Witterungsbericht August 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der Sommer 2011 fuhr Zickzackkurs: besonders im Süden folgte auf den recht kühlen und nassen Juli ein sonnig-warmer August, der sich besonders nach der Monatsmitte  mit außergewöhnlicher Hitze hervortat.

In Zenting-Daxstein war es bis zum 15. weiter sehr unbeständig mit fast täglichem Regen (nur 1., 2. und 11. trocken), aber ohne große Mengen. Vom 8. bis 11. war es sehr kühl (10. 6,3 K zu kalt). Ab dem 17. setzte dann eine Hitzewelle ein, die mit einem 9,0 K zu warmen 23. und 9,2 K zu heißen 26.8. gipfelte. Dabei traten auch im sonst kühlen Daxstein Sommertage auf. Auch die Nächte waren zum Teil tropisch (über 20 Grad durchgehend vom 22. morgens bis zum 24. spätabends und dann nochmals vom 25. auf 26.). Der 19. brachte ein kurzes, aber intensives Wärmegewitter, bei dem in 13 Minuten 18,7 mm Regen und Hagel fielen, wobei die Hagelschlossen einen Durchmesser von 2 cm hatten. Insgesamt hatten wir nur 5 Gewittertage, dafür 11 Nebeltage und an 4 Tagen genoss man Alpensicht. Der gesamte Sommer 2011 kaum außergewöhnlich mit einer Mitteltemperatur von 15,4°C (+ 0,6 K) und einem Niederschlag von 439 mm (113 %), allerdings bei 65 Niederschlagstagen (18 Tage mehr als normal) und einer Bewölkung von 5,2 (statt 4,7) Achteln.

Im Bayerwald-Gesamtüberblick ergibt sich ein zu warmer August (Mitteltemperatur von 12,7°C auf dem Gr. Arber bis zu 19,1°C in Aldersbach, mit 15,2° in Haidmühle und 18,7° in Fürstenzell; damit im Schnitt etwa 2 K zu warm). Die höchsten Temperaturen kamen aus Aldersbach (35,2° am 23.8.); an diesem Tag hatte auch der Gr. Arber einen Sommertag, maximal bis zu 16 in Metten und Aldersbach. Heiße Tage kamen bis zu 8 in Aldersbach vor. Daxstein hatte drei Tropennächte, jeweils eine gab es noch in Kringell/Lkr. PA und Grainet-Rehberg am 26.8. Auch recht kühle Nächte traten auf: am 11. meldeten Kirchberg 2,9 und Zwiesel 3,2°C (Entschenreuth 4,9°). Frisch erneut der 29. (Zwiesel 5,0, Haidmühle 0,8°C) und der 31. (Zwiesel 5,0, Kirchberg 4,1, Haidmühle 0,7°C). Die Sonne unterschritt das Soll nur auf dem Gr. Arber (190 Stunden), sonst gab es Überschüsse: Aldersbach 248 und Fürstenzell 257 Stunden. Die Regenmengen zeigten ein im Sommer sehr uneinheitliches Bild, je nachdem, wo kräftige Gewittergüsse niedergingen (Moos bei Deggendorf am 4. 26,6 mm, Stallwang 53,1, Metten 40,1 und Prackenbach-Neuhäusel 38,3 mm jeweils am 15. und 47,1  (Untergriesbach-Glotzing) sowie 26,9 mm (St. Englmar), jeweils am 24.). So lagen die Monatssummen z.T. wesentlich unter der Norm (Büchlberg 53,9 oder Lam-Lambach 64,1 mm), z.T. darüber: Stallwang 126 mm. 

Im Großraum Münchner Schotterebene hatte die Mitteltemperatur eine Spanne von 18,0° (Oberhaching-Laufzorn) bis 20,0°C (München/Stadt). Für München ist das immerhin der 10.wärmste August (zusammen mit 1990) seit 1879 (2003 23,3°C). Bis zu 17 Sommertage kamen zusammen (München) und bis zu 7 heiße Tage (ebenfalls München). Außergewöhnlich die Hitzeperiode ab dem 17. Die folgenden beiden Grafiken zeigen die Maximaltemperaturen dieser Zeit in den Jahren 2011, 1992, 1943, 1932 und 1892:



Interessant, dass in allen drei Jahren (2011, 1992, 1892) jeweils ein Tag einen deutlichen Temperaturrückgang brachte, aber nie so drastisch wie heuer: Maximum am 26. 35,8 und tags darauf 18,8°C! Übrigens bedeuten diese 35,8° auch den neuen Maximalwert für die dritte Augustdekade (seit 1781). Die mittlere Höchsttemperatur betrug 2011 in diesem Zeitraum 28,4, 1992 28,9 und 1892 28,2°C. Die Tagesmitteltemperatur stürzte heuer in München/Stadt von 27,1° am 26. auf 13,2°C am 27.; während spätnachmittags am 26. noch 35,8° erreicht wurden, gab es am 27. mittags den Tiefstwert von 10,4°C! Auch 1932 war die Hitze extrem, reichte es doch vom 9. bis 30.8. zu 19 Sommertagen und 9 heißen Tagen (und nur 22 mm Regen in diesem Zeitraum). Zum Monatsende 2011 wurde es nachts auch kühl: Holzkirchen am 28. 5,8°C. Der Sonnenschein brachte maximale Summen im Erdinger Moos (265,5) und in Attenkam beim Starnberger See (266,5 Stunden). Beim Niederschlag traten keine Tagesmengen über 50 mm auf, die Summenverteilung im gesamten Monat war wie im Sommer üblich eher ungleichmäßig (z.B. Deisenhofen 87, aber Ebersberg 135 mm), minimal 60 mm am Flughafen im Erdinger Moos.

Während der Süden in den Genuss von Sommerwetter kam, wurden Teile des Nordens von Regen überschüttet, so dass neue Augustrekorde aufgestellt wurden: Kiel bekam 252 mm ab, Schleswig 248 und Warnemünde 193 mm:



Da auch der übrige Sommer sehr feucht war, ergab sich an allen drei Orten auch der nasseste Sommer seit Messbeginn:


Ausgerechnet ist in Warnemünde im Sommer 1946 nicht durchgehend beobachtet worden!

Die angesprochene 10-tägige Hitzewelle vom 17. bis zum 26.8.2011 hatte auch Österreich im Griff (38,3°C in Waidhofen an der Ybbs/NÖ; Krems 38,2 und Langenlois 38,1°C). Den größten Tagesniederschlag meldeten am 8. Pörtschach mit 78 und Klagenfurt  mit 77 mm. Die ungewöhnliche Hitze am 26.8. konnte sich auch dank eines für die Jahreszeit ungewöhnlichen Föhndurchbruchs entwickeln. In Luzern wurden 104, auf dem Gütsch bei Andermatt sogar 154 km/h gemessen. Dass dann die nachfolgende kalte Luft keine Unwetter auslöste, lag daran, dass in der Höhe noch längere Zeit der Föhn wehte und so den anstehenden Gewittern die Labilität entzog. In Frankreich werden bei Südlagen noch höhere Temperaturen möglich, wie auch am 20.8. geschehen: Castelsarrasin (département 82) 40,7, Montauban 40,4 (82), Auch 40,3 (32), Mauroux 40,2 (32), Peyrusse-Grande (32) und Le Montat (46) 40,1°C. Tags darauf gab es in Fontannes (Haute-Loire) nochmals 40,0°C (dort am 12.8.2003 „nur“ 39,2°C).

Wie fast zu erwarten, blieb der zu kühle Juli im Jahr 2011 nur eine Episode, denn  zum Zeitpunkt der Schlussfassung dieses Berichts zeichnet sich auch ein zu warmer September ab.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Sept. 2011