Witterungsbericht Juli 2010

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Ein außergewöhnlicher Sommermonat, der aber durch die kühlen Tage ab dem 23.7. keine absoluten Rekorde zuließ. Außerdem war er deutlich zu sonnig und bei großen regionalen Unterschieden zu nass.

In Zenting-Daxstein war es ähnlich: mit 18,4°C Durchschnittstemperatur wurde es der fünft-wärmste Juli seit 1891 (1994 mit großem Abstand (20,5°) am wärmsten, danach 1983, 2006 und 1995). Die seit dem 23. Juni überdurchschnittlich warmen Tagestemperaturen hielten ohne Unterbrechung bis zum 22. Juli an (mit der Spitzenabweichung von + 9,0 K am 11.7.2010; danach war es dann dauernd zu kühl (bis zum 9.8.). Die langen gleich lautenden Temperaturabweichungen sind ein Hauptkennzeichen des laufenden Jahres! In drei Nächten fielen die Minima nicht unter 20,0°C (am 12., 15. und 22.7.).

Beim Niederschlag auch eine Zweiteilung: bis zum 15.7. gab es lediglich 13,6 mm Regen, anschließend fiel der Hauptteil des Niederschlags (allein in der dritten Dekade 117,4 mm). Herausragend der 17.7. mit 70,7 mm (der Regen begann um 21.30 Uhr und endete am 18.7. gegen 4.00 Uhr, anfänglich mit Gewitter). In der 1895 beginnenden Niederschlagsreihe für Daxstein liegt dieser Wert für Juli an 7. Stelle (maximal 129,3 mm am 22.7.1944 und 103,3 mm am 6.7.1966). Dieser Starkregen beschränkte sein Maximum auf die Gebiete des südöstlichen Bayerischen Waldes mit Schwerpunkt im Raum Fürstenzell (101,1 mm, davon 80,8 mm innerhalb einer Stunde!); mehr als 50 mm hatten noch Eging am See-Burgstall (66,7), Saldenburg-Entschenreuth (74,7) und außerdem Kirchberg im Wald (81,2 mm). Die Monatssumme in Daxstein erreichte 219,1 mm und damit war es der 15.nasseste Juli seit 1901.

Nebel trat an 6 Tagen auf, Gewitter an 8 Tagen, ohne dass diese besonders stark gewesen wären. Alpensicht gab es jahreszeitgemäß nicht.

Wir sind schon beim „Bayerwald-Donau-Rundblick“: Die Tagesmitteltemperaturen erreichten im Donautal so gerade 20° (Metten 20,1 [1994 hier 21,2°C] und Aldersbach 20,2°C) und gingen mit der Höhe zurück: Zwiesel 18,7, Haidmühle 16,4 und Großer Arber 14,2°C (1994 hier 15,9°C). Neben dem erwähnten 17.7. sorgten kräftige Schauer auch am 5. (Sonnen 53,3 mm) sowie am 23.7. für hohe Tagesniederschläge (Untergriesbach-Glotzing 44,4 und Daxstein 42,5 mm). Im nördlichen Bayerischen Wald blieben die Monatssummen unter 100 mm (Schorndorf-Knöbling 62,9, Weiding, Kr. Cham 68,7 und Neukirchen bei Heilig Blut 95,0 mm), nach Süden zu übertrafen sie die 200-mm-Marke: Fürstenzell 203,8, Daxstein 219,1, Kirchberg im Wald 223,4 und Sonnen 226,6 mm, wobei die unmittelbare Donau-Region trockener war (z.B. Metten 109,4 mm). Die Sonne zeigte sich meist generös und schien 229 (Gr. Arber) bis 296 Stunden (Fürstenzell), Haidmühle lag mit 252 Stunden etwa in der Mitte.

Im Raum München bewegten sich die Mitteltemperaturen zwischen 20,7° in München/Stadt (bei einem mittleren Maximum von 26,4°) und 18,8°C in Oberhaching-Laufzorn (18,9° in Holzkirchen). Die 19 Sommertage und 9 heißen Tage in München liegen am oberen Rand des Möglichen, wie die Grafik seit 1781 zeigt:



Maximal waren es 26 Sommertage und 13 heiße Tage (2006).

Die Sonnenscheindauer variierte zwischen 230 Stunden in Bad Kohlgrub und 308 Stunden in Weihenstephan (mehr als 300 Stunden auch auf dem Flughafen Erdinger Moos). Die normale Niederschlagsverteilung zwischen nördlichem und südlichem Alpenvorland blieb gewahrt: unter 100 mm Monatssumme im Norden (Weihenstephan 93,1, Scheyern 95,7 und 98,9 mm in Fahrenzhausen) und mehr als 200 mm südlich von München (Aying 210,2, Rosenheim 235,4, Linderhof 258,9 und Waakirchen-Demmelberg 286,7 mm) und mit Spitzenwerten bis nahe 400 mm in den Alpen selbst: Jachenau-Tannern 322,1 und Obere Firstalm in den Schlierseer Bergen 390,7 mm. An 4 Tagen überstiegen die Tagesniederschlagsmengen die 50-mm-Marke: am 17. Kreuth-Glashütte 86,7 mm; am 22. (Großberghofen 57,3 mm); am 23. Obere Firstalm 88,9 mm und am 24. ebendort 65,5 mm. Am 16. kam es in Pischetsried am Starnberger See zu einem großen Hagelunwetter, bei dem die Schloßen einen Durchmesser von bis zu 9 cm hatten: zerschossene Autofrontscheiben und verletzte Kühe waren die Folge.

Während der gut dreiwöchigen Hitzewelle wurden an einigen Stationen Höchsttemperaturen erreicht, wie sie nur ganz selten im Juli vorkommen: Im Norden von Berlin wurden am 11. sogar neue Allzeitrekorde aufgestellt (Berlin-Buch 38,2°C, bisher 38,1°C am 9.8.1992, bei einer seit 1889 geführten Messreihe (!), Berlin-Tegel 37,7°C, bisher 37,6°C am 9.8.1992 [seit 1963]). Private Stationen registrierten bis zu 39,7°C (Berlin-Eiskeller) bzw. 40,1°C (Berlin-Tegeler Forst). Immerhin noch zum absoluten Julihöchstwert reichte es außerdem in Trier-Petrisberg mit 38,3°C am 10.7.2010 sowie in Marnitz mit 36,3°C (bisher 36,2° am 10.7.1959).

Von den Mitteltemperaturen her kamen nur im Norden eine Reihe von Orten etwa bis auf 1 Kelvin an die bislang höchsten Werte (meist 2006) heran. Beispielhaft sei Bremen genommen: 2010 = 21,1°C, Rekord 22,0°C (2006). Daher hier die entsprechende Grafik:



Bei den Niederschlägen gab es nur im Norden bedeutende Defizite: Putbus auf Rügen 8,7 oder Hohwacht/SH 8,8 mm (jeweils nur 12 % des Mittels), Neuruppin 9,4 mm (19 %) und Boizenburg 9,6 mm (14 %). In der bearbeiteten Reihe von Putbus ist der heurige Juliwert (nach 1994) der zweit-kleinste in den seit 1851 vorliegenden Beobachtungen. Auch die Julimonate 1983, 2006 und 2008 fielen auf der Insel Rügen äußerst trocken aus. Ein Dank geht an Jörg Wichmann für die Ergänzung der zahlreichen Datenlücken (automatische Station seit 1991!) sowie die Anfertigung der nachfolgenden Grafik:

In Lübeck hat sich heuer mit 11 mm der dritt-niedrigste Wert der 1891 beginnenden Reihe eingestellt (nach 1983 mit 3 und 1988 mit 10 mm); auch hier wird die Niederschlagsgrafik gezeigt:



An den Alpen, vorzugsweise im Allgäu regnete es dagegen oft, lang und ausgiebig, wie die 425,3 mm von Oy-Mittelberg-Petersthal beweisen (205 % der Norm). Aber auch Vorarlberg steht kaum hintan: Bregenz 375 mm (208 %) oder Alberschwende 387 mm. 

An zahlreichen Tagen kam es zu (gewittrigen) Starkniederschlägen:


 
Hohe Tagesniederschlagsmengen im Juli 2010
4.
Stuttgart-Weilimdorf
102,3 mm
Oy-Mittelberg-Petersthal
95,6
Zeutsch/Th
69,9
Schesslitz-Köttesdorf
65,9
Vaihingen/Enz
64,0
Leonberg
62,0
5.
Brunftbergtiefe/BGL
63,4
Jenner
62,9
Berchtesgaden
54,4
Sonnen/FRG
53,3
10.
Freiamt-Glasig
58,8
12.
Kl. Inselsberg
68,5
Dederstedt
58,8
16.
Löningen/Emsland
61,3
Falkenberg/Ndb.
59,6
17.
Halblech-Trauchgau
103,2
Fürstenzell
101,1
Schwangau-Horn
97,9
Oy-Mittelberg-Petersthal
97,6
Kreuth-Glashütte
86,7
Kirchberg im Wald
81,2
Görlitz/MM
76,4
Saldenburg-Entschenreuth
74,7
Görlitz/DWD
65,8
Ried im Innkreis
65,8
22.
Rübenau/Marienberg/Erzgeb.
97,6
Landsberg/Lech
68,4
Frankenberg-Altenhain
64,2
23.
Freienbessingen/Kyffhäuser
116,1
Plauen
114,1
Oberstaufen-Thalkirchdorf
99,2
Oberstaufen
96,2
Obere Firstalm
88,9
Carlsfeld
76,8
Schmücke
72,7
Henschtal/RP
69,1
Bamberg
55,6
24.
Kreuth-Glashütte
83,0
Aschau-Stein
71,1
26.
Oberreute
114,8
Sigmarszell-Zeisertsweiler
113,0
Neustadt b. Coburg
97,1
Weiler-Simmerberg
85,9
Oberstaufen
61,2

Für Bamberg bedeutet es sogar die größte 24-stündige Menge im Juli seit mindestens 1879 (ganz knapp vor dem 1.7.1958 mit 55,2 mm).


Wolfgang Webersinke, Daxstein, August 2010