündigen Schneefall mit 46 cm Neuschnee kam, doch nur drei Wochen später war auch dieser Rekord wieder Makulatur: 52 cm Neuschnee vom 8. auf den 9.2.2013 bei einer Rekordgesamtschneehöhe von nun 70 cm (bisher 63 cm am 12.2.1965).
Wolfgang Webersinke, Daxstein, März 2013