Witterungsbericht März 2011

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der März 2011 verwöhnte uns schon für längere Zeit mit vorfrühlingshafter Witterung, wenngleich die Nächte noch oft frostig waren. Dabei schien häufig die Sonne und bis auf wenige Gebiete im Süden und Osten blieb es ungewöhnlich trocken.

So auch im Gebiet des Bayerischen Waldes: In Zenting-Daxstein gab es nur 6 Tage mit messbarem Niederschlag; genauso wenig waren es 1943 und 1976 und nur 1946 noch ein Tag weniger (den trockensten März überhaupt hatten wir 1921 mit nur 12 mm; Reihe ab 1876). Heuer schwankten die Monatsniederschlagssummen zwischen 21 mm in Kirchberg und 48 mm in St. Englmar, nur wenige Orte hatten mehr als 40 mm (z.B. Daxstein 45 und Untergriesbach-Glotzing 44 mm). Niederschlagsreichster Tag war meist der 17.3. (maximal 25,8 mm in Untergriesbach-Schaibing bzw. 23,6 mm in Glotzing). Nur in Zwiesel (doch etwas zweifelhafte Automatenmessungen, wenn sich mal die Schneedecke erhöht, ohne dass Niederschlag gefallen ist!), St. Englmar und Buchenau konnte sich der Februarschnee noch in den März hinüberretten, ansonsten hatte nur der 18.3. noch eine geringe Neuschneedecke zu bieten: Daxstein und Buchenau je 1, Prackenbach 2 und St. Englmar, Lam-Lambach und Sonnen je 3 cm. Für März wahrhaft dürftiger als dürftig. So wundert es nicht, dass in Daxstein mit 1 Schneedeckentag ein Minimum mit 2 solcher Tage von 1912 und 1948 noch getoppt wurde, wobei nicht verschwiegen wird, dass auch 1918 nur einen einzigen Tag mit Schneedecke hatte (Zeitreihe der Schneedecke ab 1884).

Die Temperatur lag dauerhaft über der Norm, das Mittel betrug in Daxstein 4,6°C (zuletzt 2007 mit 4,8° noch milder; Rekord bei 5,6°C in den Jahren 1972 und 1974). Die höchste Temperatur erreichte fast 20°: Metten 19,9 und Aldersbach 19,4°C jeweils am 15.3. Am 8. wurden noch einmal – 10° unterschritten: Zwiesel – 10,8 und Kirchberg – 11,0°C. Die Zahl der Frosttage schwankte zwischen 13 (Daxstein) und 24 (Schorndorf-Knöbling). Die Sonne machte viele Überstunden, man zählte 186 (Metten) bis 202 Stunden (Fürstenzell). Die lange Sonnenscheinreihe von Hausstein/Haidmühle zeigt Werte von über 200 Stunden in den Jahren 1921, 1933, 1943, 1948 und zuletzt 1953 (231,8 Stunden).

Sehr auffällig war die Lufttrockenheit am 8.3., als das Mittel in Daxstein nur 24 % betrug, bei einem Morgenwert von lediglich 17 %. Das absolute Minimum wurde 1931 und am 17.3.1972 mit nur 14 % festgestellt. Abschließend noch die Zahl der Nebeltage (5) und Alpensicht gab es am 7., 8., 13. und 31.3.

Im Raum München lag die Mitteltemperatur an den kühlen Stationen unter 5°C: Laufzorn 4,3, Holzkirchen 4,6 und Maisach 4,9°C, sonst teilweise sogar über 6°C: München/Stadt 6,4°C; dort am 15.3. auch die höchste Temperatur mit 18,9°C. Am 8.3. morgens am kältesten mit je – 8,5°C in Laufzorn und Holzkirchen. Die Frosttage relativ wenig gestreut zwischen 12 (München/Stadt, Ebersberg) und 18 (Holzkirchen, Laufzorn und Weihenstephan). Die Sonne zeigte sich zwischen 184 Stunden in Rosenheim und 199 Stunden in München und Weihenstephan. Dass es im März gar nicht schneit, kommt sehr selten vor. In München passierte das bisher nur 1836, 1957, 1959 und eben heuer im Jahr 2011 zum vierten Mal seit 1781. Eine Restschneedecke war nur noch im alpennahen Raum zu entdecken: Jachenau-Tannern 1 Tag, Oberammergau 7, Linderhof 9 und Kreuth-Glashütte 25 Tage mit geschlossener Schneedecke.

Im trockenen März 2011 gab es ein Gebiet, das dank eines außergewöhnlichen Niederschlagsereignisses am 17.3. sogar Überschüsse hatte, und das waren weite Teile Oberbayerns und das Allgäu. In München fielen am Wetteramt 43,7 mm und damit seit dem Rekord-Märzniederschlag vom 8.3.1896 (Gabelsbergerstr./Centralstation 53,6 und Sternwarte Bogenhausen 55,7 mm) die zweithöchste Märzmenge in 24 Stunden überhaupt. Deshalb die nachfolgende Grafik:



Der März ist normalerweise ein recht niederschlagsarmer Monat, deshalb sind die 40,3 mm in Oberschleißheim oder die 49,2 mm am Kloster Schäftlarn vom 17.3.2011 besonders außergewöhnlich. Deshalb konnte auch in Ebersberg-Halbingmit 46,7 mm für diesen Tag die größte Märztagesmenge seit Messbeginn im Jahr 1900 registriert werden. Hier nun die Mengen von über 50 mm in Vorarlberg und Südbayern:


 
Niederschlagsmengen vom 17.3.2011
Bregenz
87,8 mm
Dornbirn
78,4
Alberschwende
74,2
Oberstaufen-Thalkirchdorf
71,3
Zugspitze
64,3
Balderschwang
63,6
Aschau-Stein
59,1
Weiler-Simmerberg
56,1
Oberreute
55,2
Obere Firstalm
54,8
Immenstadt-Reuthe
54,4
Kochel-Einsiedl
54,3
Inzell
53,6
Waakirchen-Demmelberg
53,3
Kraftisried
53,2
Deisenhofen
52,4
Holzkirchen
52,1
Oy-Mittelberg-Petersthal
51,8
Teisendorf-Neukirchen
50,8
Sigmarszell-Zeisertsweiler
50,5
Oberstdorf-Rohrmoos
50,4
Hohenpeißenberg
50,1

Die 88 mm von Bregenz sind übrigens Märzrekord seit mindesten 1873!

Beim Blättern in den Annalen bemerkt man aber, dass der März 1896 noch von einem anderen Kaliber war: Die gesamte Monatsmenge war damals enorm:


 
Monatsniederschlagsmenge März 1896
Schongau
130,5 mm
Mittenwald
165,8
Partenkirchen
179,3
Schachtenbach/Bay. Wald
207,7
Arbersee
213,8
Benediktbeuern
217,1
Pfronten
226,0
Kempten
228,8
Traunstein
234,4
Reichenhall
244,7
Tegernsee
257,1
Bayrischzell
266,0
Oberstdorf
300,5
Hohenaschau
314,5
Einödsbach b. Oberstdorf
358,8
Buchenberg/Allgäu
368,3
Kreuth
456,8 !!!

Am 7. und 8.3. fielen dabei im Chiemgau auch große Mengen an Nassschnee (Schleching am 7. 17 und tags darauf 30 cm oder Maria Eck am 7. 33 und am 8.3. 70 cm Schneedecke!). Verbreitet ergossen sich am 8. und 9.3. über 50 mm, ja sogar über 100 mm (z.B. am 8. Traunstein 84,7, Einödsbach 86,2 und Hohenaschau 112,0 mm und am 9.3.1896 Schaftlach 71,7, Reichenhall 88,5 und Kreuth 108,5 mm). 

Nun wieder zurück zum Bundesgebiet und zu 2011. In weiten Bereichen erlebten wir den sonnigsten März seit 1953 (wie übrigens auch in Österreich!). Meines Wissens reichte es im Raum Frankfurt am Main zum sonnigsten März der Reihe, die dort 1908 einsetzt. Heuer waren es 212,8 Stunden, der alte Rekord von 1953 weist „lediglich“ 208,8 Stunden aus:



Es handelt sich hierbei in den älteren Jahrgängen vor 1962 um die Stadtstation Feldbergstr., wo eventuell auch zu kleine Werte gemessen wurden (die sehr niedrigen Ausbeuten bis 1917 etwa). In Erfurt (ab 1889!) fehlten nur 12,6 Stunden bis zum Allzeitrekord von 1953 (216,5 Std.), in Görlitz (allerdings erst ab 1946) nur 3,2 Stunden zu den 212,5 von 1953.

Ebenso weit verbreitet war die Niederschlagsarmut des März 2011. In einigen Reihen reichte 2011 sogar an den bisherigen Grenzwert heran; dies war der Fall in Norderney (8 mm wie 1895) und in Kassel (7 mm wie 1921). Vom letzt genannten Ort daher die Niederschlagsgrafik:



Wieder andere Stationen lagen nur geringfügig vom Minimum entfernt: Meiningen heuer 9 mm, 1921 5 mm; Greven 8 mm, 1858 4 mm; Göttingen heuer 8, 1971 6 mm oder Diepholz 7 mm gegenüber 6 mm 1918 und 1929. Zum Schluss der Niederschlagsübersicht folgt noch die Grafik von Bremen, das eine besonders lange Reihe besitzt (ab 1831); auch hier besetzt 2011 einen beachtlichen 4. Platz (0 mm 1856 und je 5 mm 1843 und 1929):


Damit wird die allmonatliche Übersicht für diesmal beendet.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, April 2011