Witterungsbericht Juli 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Für viele Urlauber und Freizeitabhängige gestaltete sich der heurige Juli sehr ungünstig, denn an praktisch allen Tagen kam es im Bundesgebiet zu Niederschlägen und gerade in der letzten Dekade, wo man auf die Hundstage wartet, war es fortdauernd zu kühl und wenig sommerlich. Dazu machte sich die Sonne oft rar.

Dies gilt auch für die Region Bayerwald und Zenting-Daxstein, wo sich der kühlste Juli seit 2000 einstellte (damals nur 13,2°C Mitteltemperatur). 25 Niederschlagstage (statt normalerweise 15!) sind kein Ruhmesblatt (ebenso viele gab es 1910, 1913 und 1926, noch einen mehr 1940), deshalb hier diese Grafik:



Bis auf den 20. (50,3 mm) brachten die Niederschlagstage keine außergewöhnlichen Mengen, wohl aber am 29. gegen 15 Uhr kurz leichten Hagel. Heitere Tage waren Mangelware (1 statt 4), dafür war es oft trüb (12 trübe Tage statt 9), der Bewölkungsgrad daher zu hoch (5,6 statt 4,6), Nebeltage waren zahlreich (11 statt 8), die Zahl der Gewittertage normal (6).

Im größeren Rahmen schwankte die Mitteltemperatur zwischen 9,8° (Gr. Arber) und 16,8°C (Aldersbach, Metten 16,5°), wobei die Norm meist um 0,6 bis 1,1 K verfehlt wurde. Kühle Nächte ereigneten sich am 1. (Entschenreuth 4,8 und Kirchberg 4,6°C; Haidmühle als Extrem hatte 0,3° und am Erdboden 1,4°C), am 16. (Schorndorf-Knöbling 6,1 und Kirchberg 5,2°C) und am 26. (Schorndorf 5,1 und Kirchberg 4,5°C). In früheren Jahren, speziell am 1.7.1962 wurden noch ganz andere Minimalwerte erreicht: Metten 1,6, Rusel 1,0 und Freyung 0,6°C! Nur in tiefen Lagen gab es über 30° (Aldersbach am 17. 31,2°C, Kringell 31,7°C) sowie auch in Metten (30,2° am 7.), sonst blieb die höchste Temperatur darunter (Prackenbach 27,0° am 10.). Meist wurden 5 (Grainet-Rehberg, Haidmühle) bis 13 Sommertage gezählt (Aldersbach). Die Sonne schien an 146 (Grainet) bis 190 Stunden (Metten), was generell 15 (Haidmühle) bis 33 % (Gr. Arber) zu wenig war. In den Julimonaten 1980 und 1981 wurden in Finsterau nur je 124 Stunden gemessen! Beim Niederschlag hatte einzig Saldenburg-Entschenreuth ein kleines Defizit aufzuweisen (110 mm bedeuten 95 % des Mittels), sonst war es überall, zum Teil deutlich zu nass (im Extremfall Lam-Lambach 268 mm oder 227 %). Unter 100 mm Monatssumme hatte nur Aldersbach (92,9 mm oder 102 %), über 200 mm: St. Englmar 202 mm (156 %), Prackenbach-Neuhäusel 226 mm, Gr. Arber 231 mm (149 %) und Haidmühle 235 mm (189 %). Tagesmengen über 50 mm meldete man am 10. (Pocking 70,2 mm), am 13. (Buchenau 55,1 mm) und am 20. (Lam 64,1, Metten 63,6, Teisnach 63,4, Untergriesbach-Schaibing 56,6 Gr. Arber 58,2 und Daxstein 50,3 mm). Zu den Gewittern mit Sturm am 13. folgen Hinweise später im Artikel.

Im Großraum München zeigte sich der Juli nicht prinzipiell anders: Mitteltemperaturen von 15,1° (Holzkirchen; Gut Laufzorn 15,3°) bis 17,1°C (München/Stadt), oder um 0,7 K (Altomünster) bis 1,6 K zu kalt (Ebersberg). Heiße Tage kamen überhaupt nicht vor, maximal bis 29,7°C in Rosenheim am 17. (Ebersberg nur höchstens 27,2°C am 6.). Mittlerweile gehören heiße Tage im Juli zum Standardprogramm, wie auch folgende Übersicht der Julihöchsttemperaturen von München zeigt:



Bis 1838 stammen die Höchstwerte nur aus den 14-Uhr-Terminbeobachtungen, erst dann wurde ein Registriergerät eingesetzt. Nur zwei Mal gab es gar keine Sommertage im Juli (1833 und 1844). Heuer waren es immerhin 5 (Ebersberg, Attenkam) bis 13 (München/Stadt). Die Nächte zum 25. (Holzkirchen 6,1°) und zum 26. (Rosenheim 5,7, Laufzorn 5,6°, Wielenbach 4,6°C) waren recht kühl. Aber auch hier geht es  noch deutlich weiter runter: München-Harlaching 3,2° am 13.7.1902, 4,0°C am 20.7.1863 (Sternwarte Bogenhausen), 4,5°C am 22.7.1832 (Bogenhausen) und am 31.7.1961 in Nymphenburg, 4,6°C am 23.7.1980 in Riem. Die Sonne war wenig fleißig: 171 Stunden in Wielenbach und 193 Stunden in Weihenstephan bzw. 194 Stunden im Erdinger Moos/Flughafen. Dafür überall reichlich Regen: Großberghofen/DAH 97,7 (Altomünster 112,3) mm bis 185 mm in Gilching (183,1 mm in Eichenried, Laufzorn 171,5 mm). Interessanterweise erreichten eine Reihe von Stationen Richtung Alpenrand nur relativ wenig: Bad Feilnbach 118, Miesbach 138, Wielenbach 144 oder Attenkam 157 mm. Über 50 mm Tagesmenge waren selten (Gilching am 19. 55,9 mm). Bemerkenswert die 12 Gewittertage des Münchner Flughafens (so etwas wie die Anzahl der Gewittertage wird nur mehr von einer Handvoll von Stationen beobachtet).

Das herausragende Ereignis des vergangenen Juli waren zweifelsohne die beispiellos heftigen und über  längere Zeit andauernden Regenfälle im Nordosten unseres Landes: Das Fünffache der normalen Regenmengen ist mehr als extrem: Wusterwitz 512 %, Zinnowitz/Usedom 513 % und Torgelow 558 % des Mittels 1961 bis 1990! Von der Mecklenburgischen Seenplatte bis hin zur Ostsee (Ausnahme: der nördliche Teil der Insel Rügen sowie Angermünde) sowie örtlich auch westlich davon (z.B. Kyritz, Brandenburg/Havel) wurden die höchsten je gemessenen Julimengen notiert, oft handelt es sich sogar um die höchsten Monatsmengen überhaupt. Zunächst einige Grafiken, wo sich die Besonderheit des Juli 2011 eindrücklich zeigt:



Für Kirchdorf auf Poel ist 2011 nicht Spitzenreiter. Frühere Rekordhalter waren 1914, 1922, 1930 und 1965. In Berlin war 1858 noch nasser als 2011 (236 mm), in Kap Arkona 1930 (214 mm), in Angermünde 1907 (211 mm). Auch für Putbus (219 mm) ist 2011 extrem, da aber die Grafik im letzten August schon zu sehen war (da wegen der herausragenden Trockenheit!), habe ich darauf diesmal verzichtet. Teilweise hatten wir heuer auch die größten 24-stündigen Niederschlagsmengen seit Beobachtungsbeginn (z.B. Warnemünde).

In der folgenden Übersicht sieht man eine Reihe von Tagen mit Überschreitung der 50-mm-Marke, wobei selbstverständlich keine Vollständigkeit angestrebt wurde:
 
Große 24-stündige Tagesmengen
7.7.
Locarno-Monti
122,5 mm
9.7.
Rohrbach/Mühlviertel
56,2
10.7.
Pocking
70,2
St. Egidien-Kuhschnappl
61,6
Sermuth-Pumpwerk
57,2
Wusterwitz
53,9
Kleinbothen
51,0
13.7.
Sonogno/Tessin
189,8
Leck
66,1
Wiesenburg/Fläming
64,0
Bregenz
57,8
Buchenau/Bay. Wald
55,1
Alberschwende/Vorarlbg.
53,3
Helgoland
52,4
19.7.
Gräfenberg-Kasberg
103,6
Aulendorf-Haslach
73,9
Reimlingen
72,3
Fürth
67,2
Landsberg/Lech
66,4
Berkheim
64,2
Nürnberg/Flh.
55,5
Schoppernau/Vorarlbg.
51,3
20.7.
Aschau-Stein
103,6
Kubschütz/Sachsen
98,3
Boxberg
97,3
Ruhpolding
88,2
Marktschellenberg
83,6
Feuerkogel
81,0
Sohland/Spree
80,1
Bad Ischl
78,0
Obere Firstalm
76,6
Hainichen-Trebus
70,4
Raschau
67,7
Metten
63,6
Untergriesbach-Schaibing
56,6
Untergriesbach-Glotzing
55,1
Waldkirchen
54,0
Lalling
52,9
21.7.
Zinnowitz
83,5
Hohenreinkendorf
78,5
Pohlitz
71,0
Frankfurt/Oder
59,7
22.7.
Warnemünde
111,4
Groß Lüsewitz
97,0
Ribnitz-Damgarten
83,1
Barth
78,8
Rostock
70,9
Gersdorf
64,8
Teterow
62,8
28.7.
Usedom/Stadt
65,5
Rothemühl
61,3
Ueckermünde
60,9
Brunn am Gebirge/NÖ
56,0
Warnemünde
52,3
29.7.
Tribsees
64,6
Potsdam/RBB
63,4
Potsdam/Obs.
57,3
Berlin-Eiskeller
56,6
30.7.
Altgeringswalde
82,3
Garsebach
74,2
DD-Hosterwitz
70,1
DD-Klotzsche
58,6

Am Alpenrand und hinüber bis nach Oberösterreich kam es am 10. und 13.7. zu orkanartigen Böen, die ebenfalls in einer kleinen Tabelle zusammengestellt werden:
 
Windspitzen in km/h
10.7.
Kressbronn/Bodensee
106 km/h
Kollerschlag/Mühlviertel
106
Reichersberg/Innviertel
105
Chieming
104
Schwendi
104
Ranshofen
103
Waging am See
100
Lindau
100
13.7.
Kollerschlag/Mühlviertel
108
Lalling
96

Am 13.Juli wurden dabei im Nationalpark Bayerischer Wald größere Windwürfe verursacht. Schließlich konnte man wie oft in schlechten Sommern in einigen Gegenden Norddeutschlands im Juli keine Temperatur von 25 Grad und mehr feststellen: in Arkona, Kiel, List, Schleswig, Emden, Oldenburg und in Braunlage war dies etwa der Fall.

2011 steht so als Gegenpol zu den heißen und trockenen Sommern vor 100 und 200 Jahren. Der Wein von 1811 ist berühmt wegen seiner Qualität (von Goethe mehrfach gewürdigt). Eine kleine Hitliste bringt die Höchsttemperaturen des Juli 1911:
 
Ingolstadt
38,0°C
Kahl am Main
38,0
Bad Reichenhall
37,3
Bamberg
36,9
Ludwigshafen
36,6
Leipzig
36,2
Chemnitz
36,2
Bad Kissingen
36,2
Kaiserslautern
36,2
Regensburg
36,2
Cham
36,2
Nürnberg
36,1
Metten
35,3

Zumeist wurden diese Werte am 23. (nach Westen zu) oder am 28.7.1911 erreicht. Geisenheim hatte 21, Trier, Gelnhausen und Heilbronn 22, Kahl am Main und Karlshuld sogar 24 Sommertage, Kahl war mit 15 heißen Tagen dabei. Die Sonne schien an bis zu 318 Stunden in Stuttgart-Hohenheim und sogar 328,5 Stunden in Karlsruhe (Aachen hatte 2011 magere 124 Stunden!). Insgesamt fiel sehr wenig Niederschlag, Görlitz blieb vom 26.7. bis zum 14.8. ohne jeden Niederschlag (Gießen vom 1. bis 21.8., Duisburg vom 30.8. bis 20.9.):
 
Ludwigshafen
6,4 mm
Landau/Pfalz
6,9
Lyon
7
Bamberg
12,8
Norderney
13
Regensburg
13,2
Alexandersbad
14,8
Bad Kissingen
15,8
Fichtelberg
22
Essen
23
Isny
27,1
Brocken
42

Aber wir können ja auf 2012 hoffen (1912 übrigens war wettertechnisch ein grausig schreckliches Jahr mit einer nie da gewesenen Sonnenscheinarmut).


Wolfgang Webersinke, Daxstein, August 2011