Witterungsbericht August 2010

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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In vergleichbarem Maß wie 2006 kippte auch heuer die warme Sommerwitterung vom Juli zum August auf die trüb-feuchte Seite. Nur der Temperatursprung war bei Weitem nicht so groß wie vor vier Jahren. Dafür ergaben sich gebietsweise exorbitante Niederschlagsrekorde.

In Zenting-Daxstein wurde zwar ein nasser August registriert (233,5 mm), der Rekord von 2002 (315 mm) blieb aber völlig ungefährdet. Der gesamte Sommer war dann der acht-nasseste seit 1891 (551 mm bedeuten 142 % bzw. + 163 mm); der feuchteste Sommer überhaupt bleibt 1926 mit 806 mm. Allerdings auffällig waren die 24 Regentage (genauso viele wie 1924 und 1925 und nur einer mehr 1896). Die folgende Grafik illustriert das Ganze:



Eine angenehme Folge dieser anhaltenden Feuchtigkeit war ein ausnehmend ergiebiges Schwammerl-Wachstum im gesamten Bayerischen Wald. Am 30.8. blieb der ganze Tag sehr dunkel und besonders kühl: Eine Tagesmitteltemperatur von nur 6,8°C wurde seit vielen Jahrzehnten im August nicht mehr erreicht (zuletzt am 30.8.1978 6,8 und am 28.8.1969 6,9°C). Am 26.8. konnte man wieder einmal den Alpenbogen beobachten. Nebel lag an 13 Tagen über der Landschaft und an fünf Tagen schien die Sonne gar nicht.

Bei der Betrachtung des ganzen Bayerischen Walds ergeben sich Mitteltemperaturen von 10,6° auf dem Großen Arber über 13,9° in Haidmühle (807 m) und 15,4° in Zwiesel bis hin zu 16,8° (Metten) und 17,0°C (Aldersbach) – alles Werte im Bereich der Norm. Die Tagesmittel des oben erwähnten 30.8. beginnen bei 1,7° (Gr. Arber, mit Schneeregen; 1987 dort oben schon am 7.8. Schneeregen!), Haidmühle hat 6,6, Zwiesel 7,7 und maximal 10,0° in Aldersbach. Am wärmsten war der 22.8. (Aldersbach 30,7° - der einzige heiße Tag). Den größten Tagesniederschlag hatten am 17. der Große Arber (50,8 mm) und Lindberg-Buchenau am 5. (52,3 mm). Die Monatsmenge erreichte in höheren Lagen und im Böhmerwald generell mehr als 200 mm (Hutthurm-Kringell 217,1, Daxstein 233,5, Buchenau 260,3, Lam-Lambach 277,3 und Gr. Arber 344,7 mm), ansonsten blieb sie kleiner (Zwiesel 198,6, Entschenreuth 187,8, Grainet 172,8, Fürstenzell 160,1 und Aldersbach 126,5 mm). Das Sonnenscheinangebot war ziemlich dürftig und begann bei 125,5 Std. auf dem Gr. Arber, reichte über 148,2 Std. in Metten bzw. 170,3 Std. in Aldersbach und ging maximal bis 184,3 Std. in Haidmühle.

In und um München zeigte sich bei der Mitteltemperatur ebenfalls nichts Besonderes: Oberhaching-Laufzorn und Holzkirchen 16,0°, Altomünster 16,6 und München-Stadt 17,6°C. Der wärmste Tag war mit Maxima knapp über 30° entweder der 22. (Eichenried 30,6°) oder der 22.8. (Altomünster 30,3 und München-Stadt 31,2°C). Die Sonne war auch hier recht geizig: Wielenbach 151,5, München 159,6 und Weihenstephan 168,0 Stunden; vor vier Jahren war das noch um Einiges schlimmer (ca. 30 Stunden weniger). Den meisten Regen brachte der 6.8. (Deisenhofen 50,3, Oberschleißheim 51,1 und Kloster Schäftlarn 63,4 mm). Der Monatsniederschlag war überall übernormal: beginnend mit 115,1 mm in Weihenstephan, über 134,6 mm in Altomünster bzw. 170,6 mm in Oberschleißheim bis hin zu Werten über 200 mm südlich von München (Aying/Brauerei 208,2, Attenkam 228,7, Laufzorn 244,7 und 247,5 mm in Holzkirchen).

Zu den Alpen hin wuchsen die Mengen auf über 400 mm an: Linderhof und Hindelang-Unterjoch je 406, Oberstdorf-Birgsau 456, Mindelheimer Hütte 491 und Balderschwang 497 mm (Vorarlberg: Warth 457 mm). In anderen Augustmonaten waren die Monatssummen aber noch höher, nur in Balderschwang (keine durchgehende Reihe!) scheint es keinen regenreicheren August gegeben zu haben (bisher 454 mm im August 1970).

Wenn wir bei den außergewöhnlichen Monatssummen den Blick ausweiten, so gibt es in Deutschland ausgedehntere Gebiete, die die bisherigen Grenzwerte zum Teil sehr deutlich überschritten haben: Greifswald etwa erreicht 500 % des August-Mittels (bei 270,2 mm 2010)! In der Übersicht finden sich Orte mit Augustrekorden und daneben die bisherigen Rekordhalter:



 
2010
alter Wert
Jahr
Bamberg
228
155
1890
Greifswald
270
192
1927
Hannover-Langenhagen
172
167
1924
Lindenberg
214
203
1910
Münster/Stadt
229
198
1924
Hof
189
158
1970
Würzburg
185
162
1938
Arkona
235
210
1960
Lübeck
189
183
1946
Waren
159
139
1961
Angermünde
180
170
1978
Osnabrück
273
195
1954
Bad Salzuflen
204
154
1960
Wahn/Flh.
214
214
1969
Bad Hersfeld
142
126
1931
Chemnitz
235
209
1994


Einige Regengrafiken zeigen, wie am Niederrhein (Beispiel Kleve) die Höchstwerte gerade eben erreicht werden und an Stationen weiter im (Süd-/Nord-)Osten (über Münster bis hin nach Frankfurt/Oder) die heurigen Augustwerte in bisher ungeahnte Höhen schießen:


Im Münsterland wurden örtlich mehr als 300 mm gemessen (Burgsteinfurt 306, Steinfurt 349 mm), derartige Monatsniederschläge sind für die dortigen Regionen über Jahrhunderte hinweg völlig ohne Beispiel. Das Gleiche gilt für die 24-stündigen Mengen des 26.8.2010 an der historischen Luftmassengrenze:


 
Regenmengen des 26.8.2010 in NW-Deutschland
Steinfurt
180,8
Burgsteinfurt
161,7
Ahaus
150,7
Emsdetten
149,1
Lübbecke
143,3
Greven/Flughafen
140,0
Bad Essen-Brockhausen
129,7
Osnabrück
128,1
Ibbenbüren
127,7
Bad Oeynhausen
127,1
Bückeburg
127,1
Westerkappeln
118,1
Bad Bentheim
117,7
Liene-Kattenvenne
116,6
Bad Rothenfelde
116,2
Porta Westfalica
114,6
Espelkamp-Isenstedt
111,9
Barsinghausen-Hohenbostel
109,4
Gronau
106,2
Rinteln
105,5
Bielefeld-Deppendorf
98,8
Bad Salzuflen
95,0
Hannover-Langenhagen
78,8
Petershagen
68,6
Lehrte-Sievershausen
68,1
Braunschweig
64,8

Tagesmengen von mehr als 100 mm sind ebenfalls in den alten deutschen Reihen, die meist Mitte des 19. Jahrhunderts beginnen, noch nicht vorgekommen.

Dass es sich um ein historisches Ereignis handelt, beweisen auch die am gleichen Tag in Süd- und Südwestfrankreich aufgetretenen außergewöhnlich hohen Temperaturmaxima, die weit jenseits der Rekorde für die dritte Augustdekade liegen (die 40-Grad-Marke wurde in Toulouse noch nie so spät erreicht!):


 
Extreme Maxima in Frankreich am 26.8.2010
Toulouse-Blagnac
40,0°C
Toulouse-Francazal
40,1
Mont-de-Marsan
40,3
Albi
40,3
Lher (31)
40,4
Lahors (32)
40,4
Orthez
40,5
Agen
40,6
Savenes
40,6
Mauroux
40,8
Urgons
40,8
Auch
40,8
Ramonzes (32)
40,9
Montauban (82)
41,1

Aber auch andernorts fielen große Tagesmengen:


 
Weitere große Tagesmengen in D
5.
Balderschwang
112,5
Immenstadt-Reute
90,2
Oberstdorf
64,1
6.
Chemnitz
75,1
Lössnitz
72,5
Aue
66,7
7.
Bertsdorf-Hörnitz
101,2
Sebnitz
100,5
Lichtenhain-Mittelndorf
72,4
Niederoderwitz
54,4
8.
Arkona
65,6
12.
Greifswald
51,2
16.
Feldberg/Schwarzwald
51,2
17.
Großer Arber
50,8
30.
Jachenau-Tannern
106,8
Linderhof
77,8
Zugspitze
57,1


 
Große 24-stündige Regenmengen in Österreich
2.
Weitra
96,0 mm
5.
Bregenz
124,4
Dornbirn
106,9
Alberschwende
105,6
6.
Horn/NÖ
79,4
13.
Eisenstadt
72,9
14.
Kötschach-Mauthen
69,9
27.
Loibl
117,5
Hermagor
97,1
30.
Sulzberg/Vorarlb.
70,5
Warth
70,3
31.
Mariazell
71,5

Der ganze Sommer war in Mitteleuropa mehrheitlich feucht, besonders aber im Allgäu und in Vorarlberg. Als Beispiel sei Bregenz angeführt (auch Oy-Mittelberg 1001 mm), das zum ersten Mal in seiner Beobachtungsgeschichte auch die 1000-mm-Marke überschritten hat (genau 1004 mm):



Dass bei so viel Niederschlag die Sonne ein „Schattendasein“ führte, verwundert nicht. An einigen Orten Norddeutschlands wurde es daher der trübste August der Messreihe: Magdeburg 124 Stunden (bisher 135 Stunden, 1915); Leipzig-Schkeuditz 127 Stunden (bisher 128 Std. 1920), Hannover 122 Stunden (bisher 133 Stunden 1960).Da aber diese Stationen alle keine durchgehenden Werte besitzen, habe ich als Grafik Hamburg gewählt, obwohl dort der August 1923 unangetastet Rekordhalter bleibt (106,5 Std.):

Ich schließe diesen sehr arbeitsintensiven Bericht mit einem herzlichen Dank an Jörg Wichmann, der mich immer so tatkräftig unterstützt.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Markt Schwaben, September 2010