Witterungsbericht Dezember 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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In scharfem Gegensatz zum November verlief der Dezember heuer sehr nass, niederschlagsreich, aber sehr mild.

In Zenting-Daxstein waren nur drei Tage etwas kälter, als es dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 entspricht (der 18., 19. und 20.12.). Einige Tage hatten extrem geringe Tagesschwankungen, so der 6.12. (Min. - 0,5 und Max. + 0,7°C) oder der 30.12. (Min. – 1,1 und Max. – 0,5°C). Besonders hervorzuheben ist auch der hohe Wert des absoluten Temperaturminimums von lediglich – 5,3°C am 20.12. Noch milder war in unserer Gegend seit 1891 nur der Dezember 1934, als es in Hausstein (617 m) nur auf – 3,7°C abkühlte (2.12.1934), in Metten auf – 4,1°C. 

Vor allem die mittleren Höhenlagen, und damit auch Daxstein, litten unter einer ausnehmend beharrlichen Wolken- und Nebeldecke (24 Tage mit Nebel), die fast keinen Sonnenschein zuließ. Nur an 12 Tagen kam für kurze Zeit die Sonne heraus, in der besonders trüben dritten Dekade nach 10 sonnenlosen Tagen nur am Silvestertag für ein paar Minuten. So wurde der diesjährige Dezember in diesen Bereichen der absolut bewölkungsreichste Monat überhaupt seit mindestens 100 Jahren: 7,7 Achtel bedeuten 96 % Himmelsbedeckung, dabei 29 trübe Tage (Ausnahmen nur der 2. und 12.12.):


 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
in Daxstein im Dezember 2011
Termin I
Termin II
Termin III
01. Dez
8² Nebel
8² Nebel
8² 
02. Dez
5¹Talnebel
6º ?Talnebel
8² 
03. Dez
8² Nebel,Regen
8² nach Nebel
8² Regen
04. Dez
8² Regen
8² Talnebel
8² nach Regen
05. Dez
8² Nebel
7²  ?
06. Dez
8² Nebel,Schnee
8² Nebel
8² Nebel
07. Dez
8² Schneeregen
8² Nebel,Schnee
8² Nebel
08. Dez
8² 
8² 
09. Dez
8² Regen
8² Schnee
10. Dez
8² Nebel,Schnee
8² Nebel
7¹ Dunst
11. Dez
8² Nebel,Griesel
8² Nebel
8² 
12. Dez
0 Talnebel
8² Nebel i.d.N.
8² Regen
13. Dez
8² Dunst
8² 
14. Dez
15. Dez
8² Nebel,Schneer.
8² 
16. Dez
8² Nebel,Schnee
8² Regen
8² Griesel
17. Dez
8² Nebel,Schnee
6² nach Schnee
8² Schneesch.
18. Dez
8² 
8² Schnee
19. Dez
8² Nebel,Schneefl.
8² 
8² Schneefl.
20. Dez
8² Nebel
8² 
8² Schneefl.
21. Dez
8² Nebel
8² Nebel,Schneefl.
8² Nebel
22. Dez
8² Nebel
8² Nebel
8² Nebel
23. Dez
8² Dunst
8² Nieseln
8² Nebel, Nieseln
24. Dez
8² Nebel,Regen
8² Nebel,Schnee
8² 
25. Dez
8² 
8² Schneefl.
8² Schneefl.
26. Dez
8² Nebel,nässend
8² Nebel
8² Nebel
27. Dez
8² Nebel
8² Nebel i.d.N.
8² Nebel
28. Dez
8² Nebel
8² Nebel
8² Nebel
29. Dez
8² Nebel
8² Schneefl.
8² 
30. Dez
8² Schneefall
8² Schneefall
8² Reifgraupeln
31. Dez
8² 
8² Nebel,Schnee
8² Schneefall
Mittel
7,5 Achtel
7,8 Achtel
7,8 Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ

In der seit 1920 vorliegenden Sonnenscheinreihe von Hausstein/Finsterau und Haidmühle zeigt sich das nicht so deutlich, weil die derzeitige Station Haidmühle doch zeitweise oberhalb der Nebeldecken lag:


Haidmühle hatte heuer 23,4 Stunden, der Minimalrekord bleibt bei 10,0 Stunden im Dezember 1923. Die anderen Stationen im Umkreis hatten 14,0 Stunden (Metten) bis 22,1 Stunden (Grainet-Rehberg), wobei 1993 oder 1988 auch schon teilweise tiefere Werte vorgekommen sind (Metten 1993 9,1 Std.). 

In Daxstein gab es auch einen nassen Dezember, der aber „nur“ 29 Niederschlagstage zustande brachte (1993 31!), dafür am 7. abends ein fünfminütiges Wintergewitter (der Januar 2012 wird sich da noch aktiver zeigen) und an 4 Tagen Alpensicht.

Kehren wir zur gesamten Bayerwaldregion zurück: hier schwankte die Mitteltemperatur zwischen – 3,0° auf dem Großen Arber und 2,8°C in Aldersbach. Unter 800 m blieben die Werte positiv (etwa Grainet + 0,7°), darüber waren sie negativ (Haidmühle – 0,2°C). Die Höchstwerte streuten zwischen dem 2., 3. und 5.12. und erreichten bis 11,9°C (Metten am 5.). In den tiefen Lagen gab es oft keine Eistage (Metten, Aldersbach), Frosttage bis 26 (Kirchberg) oder 28 (Haidmühle). Übrigens verzeichnete Metten als Temperaturminimum – 4,2°C am 20. (1934 nur ein Zehntel Grad höher!). Der Sturm vom 16. brachte in Fürstenzell Böen bis zu 104  km/h (Böenspitzen vom Gr. Arber liegen leider nur von wenigen Tagen vor). Beim Niederschlag überschreiten nur manche Tallagen die 100-mm-Marke nicht (Aldersbach 80,8, Schorndorf-Knöbling 80,1, Fürstenzell 88 oder Weiding/Kr. Cham 87,2 mm), meist liegen die Orte zwischen 100 und 200 mm, darüber nur mehr wenige: Lindberg-Buchenau 201, Grafling 220, Gr. Arber 229, Haidmühle 239, Daxstein 254 und Neureichenau-Duschlberg (880 m) 331,2 mm. Der 16. ist dabei der nasseste Tag des Monats: Kirchberg 39,9 und Teisnach 40,5 mm. In höheren Lagen ab etwa 600 m liegt ab dem 6.12. eine geschlossene Winterschneedecke, die wohl auch den Januar überdauern wird – heuer besteht ein großer Gegensatz zwischen den oft schneefreien Niederungen und den recht schneereichen Gebieten über 800 m. Im Dezember erreichte die Schneehöhe bis zu 72 (Duschlberg am 31.) oder sogar 73 cm in Philippsreut (ebenfalls am 31.).

Im Raum München lagen die Mitteltemperaturen zwischen 1,7°C in Attenkam und 4,0°C in München/Stadt. Am 2. kam es zum Monatsmaximum von bis 16,6°C (München/Stadt) bzw. 16,5° in Wielenbach und 16,4°C in Haar. Das ist die höchste Maximumtemperatur in der Münchner Reihe für den 2.12. seit 1781. Am kältesten war der 20. (München/Stadt – 3,1 und Erdinger Moos – 8,2°C). Für München/Stadt ist es das zweithöchste Dezemberminimum überhaupt seit 1879: noch milder nur 1911 und 1954 mit je – 3,0°C. Auch die Anzahl der Frosttage war noch nie so klein wie heuer im Dezember: 6 Tage (bisher 8 1934 und 1979). Außerhalb der Stadt war es wesentlich frostiger: Holzkirchen 21 Frosttage – Eistage waren aber nirgendwo zu verzeichnen.

Die Sonne machte sich zwar auch hier teilweise rar, aber nicht so sehr wie anderswo: 35 Stunden in Weihenstephan stehen 61 Stunden in Attenkam gegenüber. Beim Niederschlag zog sich quer mäandrierend die 100 mm-Grenze von West nach Ost: Oberschleißheim 99 mm, Ottershausen 96, Forstinning-Moos 98, Schweitenkirchen 101 mm (minimal Flughafen Erdinger Moos 78 mm), südlich davon zum Teil deutlich mehr: Attenkam 112, Unterföhring 120, Schäftlarn 125, Holzkirchen 157 mm. Nassester Tag war überall der 31.12.: Ebersberg 20,8, Attenkam 25,0, Holzkirchen 26,0 mm. Schnee lag nur an wenigen Tagen, Laufzorn am 21. bis 10, Attenkam am 22. bis 16 cm.

Deutschlandweit herrschte überall milde Witterung, was sich auch daran zeigt, dass es vor allem im Norden umfangreiche Gebiete gab, wo nicht ein einziges mal Nachtfrost auftrat: Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven, Oldenburg, Emden, Norderney und weitere Nordseeinseln sowie Ahaus, Lingen, Münster, Hannover und Braunschweig. Dies ist ein Zeichen sehr milder und windiger Dezembermonate (1974 auch auf Langeoog, Norderney, in Bremerhaven, Aachen und Koblenz etwa; 1934 Oberlahnstein, Koblenz, Neuwied, Bonn-Friesdorf und Düsseldorf). 

Die trübe Witterung führte auf einigen Mittelgebirgsgipfeln zu extrem niedrigen Sonnenscheindauern: 2 Stunden auf der Wasserkuppe (hier fehlt allerdings der Wert vom 11.12.), 4,0 Stunden auf dem Kahlen Asten (ab 1934) und 6,7 Stunden auf dem Brocken (ab 1895). Letzt genannte Station wurde graphisch aufgearbeitet:



Das alte Minimum betrug 8,0 Stunden im Jahr 1993. 

Im Nordwesten der Republik waren die Niederschläge so ergiebig, dass es im Nordseeumfeld und etwas landeinwärts zum nassesten Dezember seit mindestens 1891 reichte; die Übersicht zeigt die betreffenden Stationen mit dem Monatswert von heuer und den alten Rekordwert:
 
RR Dezember
2011
Alt
Jahr
Norderney
158
157
1993
Bremerhaven
202
175
1965
Cuxhaven
198
171
1965
Bremervörde
188
166
1999
Emden
166
159
1965
Oldenburg
186
174
1999

Von Emden und Oldenburg i.O. sind die entsprechenden Grafiken verfügbar:


Wolfgang Webersinke, Daxstein, Januar 2012