Witterungsbericht Juni 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Mein Rückblick beginnt wie stets in der Bayerwaldregion, wo speziell in Zenting-Daxstein keine größeren Wettereignisse zu verzeichnen waren. Es war moderat zu warm mit ein paar markant zu kühlen Tagen vom 18. bis 20.6. Nach der Frühjahrstrockenheit gab es nun fast täglich Regen (24 Niederschlagstage), aber ohne größere Mengen. Die Gewittertätigkeit eher schwach, drei Nebeltage und recht unprogrammgemäß sogar einmal Alpensicht (am 16.). 
In größerem Rahmen schwankte die Mitteltemperatur zwischen 10,2°C auf dem Gr. Arber (Haidmühle 13,7°) und 17,5°C in Aldersbach (Metten 17,3°). Zu einem heißen Tag reichte es nur an der Donau am 22. (31,3°C in Aldersbach). Am kühlsten der Morgen des 25.: 6,0°C in Saldenburg-Entschenreuth und Zwiesel, zum Teil der 13. (Kirchberg 5,2°) und in Haidmühle der 10.6. (1,4°C). Die Sonne zeigte sich zwischen 153 Stunden auf dem Gr. Arber und fast 200 Stunden (Entschenreuth 198,5 und Metten 199,2 Stunden). Der Niederschlag war – wie bei sommerlichem Schauerwetter üblich – breit gestreut und das auch auf engem Raum: am unteren Ende Aldersbach mit 51,7 mm und Untergriesbach-Glotzing (59,9 mm), die 100er-Marke wurde recht oft überschritten mit bis zu 134,3 mm in St. Englmar und 144,8 mm in Lam-Lambach. Den größten Tagesniederschlag hatten Weiding/Kr. Cham am 6. mit 36,5 und Lam mit 36,1 mm. 

Im Raum München lag die Mitteltemperatur in einem recht engen Rahmen zwischen 15,4°C in Oberhaching-Laufzorn und 17,2°C in München/Stadt; bemerkenswert auch der minimale Unterschied zwischen München/Stadt und Flughafen München (nur 0,2 K), was zusammen mit dem nahe gelegenen Weihenstephan (Tm 16,2°) den Verdacht nahe legt, dass der Flughafen so etwas wie eine kleine Stadt mit erhöhten Temperaturen zu sein scheint, auch wenn in diesem Monat praktisch keine längeren Hochdrucklagen vorkamen. Es gab nur in München/Stadt am 29. einen heißen Tag mit 30,2°C (just vor dem „großen“ Regen!). Sommertage kamen zwischen 8 und 11 vor. Die Sonnenscheindauer hatte Werte von 162 (Wielenbach) bis 184 Stunden (Weihenstephan). Beim Niederschlag spreizten sich die Mengen von unter 100 mm im Dachauer Land (Altomünster 90,3 mm) bis über 200 mm (Attenkam 208,6, Rosenheim 218,1 und Wielenbach 229,4 mm), wobei die 200er-Marke gerade südlich von München nicht erreicht wurde (Ebersberg 133,9 oder Laufzorn 173,3 mm und damit weniger als in München/Stadt!). Der Hauptgrund dafür sind die sintflutartigen Regenmengen am Morgen des 30.6., die punktuell extrem ausfielen:
 
Regenmengen 29.6.2011
Laufzorn
54,9 mm
Haimhausen-Ottershausen
56,4
München-Harthof
56,5
München/Dt. Museum
57,0
Deisenhofen
57,0
Attenkam
61,1
Aying
61,7
Holzkirchen
62,6
München-Theresienstr.
71,3
Isen-Westach
83,0
Pfronten
84,8
München/Stadt
91,5
Steingaden-Lauterbach
93,3
Altenstadt-Schongau
93,4
Hohenpeißenberg
95,5
Nebelhorn
103,8

Für München/Stadt bedeutet dieses Regenereignis den größten 24-stündigen Juniniederschlag der gesamten Messreihe (ab 1848); bislang hielt der 26.6.1955 den Rekord mit 86,7 mm. Deshalb nun die folgende graphische Übersicht:


 


Fünfmal in den 164 Jahren reichte es zu 80 oder mehr Millimeter Niederschlag:
·8.6.1849           81,1 mm 

·26.6. 1955        86,7 

·17.6.1979         85,6 

·1.6.1995           80,0 

·29.6.2011         91,5 

Von 1850 bis 1919 gab es kein einziges Mal mehr als 50 mm Regen, ab 1955 sind solche Ereignisse wesentlich häufiger geworden. An anderen Stationen im Stadtgebiet war es natürlich auch noch regenreicher: da war z.B. der 26.6.1960 mit 88,0 mm in Pasing (westlich von München in Puch bei FFB sogar 136,2 mm) oder der Dauerregen vom 17.6.1979 mit 101,7 mm in Nymphenburg (87,8 mm in Unterföhring). 

Wenn man sich ansieht, wie die Menge in München zustande kam, so begann es gegen 3.00 MESZ leicht zu regnen, bis 4 Uhr waren es gerade mal 2,9 mm. Dann regnete es stärker: 15,9 mm bis 5 Uhr, hierauf begann der sintflutartige Regen mit 52,3 mm in einer Stunde. Anschließend wurde der Niederschlag wieder schwächer (12,9 bis 7 Uhr, 7,5 mm bis 8 Uhr und dann noch 2,3 bis 9 und 0,9 mm bis 10 Uhr). An anderen Stationen sind exzessive Mengen in kürzester Zeit herunter gekommen: in Isen z.B. 5,6 mm innerhalb von 5 Minuten bzw 11,3 mm in 10 Minuten (3.55 bis 4.05 Uhr), ähnlich in Attenkam 11,2 mm von 0.30 bis 0.40 Uhr, jeweils am 30.6. Für München besitze ich auch Aufzeichnungen von großen einstündigen Mengen aus früherer Zeit: am 25.7.1929 fielen von etwa 15.20 bis 16.20 Uhr in Pasing 68,0, in Oberföhring 78,1 und in der Osterwaldstraße am Englischen Garten sogar 81,0 

mm. Am 17.5.2000 gab es in München/Stadt zwischen 22 und 23 Uhr 62 mm, in Hochmutting 85,8 mm. Das diesjährige Ereignis war also noch nicht das „Optimum“! 

Die anderen Besonderheiten des Juni 2011 muss ich leider beiseite lassen, da akuter Zeitmangel das unmöglich macht. 

Wolfgang Webersinke, Daxstein/Markt Schwaben Juli 2011