Witterungsbericht Juli 2012

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der zweite Sommermonat zeigte sich, jedoch in vermindertem Maß wie sein Vorgänger 2011, unbeständig und nur in Maßen sommerlich.
In Zenting-Daxstein begann der Juli mit einer sommerlichen Phase bis zum 11. (+4,9 K am 2.), dann wurde es bis zum 23. deutlich zu kühl (22. – 5,6 K), woran sich wieder ein etwas wärmerer Abschnitt anschloss (27. + 4,8 K). Bis zum 21. blieb kein Tag völlig niederschlagsfrei (am 6. und 21. nur 0,0 mm), es gab aber auch keine besonders ergiebigen Regenfälle. Für den Garten wenig erfreulich jedoch der 15.7., als in Begleitung eines kräftigen Gewitters, von 15.10 bis 15.22 Uhr starker Hagel (Durchmesser 1 bis 1,5 cm) fiel, wobei am Erdboden die Temperatur bis 6,2°C zurück ging. A propos Gewitter: an nicht weniger als 14 Tagen konnte dieses meteorologische Phänomen beobachtet werden (7 Tage häufiger als im 30-jährigen Durchschnitt), was 2012 zusammen mit 1953 und 1955 an die Spitze der Gewitterhitliste brachte:


1919 gab es nur einen und 1961 sowie 1990 nur zwei Tage mit Gewitter.
Ergänzend noch der Hinweis auf einen Tag mit Alpensicht (am 23.) und 4 Tage mit Nebel. Am frühen Morgen des 1. kam es zu orkanartigen Böen, die einige Äste herunterrissen.

Abschließend noch das Bewölkungstableau für Daxstein:


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
in Daxstein im Juli 2012
Termin I
Termin II
Termin III
01. Jul
6º ?
0 ?
8² nach Regen
02. Jul
4¹ ?
5¹ ?
8¹ 
03. Jul
8² Dunst
8² Dunst
8² Dunst
04. Jul
8² n.Regenschauer
5¹ ?
8² 
05. Jul
5¹ ?
3¹ ?
0
06. Jul
0 ?
8¹ 
0
07. Jul
8² Nebel
6¹ 
0
08. Jul
0 ?
1¹ ?
09. Jul
8² Regentropfen
6¹ ?
10. Jul
0 ?
4¹ ?
8² Ferngew. mäß. Regen
11. Jul
8² 
8² 
8² 
12. Jul
5² ?
8² 
0
13. Jul
8² Dunst
8² nach Regen
7² 
14. Jul
7¹ ?
8² nach Regen
0
15. Jul
6¹ 
8² Gewitter, nach Hagel
8² 
16. Jul
8² Dunst
6² ?
8² 
17. Jul
8² Dunst
8² l. Regen
8² Dunst
18. Jul
8² Dunst
6¹ ?
5¹ 
19. Jul
8² Regentropfen
8² Dunst
6¹ 
20. Jul
6¹ ?
7² 
8² mäß. Regen
21. Jul
8² Dunst
7¹ 
7¹ 
22. Jul
4¹ ?
6¹ ? 
0
23. Jul
0 ?
3¹ ? 
0
24. Jul
0 ?
4º ? 
0
25. Jul
8² n. Regensch.
8² mäß.Regensch.
8² Ferngewitter
26. Jul
8² Dunst
5¹ ?
3¹ 
27. Jul
2º ? 
2º ? 
0
28. Jul
4¹ ?
5¹ ?
7¹ 
29. Jul
8² Nebel
8² GewitterRegensch.
5¹ 
30. Jul
8² 
6¹ 
5¹ 
31. Jul
6¹ ?
7º ? 
8² 
5,6 Achtel
5,8 Achtel
4,7 Achtel
grau hinterlegt: Alpensicht


Im weiteren Umfeld des Bayerwalds schwankten die Mitteltemperaturen zwischen 18,8°C in Aldersbach (Lalling 18,6°, Kringell 18,4°) und 11,8°C auf dem Gr. Arber (Haidmühle 15,1, Kirchberg 16,8°, Zwiesel 16,9°C). Das sind Werte, die 1 bis 1,6 K höher als das Mittel 1961 bis 1990 liegen. Überall war der 27. der Tag mit der höchsten Temperatur: 32,5° in Aldersbach, 31,7° in Lalling. Am kühlsten war es vier Tage zuvor am 23.: 5,0° in Zwiesel, 4,4° in Schorndorf-Knöbling, 3,5° in Kirchberg und – 0,2°C in Haidmühle. Sommertage gab es bis zu 17 in Aldersbach, heiße Tage bis zu 4 (Aldersbach und Lalling). Die Sonne konnte ihr Soll nicht ganz erfüllen, sie schien zwischen 154 Stunden auf dem Gr. Arber und 213 Stunden in Fürstenzell (203 Std. in Haidmühle und Entschenreuth). Niederschläge waren ausnehmend häufig mit bis zu 25 Tagen in Neukirchen b. Hlg. Blut und in Schöfweg, aber oft wenig ergiebig, mit Ausnahme des 1. (Zwieslerwaldhaus 42,8 mm), des 3. (Philippsreut 58,2 und Buchenau 56,8 mm) sowie des 26. (Prackenbach-Neuhäusel 54,3 mm). Monatssummen unter 100 mm gab es einerseits teilweise an der Donau (Aldersbach 55 mm), aber auch im Vorderen Bayerischen Wald (Entschenreuth 87, Lalling 88 oder Untergriesbach-Schaibing 70 mm; Wegscheid nur 68 % des Mittels), während sonst die 100-mm-Schwelle auch deutlich übertroffen wurde, vor allem im Bereich Böhmerwald: Haidmühle 157, Duschlberg 168, Buchenau 179 und Zwieslerwaldhaus sogar 206,5 mm (175 %). In Fürstenzell wurden 13 Gewittertage gezählt, was weit über dem Durchschnitt liegt (Passau 1953 14 Gewittertage); in diesem Raum wurden etwa in Metten im Juli 1955 auch 14 Tage mit Gewittern gezählt (Regensburg hatte im August 1955 sogar 16 Gewittertage).
Mit den Gewittern möchte ich die Betrachtung im Großraum um München auch gleich fortsetzen: je nach Stadtteil waren es hier heuer 10 bis 13 solcher Tage, die Extreme liegen im Juli bei 15 (1953) bis 16 Tage (1880). Die Beobachtungen dieses Elements beginnen in München 1781, sind aber im 19. Jahrhundert lückenhaft und erst ab 1870 durchgängig. Ähnliches gilt für den Hohenpeißenberg, wo heuer 14 Gewittertage vorkamen (1797 18 und 1887 19 Tage). Die Zugspitze hatte 2012 ebenfalls 14 Tage (ab 1900 maximal 17 Tage 1904 und 18 Tage 1994).

Die Mitteltemperaturen hatten Werte von 17,2°C in Attenkam (17,3° in Laufzorn) und bis zu 19,3°C in München/Stadt; dies liegt etwa 1 K über der Norm. Maximal wurden am 27. 33,8°C erreicht (München/Stadt), minimal gab es am 23. 4,7°C in Laufzorn, was ziemlich am unteren Ende des Möglichen um diese Jahreszeit liegt. Sommertage hatte die Stadt 13 zu bieten, mehr als drei heiße Tage (Rosenheim) waren nicht drin. Sonnenstunden zählte man zwischen 184 (Wielenbach) und 229 (Erdinger Moos/Flughafen), was leicht unter dem Erwartbaren war. Am wenigsten Niederschlag gab es im Norden (49 mm in Fahrenzhausen und Haimhausen-Ottershausen), aber auch am Ammersee (Utting 47,5 entspricht nur 38 % des Julimittels, Dießen 49 mm, dito nur 40 % des Mittels), sonst nach Süden zu reichlicher Regen (Laufzorn 101, Deisenhofen 108, Assling 120, Frauenneuharting 122, Murnau 152 mm); am letztgenannten Ort auch 55,3 mm am 4.7. Alle Summen lagen unter der Norm für Juli.

Im größeren Rahmen soll kurz auf die extreme Hitzewelle eingegangen werden, die Ostösterreich vom 28.6. bis 11.7.2012 heimsuchte. Vom 1. bis 3.7. sowie am 5. und 6.7. stieg die Temperatur auf über 35 Grad (Bad Deutsch-Altenburg 38,3, Neusiedl 37,8 und Andau 37,1°C jeweils am 3. als Spitzenwerte). Gleichzeitig gingen über der Steiermark fast täglich schwerste Unwetter nieder (des Öfteren Hagel mit Durchmesser von bis zu 7 cm!).

Über den ganzen Monat summierten sich so Rekordregenmengen:

In Eisenstadt ergaben sich so 200 mm (299 %, ab 1936), Bruck an der Mur 279 mm (238 %), Mallnitz 315 mm (Beobachtungen ab 1895), Seckau 320 mm (ab 1891) und am Präbichl 461 mm.

Als Referenzstation sei hier Klagenfurt aufgeführt, wo schon seit 1814 der Niederschlag gemessen wird:



In diesem 199-jährigen Zeitraum fällt durchschnittlich 118 mm Regen im Juli, heuer waren es 293 mm (1957 schon 294 mm), 1885 nur 16 mm.
Deutschland kam da glimpflich davon, auch wenn gerade im Norden und Westen etwas mehr Niederschlag vom Himmel kam (Potsdam 147 mm, aber schon 2005 148,5 und 1907 sogar 202 mm; Lüdenscheid 205 mm, aber 1965 schon 278 mm).

Zum Schluss noch ein Blick nach Frankreich: dort erreichten die Maximaltemperaturen am 26. fast 40 Grad:

Lectoure (32) 38,0, Vallon-Pont d’Arc (07) 38,3, Corbarieu (82) 39,6 und St-Géry (46) 39,9°C.

Während in den Alpen zum Teil Trockenheit herrschte (Embrun nur 4 mm), gingen andernorts kräftige Gewitter nieder: 1. Lyon-Bron: 70,3 mm; 5. Bellay/Ain: 71,5 mm (56,7 mm in 1 Std.); 29. Perreux/Loire: 73,0 mm (52,8 in 1 Std.). 

Aber in früheren Jahren waren da noch ganz andere Szenarien geboten. In Paris etwa fielen am 6.7.2001 im Park von Montsouris 104,2 mm (am 2.7.1995 82,0 mm) oder in Versailles am 25.7.1847 103,5 mm. Im Juli 1758 erlebte Paris 28 Niederschlagstage, nur der 26. und 29.7. waren völlig trocken (ein Tag mit 0,0 mm).In Le Luc/Var sind am 18.7.1976 115,6 mm zusammen gekommen (Grimaud 224 mm), in Bourges am 13.7.1887 135,0 mm, in Castanet-le-Haut am 23.7.1971 211, in Valflaunes/Hérault am 13.7.1956 240 mm. Beispiellos aber der 30.7.1991, als in Châteauneuf-du-Pape 265 mm niederprasselten (Pujaut und Orange am selben Tag 195 mm).

Wolfgang Webersinke, Daxstein, August 2012