Witterungsbericht Mai 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Wie immer beginnt mein Rückblick in den heimischen Gefilden des Bayerwalds. In Zenting-Daxstein begann der Monat mit vorgezogenen Eisheiligen, die immerhin zum ersten Mal seit 1987 wieder Maifrost zustande brachten (am 4. morgens 0,7°C). In den Hanglagen von Daxstein vermochte dieser geringe und kurzzeitige Frost keine Schäden anzurichten (vielmehr hat die sonstige Gunst des Frühlings 2011 zu einem großen Obstbehang geführt, der nach mehreren Jahren mit wenig Obst auf eine gute Ernte hoffen lässt), aber sonst war er deutlich stärker und hat vielerorts bei den schon ergrünten Buchen viele Triebe erfroren, so dass sie teilweise braun und herbstlich dastehen. Andere Baumarten sind kaum betroffen. Ansonsten war der Monat wenig spektakulär, vor allem weil es ab dem 14. öfter und stärker regnete, was die Trockenheit abmilderte. An 4 Tagen Nebel und zweimal Alpensicht (7. und 30.5.). Der Frühling 2011 wurde zum zweitmildesten in der Daxsteiner Reihe ab 1891 (9,4°C, 2007 9,7°C); der Niederschlag mit 179,9 mm nur 58 % des Solls, zuletzt 2003 noch weniger (172 mm).

In der Region soll zunächst der Maifrost noch näher betrachtet werden: natürlich Haidmühle mit den tiefsten Werten (15 Frosttage insgesamt, am kältesten der 4. mit 7,6°C), gleich darauf Kirchberg mit 7 Frosttagen und der Spitze am 4. mit 4,8°C, ebenso Schorndorf-Knöbling im nördlichen Wald auch 7 und 2,5° am 5., Zwiesel dann 4 Frosttage und 3,7°ebenfalls am 4., ansonsten oft 2 Frosttage (Grainet- 2,9° am 4.), die milden Lagen nur 1 Frosttag (etwa Hutthurm-Kringell, Aldersbach , Fürstenzell und Daxstein). Andererseits gab es bis zu 11 Sommertage (Aldersbach) und Maximalwerte bis 28,8° (Entschenreuth) bzw. 28,9°C (Aldersbach), jeweils am 26. Bei den Mitteltemperaturen hatte Haidmühle 10,0 und Kirchberg 12,2°C, maximal 14,4°C in Fürstenzell, 14,5°C in Aldersbach sowie 14,7°C in Kringell. Die Sonnenscheindauer wie sonst auch deutlich übernormal, beginnend mit 254 Stunden auf dem Gr. Arber (Grainet 262) und endend bei 296 Stunden in Fürstenzell (295 in Metten). Nur wenige Orte bekamen weniger als 60 mm Niederschlag (Schorndorf-K. 56, Stallwang 55 mm), die meisten lagen zwischen 60 und 100 mm (Entschenreuth etwa 76, Metten 85 mm), höhere Lagen hatten auch über 100 mm: Kirchberg 105, Haidmühle 108, Buchenau 110 mm. Den maximalen 24-stündigen Niederschlag gab es am 14., 26., 27. oder am 31. (Kringell am 27. 31,5 mm als höchsten Wert).

Im Großraum München bewegten sich die Mitteltemperaturen zwischen 12,8°C in Laufzorn und 15,1°C in München/Stadt. Nur München/Stadt blieb frostfrei, ansonsten 1 bis 3 Frosttage (Laufzorn, Weihenstephan) und nicht kälter als- 2,3°C (Osterseeon am 5.5.). Bei den Sommertagen lag die Zahl zwischen 3 (Attenkam und Ebersberg) und 8 (Erdinger Moos und München/Stadt), mit den höchsten Temperaturen am 26. in München (28,4°C). Die Sonnenscheindauer hatte Werte von 258 Stunden (Wielenbach) bis 299 Stunden auf dem Münchner Flughafen. Regen fiel zwischen 64 mm in Altomünster und weit über 100 mm südlichvon München (Holzkirchen 158, Laufzorn 170; in den Alpen Kreuth-Glashütte 229 oder Obere Firstalm 244 mm). Erst etwa ab Aying südwärts kamen auch Tageswerte von über 50 mm vor.

Im weiteren Blickfeld lassen sich über den Mai 2011 von Frankreich bis Deutschland recht gleichartige Aussagen treffen: sehr sonnig, teilweise extrem trocken und ausnehmend warm. In Bern etwa konnte der sonnigste Mai seit mindestens 1901 registriert werden (289 Stunden), ebenso in Wien/Hohe Warte (327 Stunden); in Zürich hatte nur der Mai 1919 noch eine Stunde mehr Sonne als 2011 (281). Die sonnigsten Orte Österreichs lagen im Burgenland: Andau 348 Stunden. Interessanterweise folgen die Extreme wieder direkt hintereinander: 2010 hatte den Minimalrekord! Von Wien hier die entsprechende Grafik (wobei ich keine homogenisierten Werte verwendet habe: die Änderungen der HISTALP-Reihe im Vergleich zu früheren Homogenisierungen kann ich nicht nachvollziehen z.T. über 200 Stunden Veränderungen an der Jahressumme):



Aber auch in Deutschland wurde die 300er-Marke überschritten: Tholey 320 und Bad Dürkheim 334 Stunden etwa. 

Ganz selten wurden Niederschlagsgrenzwerte erreicht: Coburg meldete 6,1 mm, der bisherige Tiefstwerte von 1990 war 9 mm. In Erfurt wurde mit 11 mm der alte Rekord von 1943 egalisiert. Sonst kam man manchmal in die Nähe früherer Extreme: z.B. Lindenberg/Obs. 12 mm (1918 10 mm) oder Gießen 9 mm (1991 6 mm oder 1880 4 mm). Vor allem in der ersten Monatshälfte waren auch noch die Folgen der langen Niederschlagsarmut spürbar: in Kienstock an der österreichischen Donau wurde mit 180 cm ein absoluter Tiefpunkt des Wasserstands gemessen.

Vor allem im Norden Frankreichs wurden im diesjährigen Mai so geringe Niederschlagsmengen gemessen wie nie zuvor: Paris-Orly 4,4, Beauvais 3,0, Paris-Montsouris 2,0 und Paris-Le-Bourget 0,8 mm. Da vom letztgenannten Ort die Beobachtungen bis 1770 zurückreichen, sollen sie hier gewürdigt werden:



Wie ersichtlich war nur der Mai 1880 ähnlich trocken wie heuer. Folgende Übersicht zeigt Mai-Werte von damals:


 
Vannes
4 mm
Arras
4
Paris-Montsouris
3,6
Rambouillet
3
Dunkerque
3
Dieppe
3
Châlons-sur-Marne
2
Evreux
2
Melun
2
Rouen
1,1
Le Mans
1
Château-Renard
0
Reims
0

Bei all der Trockenheit gab es doch im Alpenraum an einzelnen Tagen nicht unerhebliche Regenmengen, den Vogel schoss aber Altenburg in Thüringen am Monatsletzten ab, als dort sogar mehr als 100 mm vom Himmel kamen:


 
14. Mai
Bregenz
68,1 mm
Alberschwende
67
Kreuth-Glashütte
53,8
Lindau-Bad Schachen
52,3
Obere Firstalm
51,4
Brauneck
50,4
15. Mai
Sonnblick
69
22. Mai
Markt Erlbach-Mosbach
57,3
26. Mai
Salzburg/Flughafen
58,1
Piding
53,5
27. Mai
Kötschach-Mauthen
86,3
Weißensee
72
Dellach
71,2
Obervellach
70,9
Kolm-Saigurn
70,8
Katschberg
67,6
Obere Firstalm
55,8
Gmunden
55,1
St. Veit/Pongau
53,3
Rudolfshütte
52,3
Spitzingsee
52,3
St. Johann/Pongau
51,0
St. Bartholomä
50,8
31. Mai
Altenburg/TH
113,2
Stammbach-Querenbach
66,3
Parsberg-Eglwang
60,4
Kümmersbruck
57,9
Schmidmühlen
57,5
Regen
55
Freystadt-Oberndorf
52,2
Großhartpenning
52
Neumarkt-St. Veit
51,7
Aying
50,7
Waakirchen-Demmelberg
50,6
Kastl
50,0

Bleiben wir beim Niederschlag und betrachten den gesamten Frühling 2011. Drei Orte haben nach ersten Untersuchungen über die drei Monate März, April und Mai hinweg den geringsten je gemessenen Niederschlag gehabt: Meiningen mit 27,8, Gießen mit 33,3 mm (wobei mir von Gießen das Jahrzehnt 1891 mit 1900 fehlt, ausgerechnet mit dem extrem trockenen Frühling 1893!) und Essen mit 69 mm. Andere Orte lagen nur wenig über dem Extremwert, wie etwa:


 
2011
Extrem
Jahr
Würzburg
45,7 mm
42 mm
1893
Mannheim
48,5
41,3
1893
Leipzig-Schkeuditz
58,3
57
1942, 1976
Hof
70,7
64
1918
Bremen
54,3
50
1870
Bamberg
68,8
60
1976

Als Grafik füge ich Kassel bei, wo es immerhin zuletzt im Frühling 1894 noch trockener war, davor allerdings noch in 4 Frühlingen (1865, 1870 [35 mm], 1874 und 1893):



In Frankreich zeigt Paris wieder einen besonders herausfallenden Minimalwert von nur 32,6 mm über die drei Frühjahrsmonate; seit 1770 ist es allein im Frühling 1785 noch trockener gewesen (25,1 mm):


Aber auch in der Auvergne, als Beispiel Saint-Etienne, fielen nur 125,7 mm, was fast genauso wenig wie 2003 (125,9) oder 1976 (125 mm) ist. In Genf kamen 59,4 mm zusammen (28 % der Norm), nur 1948 war es noch weniger (48,1 mm).

Von der Temperatur her hatten die Schweiz und Frankreich den wärmsten Frühling seit Messbeginn (Schweiz 1864, Frankreich 1901), in Deutschland war nur 2007 noch etwas wärmer (ab 1881). Für Vorarlberg und Nordtirol steht 2011 an dritter Stelle seit 1777.

Weite Teile Österreichs und Süddeutschlands erlebten zudem das sonnigste Frühjahr seit Messbeginn (frühestens 1881). Die Grafiken von München und Wien stehen dafür exemplarisch:


Wolfgang Webersinke, Daxstein, Juni 2011