Witterungsbericht Dezember 2010

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Aller globalen Klimaerwärmung zum Trotz – Mitteleuropa stand 2010 abseits der sonst herrschenden hohen Temperaturen – zeigte der vergangene Monat, wozu das Wetter in unseren Breiten dennoch fähig ist: klirrende Kälte, reichliche Niederschläge und rekordhohe Schneedecken, dazu noch gepaart mit sehr wenig Sonnenschein.

Im Bayerwald war die Kälte generell weniger bemerkenswert. Egal, ob an der Donau oder im mittleren Niveau, die Monatsmitteltemperaturen lagen so um die minus vier Grad (z.B. Aldersbach ?3,9 oder Prackenbach-Neuhäusel ?4,4°C), nur in den besonders kalten Tallagen war es, wie so oft, kälter: Zwiesel ?5,1, Kirchberg ?5,3 und Haidmühle –6,7°C; natürlich der Gr. Arber mit ?7,1°C an der Spitze. Trotzdem war es in Daxstein der kälteste Dezember seit 1969 (zusammen mit 1996). Nur an wenigen Stationen sank die Temperatur unter minus 20 Grad: Haidmühle bildete die Ausnahme mit 5 Tagen unter ?20°, sonst nur am 30. in Kirchberg (?20,3°) und in Schorndorf-Knöbling (?21,8°C). Im Höchstfall gab es 30 Frosttage (Haidmühle, Kirchberg) und 27 Eistage (Kirchberg). Am Stefanitag (26.12.) war es auch tagsüber am kältesten (Tmax Haidmühle ?10,0, Kirchberg ?8,6°C). Zwei Tauperioden stellten sich ein, eine vom 6. bis 8.12. mit Maxima bis gegen 10° (Prackenbach 9,9 und Entschenreuth 10,4°C am 8.), die zweite vom 21. bis 24., wobei vor allem mittlere Lagen im Zustrom sehr milder Luftmassen aus dem Süden lagen: am 23. in Grainet-Rehberg (645 m) 11,4, in Daxstein (731 m) 8,9°, dagegen in Entschenreuth (457 m) nur 5,0 oder in Metten (313 m) nur 2,8°C! Beim Sonnenschein war es eher mau, mit Werten von 22,6 Stunden in Metten bis 41,7 Stunden in Fürstenzell. Niederschlag fiel reichlich und oft als Schnee von 63,3 mm in Aldersbach bis 169,2 mm auf dem Gr. Arber. Höhere Lagen (Buchenau 141,3, St. Englmar 161,7 mm), aber auch Tallagen nach Westen hatten Werte über 100 mm (Metten 115,4, Entschenreuth 107,1 mm). Zum Teil (eher im Norden) fiel am 6.12. der meiste Niederschlag (Zwiesel 26,7, Kirchberg 29,9 mm), teils auch am 11.12. (Schaibing 16,1, Daxstein 25,9 und Buchenau 26,2 mm). Im Gegensatz zu anderen Gegenden meldete der Bayerische Wald keine Rekordschneehöhen (wohl aber 31 Tage mit Schneebedeckung, was aber des Öfteren vorkommt), zwischen dem 17. und 22. waren es beispielsweise maximal 54 cm (21. Grainet), 77 cm (Buchenau am 17.), 80 cm (18. und 19. in Lam-Lambach) und 142 cm auf dem Gr. Arber (am 22.). Eine Besonderheit gab es trotzdem: in Daxstein fiel vom 21.11. bis zum 20.12. täglich messbarer Niederschlag, nur 1993 war eine solche Periode noch länger (36 Tage vom 1.12. 1993 bis 5.1.1994).

Im Münchner Raum konnte bei den Mitteltemperaturen eine interessante Verteilung bemerkt werden: Die mit Föhnunterstützung von Süden her durchgreifenden Erwärmungen waren Richtung Alpen länger und andauernder, sodass etwa Attenkam ?1,8° hatte, Altomünster-Maisbrunn aber ?3,0° oder Weihenstephan ?3,1° (München-Stadt natürlich am „mildesten“ mit ?1,2°C). So wurden die tiefsten Temperaturen diesmal am Flughafen im Erdinger Moos gemessen (?17,5° am 18., ?17,9° am 4. und je ?18,5°C am 5. und 19.12.). Südlich von München reichte es in Laufzorn „nur“ zu ?14,9° am 5.12. Besonders hohe Minima kamen aus München-Stadt, wo selbst ?10° nicht unterschritten wurde (?8,6° am 5.). Am wärmsten waren der 8. (München-Stadt sogar 15,4°), doch auch am 23. beachtliche 13,6°C in Attenkam. Die Sonne erreichte ihr Soll nirgends: 34,9 Stunden in Weihenstephan und 49,2 Stunden in Attenkam sind die Grenzwerte. Beim Niederschlag zeigte sich wieder ein differenzierteres Bild: relativ wenig nach Süden und Südosten (Haar 55,2, Osterseeon 61,1, Ebersberg 66,5 mm), dagegen nach Norden/Nordwesten sogar über 100 mm (Oberschleißheim 100,5, Haimhausen-Ottershausen 101,5, München-Harthof 105,2, Altomünster 118,5, Schweitenkirchen 119,8 mm). Niederschlagreichster Tag war generell der 6.12.: München-Harthof 28,1, Weihenstephan 28,8, Altomünster 31,5 mm. Das Besondere am Dezember 2010 war die ausnehmend gute Schneelage. Vor allem wieder im Norden lag während des ganzen Monats eine Schneedecke (31 Tage in Altomünster, Oberschleißheim, aber auch in Assling), die beachtliche Höhen zeigte: Ottershausen und München-Harthof bis 23 cm, Laufzorn 30 cm (18. und 19.). Die Automatenmessungen von München-Stadt müssen aufwändig von Hand verbessert werden, weil sie oft nicht stimmen und auf dem Flughafen werden ungerührt 0,0 mm gemessen (natürlich automatisch), während gleichzeitig 7 cm Neuschnee fallen (vom 15. auf den 16.12.). Qualität ist etwas anderes!

Für München wird die Zahl der Tage mit geschlossener Schneedecke im Dezember seit 1879 gezeigt:



Man sieht das Minimum der Jahre zwischen 1910 und 1925, fünfmal waren es 31 Tage (1879, 1890, 1903, 1933 und 1969).

Bleiben wir beim Schnee: In Teilen von Nordbayern sowie in vielen Gebieten von Nord- und Ostdeutschland handelte es sich heuer um den unstreitig schneereichsten Dezember seit Aufzeichnungsbeginn im 19. Jahrhundert, wenn man einmal den Extrem-Dezember 1829 außer Acht lässt. Frühere Rekorde waren etwa der 23./24.12.1986 (Lindenberg, Cottbus), der Dezember 1981 (Hof, Leipzig, Gera), der Silvestertag 1978 (Greifswald), 1969 (Aachen), 1950 (Erfurt, Würzburg) oder 1913 (Berlin, Potsdam). Manchmal wurden diese alten Höchstmarken weit übertroffen: Gera am 25.12.1981 35, am 26.12.2010 70 cm. In Erfurt wurde am 27.12.2010 mit 45 cm der Rekord vom 23.12.1886 um nur 2 cm verfehlt! Folgende Übersicht listet – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – eine Reihe dieser Rekorde auf:


 
Ort
Max.Schneehöhe
Tag
Bremen
20 cm
24.
Greifswald
39 cm
24.
Angermünde
25 cm
28.
Hannover
28 cm
24./25.
Göttingen
24 cm
27.
Berlin-Tegel
36 cm
28.
Potsdam
41 cm
28.
Lindenberg
43 cm
28.
Düsseldorf
27 cm
25.
Leipzig
34 cm
28.
Dresden-Klotzsche
40 cm
28.
Jena/Sternwarte
40 cm
28.
Erfurt
45 cm
27.
Görlitz
37 cm
25.
Aachen
37 cm
25.
Würzburg
24 cm
27.
Bad Kissingen
33 cm
25.
Regensburg
35 cm
26./27.
Hof
52 cm
28.

Im Vergleich zu noch weiter zurück liegenden Ereignissen ist das allerdings noch immer relativ wenig: 1886 fielen vom 19. bis 23.12. zum Teil noch weitaus größere Mengen (Chemnitz 80, Freiburg i. Br. 80, Karlsruhe 94 cm), am 13.12.1808 lagen in Innsbruck mehr als 100 cm und auf dem Hohenpeißenberg maß man am 27.12.1788 140 cm. Anbei die Grafik von den höchsten Dezemberschneehöhen in Jena seit dem Jahr 1887:



Im Südwesten, genauer gesagt in Mannheim, wurde auch fast der Niederschlagsrekord vom Dezember 1947 (116 mm) eingestellt. Hier die Grafik dieser langjährigen Niederschlagsreihe:


Die Sonne machte sich in weiten Teilen des Landes sehr rar. In Braunschweig reichte es mit 11 Stunden sogar zum tiefsten Wert seit Beginn der Beobachtungen 1925 (bisher 13,3 Stunden 1981). Das folgende Diagramm zeigt den neuen Rekord eindrucksvoll:


Der Umschwung vom kalten Dezember zum milden Januar erfolgte erstaunlich abrupt. In der Hohenpeißenberger Reihe findet man 1820/21 einen ähnlich drastischen Umbruch, der hier einmal zusammen mit 2010/11 gezeigt werden soll:


Auffälligster Unterschied: 2010 gab es ein starkes vorgezogenes Weihnachtstauwetter (mit +10,0°C schlug der 23.12. sogar das bisher höchste Tagesmittel für diesen Tag um 0,8 Grad!), 1820 jedoch nicht. Auch das Nikolaustauwetter ist 2010 deutlich zu sehen, 1820 kam es erst 4 Tage später. Im Norden und Osten gab es heuer in den ersten 3 Dezembertagen einen massiven Kaltlufteinbruch mit neuen Rekorden (Berlin-Dahlem am 02.12. Tagesmittel -9,9°C!), der sich in der Südhälfte kaum auswirkte. Allgemein hatte der Dezember 2010 in der Mitte und im Norden 29-30 zu kalte und nur 1-2 übertemperierte Tage. Nennenswerte Warmlufteinbrüche fanden dort oft nur in der Höhe statt, was langanhaltende Aufgleitschneefälle und gefährlichen Glatteisregen begünstigte. 1820 herrschte zum Jahresausklang die größte Kälte mit nachfolgend steilem Temperaturanstieg. Ab dem Dreikönigstag (06.01.) fällt eine weitgehende Übereinstimmung beider Temperaturlinien auf.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Januar 2011