Witterungsbericht November 2010

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
zurück zur Übersicht
 
Der vergangene November zeigte sich meist zu mild, dabei in einigen Mittelgebirgslagen sehr sonnenscheinarm und im Osten der Republik gebietsweise extrem nass.

Die erste betrachtete Region, der Bayerwald, hatte wie die anderen Teile Deutschlands eine krasse Zweiteilung der Temperatur: bis zum 22. meist mild bis sehr mild (erste und zweite Dekade waren jeweils um etwa 4 K zu mild!), dann sogleich der Umschwung zu winterkalter Witterung. In Zenting-Daxstein blieben bis zum 19. Nachtfröste die große Ausnahme, gleich am 1. „sank“ das Minimum nur bis 12,1°C. Vom 23. an kam es täglich zu Schneefällen, 11 cm Neuschnee am 25. und je 9 cm am 29. und 30. Nebel war häufig (19 Tage), ebenso der Anblick der Alpen mit 10 Tagen.

Zum Monatsende erreichte die Schneedecke schon ganz beachtliche Höhen: Grainet-Rehberg 16, Kirchberg 23, Prackenbach 24, Buchenau 26, Daxstein 29, Lam-Lambach 30, St. Englmar 35 und auf dem Großen Arber 58 cm. Bei den Mitteltemperaturen ergaben sich Schwankungen zwischen – 0,1°C auf dem Großen Arber (Haidmühle 1,9 und Kirchberg 2,7°C) und 5,2°C in Aldersbach (Metten 5,0 und Fürstenzell 4,6°C). Die Tage mit der höchsten Temperatur waren entweder der Allerheiligentag (Aldersbach 19,4, Metten 19,3 und Kringell 19,1°C) oder der 14.11. (Saldenburg-Entschenreuth 19,3, Grainet-Rehberg 19,0 und Zwiesel 18,7°C), am 27. und 28. wurde gelegentlich die minus-zehn-Grad-Marke unterschritten (Kirchberg – 12,4 und Haidmühle – 19,5°C). Die Sonne schien recht gleich verteilt zwischen Tal- und Höhenlagen: am wenigsten in Metten (39,4 Stunden), am häufigsten in Haidmühle (57,3 Stunden). Auch beim Niederschlag ereignete sich nichts Spektakuläres: mehr als 100 mm hatten nur der Große Arber (125,6 mm), St. Englmar (104,2 mm) und Lam-Lambach (102,8 mm), unter 50 mm nur Aldersbach (45,3), Fürstenzell (45,5) und Untergriesbach-Glotzing (45,8 mm).

Im Münchner Raum ergab sich wieder eine eher ungewöhnliche Niederschlags-Verteilung mit tendenziell höheren Werten nach Nordwesten und geringeren südlich von München: Altomünster-Maisbrunn 61,5, aber z.B. Attenkam, nahe des Starnberger Sees nur 41,3 mm oder Assling nur 41,3, hingegen Haimhausen-Ottershausen 55,3 mm. Auch bei den größten Schneehöhen zum Monatsende wird dieser Gegensatz deutlich: Erdinger Moos 16 cm, Schweitenkirchen-Sünzhausen 17 cm, in Assling aber nur 12 und in Deisenhofen nur 6 cm. Richtung Alpenrand nahmen die Höhen aber wieder zu: Irschenberg 21, Jachenau, Waakirchen und Kreuth 30 cm. Die Mitteltemperaturen bewegten sich zwischen 4,0° (Oberhaching-Laufzorn und Holzkirchen) und 5,6°C (München-Stadt). Im Raum nördlich von München gingen die Temperaturen am 30. teilweise bis unter die bisherigen Extreme: am Flughafen München wurden – 17,1°C gemessen (Eichenried - 16,1°, Maisach-Galgen – 15,1°C); seit 1961 (Werte des US-Flugplatzes Erding) war es nur am 25.11.1975 ähnlich kalt gewesen: - 16,4°C. Die Sonnenscheindauer hatte Werte zwischen 67 Stunden am Flughafen und 81 Stunden in Attenkam.

In den nördlichen Mittelgebirgslagen machte sich die Sonne sehr rar: 10 Stunden in Wittingen-Vorhop, 12 Stunden auf dem Kl. Feldberg im Taunus, 13 Stunden auf dem Hoherodskopf/Vogelsberg und 14 Stunden auf dem Kahlen Asten; dort gab es allerdings 2007 nur 4,5 Stunden Sonne. Von der Ostsee bis hinunter ins südliche Brandenburg war es außerordentlich niederschlagsreich, so dass alte Rekordmarken überboten wurden. Folgende Übersicht listet diese Stationen auf:


 
Brocken
338 mm
Warnemünde 
130
Waren/Müritz
103
Angermünde
97
Wittenberg
134
Cottbus
141

Alle diese Stationen existieren zumindest seit 1901; von Cottbus zeige ich die entsprechende Grafik (ein herzliches Dankeschön wieder an Jörg Wichmann für die prompte Bereitstellung der Daten!):



Der alte Höchstwert von 110 mm aus dem Jahr 1909 wurde mit 141 mm geradezu pulverisiert. Andere Orte blieben nur geringfügig unter den Höchstmarken: Magdeburg 88 gegen 92 mm im Jahr 1944 Doberlug-Kirchhain 105 mm gegen 113 im Jahr 1919 oder Greifswald 122 gegen 125 mm im Jahr 1950. Auch 24-stündige Summen erreichten Rekordstatus: 4.11.2010 Warnemünde 38,1 mm (bisher 33,8 mm am 2.11.1969), Greifswald 28,9 mm, Waren 29,2 mm.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 11.12.2010