Witterungsbericht Oktober 2010

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der zweite Herbstmonat in diesem Jahr zeichnete sich durch eine generell leicht unterdurchschnittliche Temperatur, in etwa normale Besonnung und zum Teil deutlich zu trockene Verhältnisse aus.

Bei meinem Rundblick beginne ich wie immer im Bayerwald. In Daxstein war es zu Monatsbeginn etwas zu kalt, daran schlossen sich 10 zu milde Tage an, denen wiederum eine lange zu kalte Phase folgte (am 21. mit 5,5 K zu kalt), die letzten drei Tage dann markant zu warm (am 31. + 7,1 K!). Am 20. und 21.10. gab es zum ersten Mal in der neuen Wintersaison Schneeregen und Schnee, allerdings ohne eine Schneedecke (in Sonnen, 847 m hoch im Passauer Abteiland, hingegen reichte es am 21. zu einem Zentimeter Schnee); am Großen Arber lag schon 14 Tage lang Schnee vom 17. bis zum 30.10. (maximal 22 cm am 22.10.). In Daxstein waren an 6 Tagen (entspricht genau dem Durchschnittswert) die Alpen gut zu sehen, Nebel trat nur an 9 (- 3)Tagen auf. Am 10. und 11. wehte ein kräftiger Ost- bis Nordostwind.

In der Gesamtschau der Region bewegten sich die Monatsmitteltemperaturen zwischen 3,5°C auf dem Großen Arber und 7,8°C in Hutthurm-Kringell, die Streuung war also nicht groß wie das bei einem länger durch Hochdruck und starke nächtliche Abkühlung gerade in den Tälern geprägten Monat normal ist. Die frostanfälligen Tallagen meldeten z.B. nur 4,2°C (Haidmühle), 5,6°C (Kirchberg im Wald) oder 6,6°C (Schorndorf-Knöbling) bei 12 Frosttagen (Schorndorf), 14 (Kirchberg) und bis zu 17 in Haidmühle. Die wenigsten Frosttage hatten Daxstein (4) und Kringell (5), wobei ab dem 21. der Frost überall eingetreten war. Ab dem 10. betraf das nur die besonders anfälligen Lagen (Haidmühle, Kirchberg), ab dem 13. dann vereinzelt auch anderswo (Schorndorf, Entschenreuth). Am tiefsten sank die Temperatur am 22. (Kirchberg 6,4, Haidmühle- 8,7°C). Das höchste Maximum wurde meist am 3. oder 4.10. erreicht: 21,6°C in Metten (3.) und 21,5°C in Zwiesel. 

Die Sonnenscheindauer wies keine hohe Schwankungsbreite auf: 155 Stunden auf dem Gr. Arber (98 %) und minimal 119 Stunden in Metten. Gleiches gilt auch für den Niederschlag. Auf dem Gr. Arber 48 mm, dagegen nur 15 mm in Metten, wobei Werte unter 20 mm eher an der Donau auftraten (Aldersbach 18,5, Moos b. Deggendorf 17,4 mm; doch auch nur 17,5 mm in Teisnach, im Norden). Über 30 mm meldeten nur die höheren Lagen (Haidmühle 31, Sonnen 33,1, Untergriesbach-Glotzing 33,4 und Daxstein 37,7 mm). 

Im Münchner Raum bewegten sich die Mitteltemperaturen zwischen 8,5°C in München-Stadt und 6,9°C in Oberhaching-Laufzorn (Holzkirchen 7,0, Ebersberg 7,3, Weihenstephan 7,4°C). Ebenfalls hier der erste Frost meist am 21.10. (Laufzorn schon am 12.), mit dem Gipfel am 22. (Weihenstephan und Holzkirchen- 3,3°C); insgesamt im Oktober 4 bis 6 Frosttage, also wenig differenziert. Am wärmsten der 4.10.: München-Stadt 22,2 und Attenkam nahe des Ostufers des Starnberger Sees 22,5°C. Die Sonne schien diesmal nach Süden zu weniger, so dass Bad Kohlgrub (90), Wielenbach (97) und Rosenheim (95) heuer weniger als 100 Stunden hatten, dafür Weihenstephan und Erdinger Moos/Flughafen München mit 120 Stunden am meisten. Beim Niederschlag wurde der Norden und Nordwesten am wenigsten bedacht (Flughafen München und Maisach 25, Altomünster 27mm), wobei auch da Orte zum Teil über 40 mm hatten (Straß bei Erding 43, Oberschleißheim 45 und München-Untermenzing 50 mm). Nach Süden hin wurden es teilweise über 60 mm: Schäftlarn 61 und Holzkirchen 63 mm. 

Im Monatsverlauf ereigneten sich einige markante Wetterlagen:

Am 4.10. stiegen innerhalb von Mittelmeerwarmluft die Maxima in Teilen der Schweiz, im Südwesten Deutschlands und in Vorarlberg bzw. Tirol bis über 25 Grad (auf dem Patscherkofel dabei Föhnsturm mit Spitzen bis 137 km/h):


 
Saint-Maurice
27,3°C
Montreux
27,1
Dornbirn
26,9
Aigle
26,8
Quinten
26,7
Bregenz
26,6
Götzis
26,6
Feldkirch
26,5
Heerbrugg
26,4
Sonthofen
26,3

Am 25.10. sorgte ein Mittelmeertief südlich der Alpen für beachtliche Niederschlagsmengen:


 
Dellach
84,0 mm
Weißensee-Gatschach
73,3
Kötschach-Mauthen
65,3
Loibl
63,1
Villach
62,7
Lienz
53,5
Kolm-Saigurn
50,7

In diesem Zusammenhang kam es zu für Oktober sehr reichlichen Schneefällen im gesamten Alpenraum; Maximale Schneehöhen am 25.10 morgens:


 
Obergurgl
58 cm
Brenner
55
Badgastein
52
Dellach
19
Hermagor
11
Innsbruck
4
Schlehdorf
2

Am 26. wurden in den bayerischen Bergen die größten Schneehöhen gemessen:


 
Obere Firstalm
49 cm
Linderhof
24
Kreuth-Glashütte
18
Oberammergau
10

Am Monatsende schließlich stellte sich eine außerordentlich markante Föhnlage mit Orkan, hohen Temperaturen in Föhnstrichen und extremen Niederschlägen südlich der Alpen ein:

In Badgastein werden 105 km/h, auf der Zugspitze 133 km/h, am Alpinzentrum Rudolfshütte 144, auf dem Gütsch 147 und auf dem Patscherkofel 151 km/h erreicht. Die stärksten Niederschläge gehen im Tessin (Locarno-Monti 83,2 mm), im Gailtal in Kärnten (Kötschach-Mauthen 112,6 mm, Dellach 78,4 mm) nieder. In Bludenz wird es 22,8, in Wielenbach 20,8 und in Benediktbeuern 20,7°C warm.

Da mir die entsprechenden Daten bereits vorliegen, möchte ich auch extreme Niederschläge aus Frankreich kurz präsentieren: Am 3.10. ist zuerst das Gebiet der Cevennen dran (ein im Spätherbst prädestiniertes Gebiet für Starkniederschläge, da hier vom Rhônetal nordwärts strömende, feuchtwarme Luftmassen aus dem Golfe du Lion auf kalte aus Nordwesten treffen): Mont Aigoual 182,7 mm (Monatssumme dort 536 mm). Eine Woche später ist der Raum Roussillon/Midi-Pyrénées betroffen, wiedermit Tageswerten deutlich über 100 mm: Perpignan-Rivesaltes 137,5, Saint-Paul-de-Fenouillet (Pyrénées-Orientales) 141,0, Labastide-Rouairoux (Tarn) 158,5 und Durban-Corbières (Aude) 173,1 mm. Im Nachklang erreicht Perthus (Pyrénées-Orientales) am nächsten Tag noch 127,3 mm. Bei unserer Föhnlage am Monatsende ist dann die Region Alpes-Maritimes und das Zentralmassiv besonders beregnet. Am 30. letztere Gegend mit 150,6 mm in Villefort (Lozère) und 160 mm in Sablières (Ardèche). Am 31. dann der äußerste Südosten: 99,2 mm in Nice/Aéroport, 151,6 mm in Comps-sur-Artuby (Var) und 200,6 mm in Saint-Cézaire-sur-Siagne (Alpes-Maritimes).

Kurioserweise verläuft der Oktober in genau jenen Gegenden in Deutschland sehr trocken, wo es im September besonders nass gewesen ist. So melden Dresden-Strehlen 5 mm, Bertsdorf-Hörnitz und Görlitz 6 und Hoyerswerda 9 mm Gesamtniederschlag. Solche geringen Regenmengen kommen aber immer wieder vor (Dresden etwa 0 mm 1908 und 0 mm auch 1943 in Dresden-Pillnitz oder 0 mm in Görlitzebenfalls 1908 sowie 0,3 mm 1943). Die Niederschlagsgrafik von Görlitz rundet meinen Monatsrückblick ab:


Wolfgang Webersinke, Daxstein, November 2010