Witterungsbericht November 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Und schon wieder ein Rekordmonat: vor allem auf den Bergen extrem sonnig, dort auch überaus mild und oft trockenster November seit über 100 Jahren.

Beginnen wir wie stets in Zenting-Daxstein, wo es nur an 8 Tagen kälter als im Tagesmittel von 1961 bis 1990 war, so dass ein sehr milder November konstatiert werden musste. Immerhin gab es hier nur 8 Frosttage, während es sonst 21 (Grainet und Entschenreuth) bis zu 26 (Zwiesel) oder sogar 30 (Haidmühle) waren. Außerdem hatte Daxstein keinen Eistag, die anderen Stationen im Bayerwald hingegen 1 bis 5 (Entschenreuth im Dauernebel). Vom 5. bis 7. wurden die Höchstwerte erreicht, die zwischen 11,7° im nördlichen, föhnfreien Wald (Schorndorf-Knöbling am 7.11.) und Temperaturen um die 19 Grad lagen (Grainet 19,0° am 5. bzw. 19,1°C in Zwiesel am 7.). Besonders kalt war es mangels Schneedecke nirgends (minimal – 6,7° am 29. in Zwiesel). Vor allem in höheren Lagen schien oft die Sonne und so reichte es im Gebiet des Böhmerwaldes zum sonnigsten November seit Messbeginn 1920 (Reihe Hausstein/Finsterau/Haidmühle: 167,3 Stunden; bislang maximal 132,6 Stunden im Jahr 1978). Hier die entsprechende Grafik:



Die Bewölkungsangaben von Daxstein zu den drei Mannheimer Stunden folgen ebenso:

 
Bewölkungs-/Witterungsangaben
in Daxstein im November 2011
Termin I
Termin II
Termin III
01. Nov
8² Nebel
8² Nebel
8² Nebel
02. Nov
8² Nebel
8² Nebel
8² Nebel
03. Nov
0 ?Talnebel
3º ?
4º 
04. Nov
3º ?
2º 
05. Nov
5º?
06. Nov
4¹ ?
07. Nov
6¹ ?
0
08. Nov
0 ?
6º?
0
09. Nov
0 ?
5º?
0
10. Nov
0 ?Nebel
4º?Talnebel
0Talnebel
11. Nov
0 ?Talnebel
5º?
0
12. Nov
0 ?
0 ?
0
13. Nov
0 ?
4º ?
0
14. Nov
0 ?Dunst
8²Dunst
0Dunst
15. Nov
0 ?Dunst
1º ?Dunst
0
16. Nov
1º ?Dunst
8² Nebel
8² Nebel
17. Nov
8² Gefr.Nebel
8² Nebel
2º Talnebel
18. Nov
8² Dunst
0
19. Nov
8² Nebel
8² Nebel
8² Nebel
20. Nov
8² Nebel
8² Nebel
21. Nov
6¹ 
0
22. Nov
0 ?Talnebel
0 ?Talnebel
0Nebel
23. Nov
8² Gefr.Nebel
8² Gefr.Nebel
8² Gefr.Nebel
24. Nov
8² Gefr.Nebel
8² Gefr.Nebel
0Nebel
25. Nov
8² Gefr.Nebel
8² Gefr.Nebel
8² Nebel
26. Nov
8² Gefr.Nebel
8² Gefr.Nebel
8² Gefr.Nebel
27. Nov
8² Nebel
1º 
28. Nov
0 Talnebel
4¹Talnebel
0
29. Nov
0
2¹ ?
0Nebel
30. Nov
8¹Dunst
Mittel
4,1 Achtel
5,5 Achtel
3,4 Achtel
7.30 MEZ
14.30 MEZ
21.30 MEZ

Herausragend allerdings war die Niederschlagsarmut des abgelaufenen Monats. 2,5 mm in Daxstein entsprechen in etwa der bisher geringsten Menge aus dem Jahr 1920. Damals gab es jedoch nur einen einzigen Regentag im November, in Daxstein dagegen 11 Tage mit nur geringen Mengen (oft aus nässendem Nebel). A propos Nebel: 17 solcher Tage entsprechen genau dem Erwartungswert. Nicht dagegen die völlig fehlende Schneedecke (statt 10 Tagen). Alpensicht konnte an 8 Tagen (statt normaler 7 Tage) genossen werden. Der Herbst als Ganzes hatte eine Mitteltemperatur von 8,9°C (+ 1,7 K) und 206 mm Niederschlag (69 % der Norm).

Nun noch Genaueres zu den Trockenheitsrekorden:
 
2011
1920
Reihe ab
Metten
0,3 mm
2 mm
1879
Zwiesel
0,7
3
1908
Zwieslerwaldhaus
0,7
4
1916
Regen
1,7
2
1899
Buchenau
0,7
4,2
1891
Daxstein
2,5
2
1876

Als Übergang zur Münchner Schotterebene hier die Tagesbeobachtungen des Niederschlags von 1920 in meiner Region und in München zum Vergleich:


 
Tägliche RR-Mengen im Oktober und November 1920 in mm
München
München
Rohrstetten
Rusel
Hausstein
Stadt
Sternwarte
01.10.1920
02.10.1920
03.10.1920
04.10.1920
0,1
05.10.1920
0,3
0,4
06.10.1920
0,2
0,5
07.10.1920
0,1
0,2
08.10.1920
09.10.1920
0,2
10.10.1920
11.10.1920
12.10.1920
13.10.1920
0,0
0,4
0,2
0,2
14.10.1920
0,0
0,4
15.10.1920
0,2
16.10.1920
17.10.1920
18.10.1920
19.10.1920
20.10.1920
21.10.1920
22.10.1920
23.10.1920
24.10.1920
0,2
25.10.1920
26.10.1920
27.10.1920
28.10.1920
29.10.1920
30.10.1920
31.10.1920
01.11.1920
02.11.1920
03.11.1920
04.11.1920
05.11.1920
06.11.1920
0,1
07.11.1920
0,5
08.11.1920
09.11.1920
10.11.1920
11.11.1920
12.11.1920
13.11.1920
14.11.1920
0,8
15.11.1920
16.11.1920
3,0
3,9
0,1
3,5
17.11.1920
0,0
18.11.1920
19.11.1920
20.11.1920
21.11.1920
22.11.1920
23.11.1920
24.11.1920
25.11.1920
26.11.1920
27.11.1920
28.11.1920
29.11.1920
30.11.1920
Summe
4,4
7,1
0,2
0,3
3,5


Im Großraum München handelte es sich ebenfalls um den trockensten November seit mindestens 1848, was die Reihe von München (2011 1,1 mm – im Gegenzug 1944 213 mm) auch zeigt:


An fast allen Orten in und um München regnet es im November nur 1 oder 2 mm, nur Oberpframmern fällt mit 5 mm etwas heraus (Unterföhring 4 mm). Die Sonne scheint zwischen 77 (Erdinger Moos) und 123 Stunden in Wielenbach. Die Mitteltemperatur umfasst als Grenzwerte 4,2°C in Attenkam (2. Platz nur 4,1°C für München-Stadt) und 2,6°C am Flughafen im Erdinger Moos. Interessant die Höchstwerte am 5. bei Föhn: im Norden nur 14,6°C in Weihenstephan, aber 20,6° in Laufzorn, 22,7° in Holzkirchen und 23,3°C in Rosenheim. 

Im mitteleuropäischen Rahmen fällt die Rekordtrockenheit des November besonders auf. Dieses Mal gibt es hier keine Liste, denn die wäre seitenlang: nur kleine Gebiete im Norden Deutschlands und ganz im Südwesten erreichten keine Minimalwerte; selbst in langen Reihen ist der November 2011 ansonsten beispiellos. Als Beweis dient zum einen die Niederschlagsreihe von Regensburg:



Nur 1920 gab es ebenfalls einen Millimeter und 1834 2 mm. Ebenso deutlich wird die Dürre andererseits am Beispiel Kremsmünster (ab 1820)


Der Minimalwert lag bisher bei 4 mm im Jahr 1902, heuer war es nur 1 mm.

Besonders in den Alpen gab es viele Stationen, die höchstens 0,0 mm Niederschlag maßen (Oberstdorf, Nebelhorn, Zugspitze, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck usw. usf.); Trockenperioden von über 40 Tagen waren hier fast die Regel.

Vor allem die Bergstationen hatten Sonnenschein wie nie zuvor im November, dies gilt besonders für die deutschen Mittelgebirgsstationen, für die stellvertretend der Brocken als Grafik gezeigt wird:



Der November 2011 (184,5 Stunden) steht hier einsam an der Spitze (bislang 137,5 Stunden im Jahr 1920). Allein im Alpenraum war meist 1978 noch um ein Geringes sonnenscheinreicher (z.B. Zugspitze) oder der hier aufgeführte Sonnblick (221 gegen 225 Stunden 1978):


Aber auch im Flachland wurden gelegentlich alte Rekorde eingestellt, wie etwa in Stuttgart-Echterdingen, das zusammen mit Hohenheim eine lange Sonnenscheinreihe besitzt (1989 133, 2011 139 Stunden):

Außerdem erlebten höhere Bergregionen den mildesten November seit Aufzeichnungsbeginn:

Zugspitze                                 - 1,2°C              (bisher – 3,0°C, 1953)

Wendelstein                               5,4 

Brocken                                      5,4                (bisher 3,3°C, 1984)

Feldberg/Schwarzw.                    6,2

Fichtelberg                                  4,2                (bisher 2,7°C, 1938)


Zudem wurde auf dem Brocken auch das höchste Novembermaximum um fast 2 Grad überboten (6.11.2011 18,9°C, bisher maximal 17,0°C am 2.11.1968). Aber auch an anderen Stationen war es überaus mild: am 5. meldet der Hohenpeißenberg 22,3°C (alter Novemberrekord 21,5°C am 1.111968), am 4. Lingen 19,4, die Wasserkuppe 17,2 und Wernigerode 21,1°C, alles neue November-Bestleistungen. 

Auch aus der Schweiz, aus Altdorf, dem Schweizer Föhnort par excellence, kommt ein neuer Novemberhöchstwert (4.11. 23,1°C). In Südwestfrankreich erreichen am 2.11. Saint-Girons 25,9 und am 12.11. Biarritz 25,8 und Cibourne 26,1°C. Rund ums französische Mittelmeer gehen in der Zeit vom 1. bis 9.11. wieder einmal große Niederschlagsmengen herunter („Episode cevenol“). Am 5. sind besonders die Départements Var und Alpes-Maritimes betroffen: Seillans 184,1, Saint-Cézaire-sur-Siagne 172,4 und Saint-Raphaël 165,7 mm (bei einer Spitzenbö von 157 km/h). Vom 2. bis 5.11. fallen in Summe in Genolhac/Gard 528,3 und in Villefort/Lozère 694,4 mm. Auf Frankreichs „nassestem“ Berg, dem Mont Aigoual in den Cevennen, kommen im November 2011 811 mm Niederschlag zusammen, so viel wie noch nie seit 1896; das Mittel 1961 bis 1990 beträgt dort 270 mm.


Wolfgang Webersinke, Daxstein, Dezember 2011