Witterungsbericht April 2012

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Zuerst gebärdete sich dieser zweite Frühlingsmonat so launisch, wie es sein Name verspricht und zum Schluss erlaubte er sich eine frühzeitige Hitzewelle, wie sie noch nie zu dieser Zeit vorkam.
Im Bayerwald, speziell in Zenting-Daxstein, überwogen die milden Phasen, so dass es beinahe 2 Kelvin zu warm wurde – herausragend der 28. mit einer Abweichung von 12,0 K und dem ersten Aprilsommertag seit 90 Jahren in der entsprechenden Höhenlage (allein der 15.4.1922 hatte in Hausstein – allerdings auf 650 m Höhe – auch schon einmal 25,1°C geschafft). In der vorhergehenden unbeständigen Witterung kam es am 17.4. zum letzten Schneefall, die 0 cm Schneedecke am Ostersonntagmorgen war schnell verschwunden und auch der Hagelschauer am 22. nachmittags richtete keinen Schaden an. An 9 Tagen waren die Alpen zu bewundern, Nebel machte sich mit nur 2 Tagen sehr rar, Gewitter gab es gar keine. In der Saharaluft blieb ab dem 26. das Luftfeuchtigkeitsmittel beständig unter 50 % (am 28. gar nur 30 %, zum Nachmittagstermin nur 24 %). Am Monatsletzten war auch die Sicht durch den Saharastaub in der Luft deutlich herabgesetzt. 

Im größeren Maßstab war die Spannweite der Mitteltemperatur im Umfeld des Bayerischen Waldes zwischen 2,1° auf dem Arber und 9,7°C in Aldersbach angesiedelt (Metten 9,5, Fürstenzell 9,2, Zwiesel 7,1 und Haidmühle 5,2°C). Es gab 6 (Aldersbach, Metten) bis 14 (Zwiesel) bzw. 21 Frosttage (Haidmühle), wobei Haidmühle am 8. sogar einen Eistag hatte. Schlimmstenfalls wurden – 9,6° (Haidmühle) bzw. – 7,5°C erreicht (Kirchberg). Ganz anders gegen Monatsende bei der unzeitgemäßen Hitze, wobei nur Metten die 30-Grad-Marke durchstieß: 31,2°C am 28. (tags darauf lag dort das Tagesmittel sogar bei 22,3°C). Meist waren es 3 bis 5 Sommertage (Metten). Die Sonne schien zwischen 150 (Gr. Arber) und 198 Stunden (Aldersbach), dazwischen Fürstenzell mit 197, Entschenreuth mit 180 Stunden oder Zwiesel mit 166. Der Niederschlag war etwas kurios verteilt: am wenigsten in Passau-Maierhof (39 mm), in Fürstenzell (40 mm) und auf dem Gr. Arber (41 mm, am Fuße des Arber in Brennes aber 84 mm), dann Deggendorf-Moos (42), Kirchberg (43) und gleichauf Bogen mit Haidmühle (je 44 mm). Am anderen Ende der Skala Neureichenau-Duschlberg (107 mm) und Lam-Lambach (104), gefolgt von Viechtach-Bühling (86 mm). Den größten täglichen Niederschlag hatten das letztgenannte Viechtach (34,2 mm) und Daxstein (31,9) am 11.4. Zum Schluss auch noch den Wintergruß mit Schneedecke am 8. (Viechtach 2 und öfter 1 cm, z.B. in Regen oder Kirchberg), dann in höheren Lagen am 12. (Brennes 20, Spiegelau-Althütte 11, Duschlberg 8, Buchenau und Philippsreut je 6, Sonnen 4 und Klafferstrass 3 cm) sowie am 17. nur mehr in Brennes mit 12 und in Philippsreut (917 m) mit 3 cm.

Wie schon gewohnt, hier nun die Ergebnisse der Bewölkungsbeobachtungen in Daxstein im April:


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
in Daxstein im April 2012
Termin I
Termin II
Termin III
01. Apr
1º ?
5¹ ?
6¹ 
02. Apr
2¹ ?
7º ?
2º 
03. Apr
4¹ ?
7¹ Regentropfen
3¹ 
04. Apr
4¹ ?
3¹ ?
5¹ 
05. Apr
8¹ Dunst
8² etwas Regen
06. Apr
8² Nieselr. Nebel
8² Regen,n. Nebel
8² Nebel
07. Apr
7¹ Dunst
8² l. Schneeregen
08. Apr
7¹ ?
7¹ 
0
09. Apr
4¹ Dunst
3¹ ? Dunst
7¹ 
10. Apr
8¹ 
7¹ 
0
11. Apr
4¹ ?
8² 
8² mäß. Regen
12. Apr
8² n. Regen
5¹ ?
8¹Regentropfen
13. Apr
8² n.Regenschauer
7¹ 
7¹ 
14. Apr
7¹ 
0
15. Apr
7¹ 
8² 
8² Regentropfen
16. Apr
8² l.Regen
8² l.Schneefall
8² l.Regen
17. Apr
0 ?
6¹ ?
0
18. Apr
6¹ ?
4¹ ?
19. Apr
6¹ 
5² ?
0
20. Apr
8² 
8² 
8² 
21. Apr
5¹ ?
6¹ ?
22. Apr
8² 
8² nach Hagel
8² n.Regenschauer
23. Apr
3¹ ? 
6¹ ? 
0
24. Apr
6¹ ?
8² 
8² n.Regenschauer
25. Apr
8² 
1¹ ?
0
26. Apr
1º ?
2º ? 
0
27. Apr
0 ? 
5º ?
1º 
28. Apr
1º ?
1º ? 
0
29. Apr
6º ?
6¹ ?
7¹ 
30. Apr
6¹ ?
7¹ 
6º 
5,4 Achtel
6,1 Achtel
4,7 Achtel


Im Großraum München bewegte sich die Mitteltemperatur zwischen 7,9° in Laufzorn und 10,0°C in München/Stadt. Frosttage ergaben sich minimal 2 und maximal 7 (Laufzorn); mit dem tiefsten Wert in Holzkirchen am 9. (- 5,5°C). Sommertage traten meist 2 bis 3 auf (nur in der Theresienstraße waren es 4), davon am 28. oft über 30°: Stadt 32,2, Theresienstraße 32,1 und Haar 31,6°C. Damit war der bisher früheste Termin mit 30° vom 5.5.2003 auch schon wieder entthront und in den späten April verlegt. Die Sonnenausbeute lag im engen Rahmen zwischen 161 (München/Stadt) und 170 Stunden (Rosenheim). Der Niederschlag hatte die übliche Verteilung (nach Norden trockener, im Süden feuchter) von 44 mm in Weihenstephan (45 mm am Flughafen) bis 90 mm in Schäftlarn und 92 mm in Holzkirchen. Der 8.4. (Ostersonntag) brachte auch verbreitet eine dünne Schneedecke am Morgen: Finsing 2, Oberschleißheim, Assling und Forstinning 3, Laufzorn 4, Haar-Eglfing 6, Holzkirchen 7, Attenkam 8 und Starnberg 9 cm. Besonders auffallend auch die extrem geringe Luftfeuchtigkeit am 28.4., als in München/Stadt gegen 17 Uhr nur mehr 10 % gemessen wurden, so gering war sie seit 1879 im April noch nie gewesen (10 % zum letzten Mal am 1.5.1984 am Bavariaring). 
Im mitteleuropäischen Rahmen fallen die tiefen Minima am 9.4. heraus: in Seefeld/Tirol – 13,0 und in Tannheim, ebenfalls Tirol, - 13,9°C als Beispiele.

Ganz herausragend aber war die Südströmung am 28. und 29.4. mit einem Südföhn, wie er nur selten um diese Zeit vorkommt:
 
Böenspitzen am 28./29.4.2012
Lauberhorn
213 km/h
Gütsch
204
Lauterbrunnen
176
Öschinensee
176
Zugspitze
176
Monte-Rosa-Platte
172
Ebenalp
170
Schilthorn
170
Patscherkofel
155
Meiringen
146

Bedingt durch den Föhn ergaben sich sogar Tropennächte mit einem Minimum von 20,0° oder höher (z.B. Zürich-Fluntern 20,0, Buchenbach 20,8, Metzingen 20,9, Friedrichshafen-Unterraderach 21,2, Wädenswil 21,3, Luzern 22,3, Heidelberg 22,5, Elzach-Fisnacht 22,8 und Altenrhein 22,9°C)!

Das Top-Ereignis jedoch stellten die Temperaturmaxima am 28.4. in der heißen Afrikaluft dar: das korsische Ajaccio etwa hat nun den auf’s Zehntel Grad gleichen Aprilrekord wie München/Stadt (32,2°C)! Die alte Rekordmarke in Ajaccio lag bei 29,7° am 17.4.1949. Die etwas längere Übersicht zeigt den neuen absoluten Rekord und wenn möglich die alte Rekordmarke:


 
28.04.2012
Alter Rekord
Datum
Kitzingen
32,9°C
Bad Mergentheim
32,9
Stuttgart-Neckartal
32,8
29,4
21.04.1968
München/Stadt
32,2
28,9
17.04.1934
Würzburg
32,1
30,3
17.04.1934
Mannheim
32,0
31,0
18.04.1949
Waidhofen/Ybbs
32,0
Bamberg
31,8
30,0
23.04.1968
Ranshofen/Braunau/AT
31,8
Gmunden
31,7
Feldkirchen b. Mattigkofen
31,7
Salzburg-Freisaal
31,5
30,3
30.04.2003
Cottbus
31,2
31,1
22.04.1968
Regensburg
31,2
29,8
27.04.1800
Karlsruhe
31,2
30,2
21.04.1968
Metten
31,2
27,8
22.04.1968
Stuttgart-Schnarrenberg
31,2
29,4
21.04.1968
Wien-Innere Stadt
31,2 (30.)
Bregenz
31,2
Kufstein
31,2
Nürnberg/Flgh.
31,0
30,3
23.04.1968
Linz/Stadt
30,9
29,1
30.04.2003
Kremsmünster
30,7
Neusiedl am See
30,6 (29.)
Bad Kissingen
30,6
29,8
27.04.1968
Weißenburg i. B.
30,5
28,7
22.04.1968
Salzburg-Flgh.
30,3
30,3
30.04.2003
Strasbourg-Entzheim
30,0
29,7
17.04.1949
Stuttgart-Echterdingen
29,8
28,5
21.04.1968
Ulm
29,7
27,9
15.04.1904
Hohenpeißenberg
29,4
25,5
30.04.2003
Augsburg
29,4
29,3
20.04.1814
Straubing
29,3
27,8
23.04.1968
Garmisch-Partenkirchen
29,2
28,5
17.04.1934
Luzern
29,1
Fürstenzell
28,3
28,0
17.04.1934
24.04.1940
Bern
28,2
Oberstdorf
26,4
25,8
17.04.1934
Wasserkuppe
26,2
23,7
22.04.1968
Schmücke
26,1
22,6
17.04.1934
Klippeneck
25,8
25,0
17.04.1934


Man erkennt, dass Richtung Schweiz/Frankreich nur wenige Maximumrekorde gebrochen wurden (z.B. Zürich-Fluntern heuer 28,4°, aber am 17.4.1934 – auch immer noch ein bemerkenswert früher Termin für Sommerhitze! – 28,8°C), ebenso Richtung Norden (etwa Jena heuer 31,9°, aber 1968 schon 32,5°C oder Lindenberg/BRB heuer 30,3, aber am 22.4.1968 30,9°C). Auch sieht man, wie warm dieses Mal die mittleren Höhenlagen waren: die alten Bestmarken von Hohenpeißenberg, Wasserkuppe oder Schmücke wurden um mehrere Grade überboten. Ebenso wird deutlich, dass die höchsten Bergspitzen (etwa die Zugspitze) von der extremen Wärme ausgespart blieben.
Wolfgang Webersinke, Daxstein, Mai 2012