Witterungsbericht April 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
zurück zur Übersicht
 
Der vergangene April zeigte nun zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren ein völlig ungewohntes Witterungsbild: sonnig, trocken und warm. Das früher gewohnte sprichwörtliche Aprilwetter blieb fast ganz aus.

Ebenso war es in Zenting-Daxstein, wo die Monatsmitteltemperatur mit 10,6°C den dritt-höchsten Wert nach den Rekordmonaten von 2009 (12,0°) und 2007 (11,7°C) erreichte (ab 1891). Der 22.4. brachte dabei das zweithöchste Tagesminimum der Messreihe (14,8°) nach 15,0°C am 29.4.2000. Zwei Tage schafften Maxima über 20°C (22. und 23.4.). Nachtfrost blieb wieder aus (der letzte Frosttag war dann allerdings am 3.5.2011!). Die Natur machte rasante Fortschritte, u.a. begannen am 18.4. die Wildkirschen zu blühen. Nachdem am 13. nur kurzzeitig Schneeflecken lagen, reichte es nach 2007 erneut zu keiner Schneedecke mehr. Nebel trat allein am 5.4. auf (2007 gar kein Nebel!), Alpensicht gab es  nur am 4.4. Das Luftfeuchtigkeitsmittel betrug nur magere 55 % (2007 nur legendäre 47 %), der tiefste Terminwert am 22. nur 26 %. Immerhin an vier Tagen gewitterte es (24., 27., 28. und 30.4.), wobei am 24. im Nachbarort Schöfweg einige Hagelkörner unter den Regen gemischt fielen.

Überblickt man die gesamte Bayerwaldregion, so bewegten sich die Mitteltemperaturen zwischen 5,1°C auf dem Großen Arber (6,7° in Haidmühle) und zumeist Werten über 10 °C (Metten 11,5, Fürstenzell 11,6 und Straubing 11,7°C). Die Rekorde von 2007/2009 waren aber nirgends in ernsthafter Gefahr. Die höchsten Temperaturen lagen einerseits am 7. (Aldersbach 25,1°) und dann vom 21. bis 23.4., wobei die tieferen Lagen öfter Sommertage verzeichneten (Aldersbach insgesamt 4-mal und  bis zu 25,9° am 23.), Metten hatte am 22.4. sogar 26,4°C. Frost trat gelegentlich in leichter Form vom 10. bis 20.4. auf (- 2,9°C in Kirchberg am 17.4.), im letzt genannten Kirchberg am 27. nochmals – 1,8° (dort 9, in Haidmühle 24 Frosttage und bis hier zu – 6,8° am 17.). Die Sonne zeigte sich zwischen 206 Stunden (Gr. Arber) und 238 Stunden in Fürstenzell (Straubing 252 Stunden), auch das viel mehr als im Durchschnitt, aber keineswegs mehr als 2007. Der Niederschlag überall hoch defizitär, am unteren Ende Pocking 11,9 mm, an der Spitze Teisnach (42,5), St. Englmar (44,6) und der Große Arber mit 46,6 mm. Der niederschlagsreichste Tag war zumeist der 4.4. (St. Englmar 22,3 mm, danach am 13.4 Buchenau mit 12,6 mm).

Im Großraum München konnten Monatsmitteltemperaturen von 10,1°C (Oberhaching-Laufzorn; Wielenbach 10,5°) bis 12,5°C (München-Stadt) gemessen werden. Auch hier der April 2007 ungefährdet (München-Stadt 13,4°C). Nachts blieb die Münchner Innenstadt den ganzen Monat hindurch frostfrei (am 17. minimal 0,6°C, übrigens auch Ebersberg mit 0,0° am 15.4.), sonst doch gelegentlich Nachtfrost vom 15. bis 18.4. (Laufzorn – 3,1°C am 16.). Zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Jahr wurde am 7.4. in München (25,2°), in Osterseeon/Kr. Ebersberg (25,1°) und in Holzkirchen (25,0°) die Sommertag-Grenze geknackt. München und Wielenbach hatten dann am 22. nochmals einen solchen Tag (München 25,2 und Wielenbach 25,6°C). Der Sonnenschein recht gerecht verteilt zwischen 250 Stunden in Rosenheim und 271 Stunden in München/WA bzw. 282 Stunden an der Meteo-Media-Station auf dem Turm des Deutschen Museums. Beim Niederschlag großräumig wieder nur ein Viertel bis ein Drittel des Normalen: nur 14,4 mm in Maisach (Oberschleißheim 15,8 mm) und höchstens 40,4 mm in Schweitenkirchen (17,8 mm am 4. und 18,7 mm am 27.!), in der Regel meist so zwischen 20 und 30 mm. 

Für München wurde die erste Aprildekade noch genauer untersucht: Sommertage sind zu diesem Zeitraum im Jahr eine absolute Rarität. Ab 1781 gab es bislang an folgenden Tagen Temperaturen von 25,0°C oder mehr:

3.4.1886:    Sternwarte Bogenhausen 25,2°C

- 4.4.1953     Bogenhausen 25,5°, Riem 25,4°

- 6.4.1961     Nymphenburg 25,1°, Bavariaring 25,0°

- 7.4.1961     Bavariaring 25,1°

- 7.4.2011     Wetteramt 25,2, Theresienstraße 26,4°

Zwischen dem 7. und dem 9.4. ergaben sich großflächig in West- und Mitteleuropa oft extrem hohe Temperaturen, die in der Südschweiz und in Südfrankreich in verfrühter Sommerhitze gipfelten:


 
07.04.2011
Sables-de-Barbezieux/Charente
30,5°C
Pörtschach/Kärnten
29,9
Innsbruck-Universität
28,8
Klagenfurt
28,2
Graz-Universität
28,0
08.04.2011
Ascona
31,2
Lugano/Tessin
30,8
Bellinzona
30,7
Nîmes-Courbessac
30,7
09.04.2011
Durban-Corbières/Aude
32,2
Locarno-Monti
31,8
Ascona
31,8
Lugano/Tessin
31,6
Bellinzona
31,4

Für das Tessin bedeuten die Werte von Locarno und Lugano die höchsten Apriltemperaturen überhaupt seit mindestens 1864 (Lugano hatte den „alten“ Aprilhöchstwert am 20.4.1949 mit lediglich 28,9°C).

Im Norden Deutschlands wurden gebietsweise sogar die höchsten Mitteltemperaturen samt den längsten Sonnenscheindauern erreicht – dieses Feld habe ich in diesem Monat Jörg Wichmann überlassen, der mich hier sehr kollegial unterstützt – vielen Dank!

Nach Süden zu, im Alpenraum und auch in Frankreich wurden die Rekordmarken hier nicht „geknackt“. Weißenburg i. Bayern z.B. 2007 12,3, heuer 11,9°C. Am wärmsten in Österreich Wien/Innenstadt mit 14,5°, in Deutschland Heidelberg und Bad Bergzabern mit je 14,6°, gleich danach Frankfurt am Main/Westend mit 14,5°C.

Der Sonnenschein war überreichlich zu genießen, mit maximal 311 Stunden in Bad Säckingen/Oberrrhein und 300 Stunden auf der Nordseeinsel  Juist (Wörth am Rhein 298, Rheinfelden 288, Ranshofen/Oberösterreich 285 Stunden). Auch das hatten wir schon extremer (z.B. Innsbruck 2011 274, 2007 aber schon 303 Stunden). Lediglich in Südfrankreich gab es Orte mit bisher nicht gekannten Maximalwerten: Lyon-Bron 312 und Montélimar mit 311 Stunden. 

Beim Niederschlag wurden meist nicht die Dürrebedingungen des April 2007 erreicht, sehr wenig Regen war es trotzdem, begann die diesjährige Trockenzeit doch schon im Februar. Besonders wenig Regen fiel an folgenden Orten:


 
Brig/CH
0,2 mm
Nauders/Tirol
2
Beauvais
2,6
Montélimar
2,8
Caen
3,6
Cherbourg-Valogne
3,8
Dörnick
4,4
Padenstedt
4,6
Cuxhaven
4,7

Über 40 mm waren in Deutschland bereits die „nassen“ Gegenden, z.B. Berlin-Alexanderplatz 45,4 (112 %), Nürnberg/Flughafen 48,0 (101 %), Zinnwald-Georgenfeld 70,0, Nebelhorn 74,7 und Zugspitze 82,2 mm.


Wolfgang Webersinke, Daxstein, im Mai 2011