Witterungsbericht Januar 2010

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Nach mehreren Jahren verdiente der zweite Wintermonat seinen Namen wieder einmal zu Recht, denn er war oft deutlich zu kalt, schneereich und eher sonnenscheinarm.
 
In Zenting-Daxstein verlief der Neujahrstag noch mild, neblig und niederschlagsfrei. Die Dezemberschneedecke war völlig abgetaut. Nach Mitternacht am 2.1 begann es erst kurz zu regnen, dann fiel Schnee und dabei blieb es den ganzen Januar, die flüssige Niederschlagsphase kam nicht mehr vor. Ebenso trat Dauerfrost ein, der erst am 17.1. wieder wich. Die Schneefälle erwiesen sich zunächst als wenig ergiebig, das Meiste waren 9 cm Neuschnee am 11. Mit der Milderung am 17. setzten dann stärkere Schneefälle ein (Wasserwert in Metten 21,6, Daxstein 22,4, Zwiesel 23,4 und Zwieslerwaldhaus 27,3 mm), so dass endlich überall Wintersport möglich wurde. Am 20. nachmittags setzte erneut Dauerfrost ein, der dann bis zum 4.2. anhielt. Am 25. mittags begann dann wieder eine sehr schneereiche Phase mit insgesamt 77 cm Neuschnee bis zum Monatsende; dabei sorgte der 29.1. mit 30 cm Neuschnee für den größten Zuwachs (Wasserwert Zwieslerwaldhaus 22,0 und Daxstein 28,1 mm). Eine kurze grafische Übersicht über die Januar-Neuschneemengen seit 1985 sei angefügt:


Die 138 cm von heuer liegen deutlich über dem langjährigen Mittel. Innerhalb der niederschlagsreichen Periode gab es eine einzige klare Nacht (zum 27.) und sofort sanken die Temperaturen stark ab: Saldenburg-Entschenreuth – 18,8°, Metten – 19,4, Zwiesel – 20,6°C (dort 5 cm über der Schneedecke sogar – 27,2°C) und – 27,5°C in Haidmühle. Auffällig  in diesem Winter ist die vorherrschende trübe Witterung, so dass kaum tiefe Minima auftreten können.

In der Bilanz ergab sich der kälteste Januar seit 1987 – was aber angesichts der vielen milden Winter seither auch nicht besonders viel heißen will. Die Monatsmitteltemperaturen schwankten zwischen – 2,9° (Metten: 0,3 K zu kalt) und – 6,4°C (Haidmühle), dazwischen liegen Grainet-Rehberg mit – 4,7°(1,6 K zu kalt) und Zwiesel mit – 4,8°C (Daxstein – 4,5°). In der Reihe von Daxstein gab es vor 1987 sage und schreibe 24 noch kältere Januarmonate (bis 1891 zurück; am kältesten 1942 mit – 9,5°C). 

Der Monatsniederschlag erreichte nur in Ausnahmefällen (Staulagen) 100 mm oder mehr: Spiegelau-Althütte 100 (87 % des Mittels), Zwieslerwaldhaus 109 (92 % des Mittels) und Daxstein 119 mm. Die Sonne machte sich eher rar, es waren 22,4 (36 % des Mittels in Haidmühle) bzw. 29,6 (Metten) bis 45,8 Stunden (Grainet-Rehberg), Zwiesel hatte 36,7 und Entschenreuth 43,6 Stunden (84 % des Mittels). 

Bezeichnend für den diesjährigen Witterungsverlauf ist die anhaltende, aber keineswegs extreme Kälte, denn 1987 war es zuletzt um Einiges kälter. Dennoch gab es Stationen, die den ganzen Monat nicht über 0 Grad kamen, z.B. die Schmücke (937 m über NN). Pikanterweise hatten diverse Vorhersagezentren (in England, der Schweiz, aber auch der DWD) aber einen zu milden Winter prognostiziert. Bereits am 6. ging es unter die – 20-Grad-Marke: Olbersleben – 21,4 und Querfurt – 22,1°C. Am 8.1. meldete Melun in Frankreich (Seine-et-Marne) – 17,5° (damit kälter als 1987), am 11. noch kälter: Champagnole (537 m) – 19, Barcelonnette (Alpes-du-Haute-Provence, 1155 m) – 19,1° und Source-du-Doubs (940 m) – 20°C. Flächendeckender als sehr kalt erwies sich der 27.1.:


 
Gars am Kamp/NÖ
"- 27,6°C
Haidmühle
"-27,5
Raabs/Thaya
"-24,8
Mähring/Oberpfalz
"-24,8
Morgenröthe-Rautenkranz
"-24,6
Bad Muskau
"-24,3
Deutschneudorf
"-24,0
Straubing
"-23,3
Oberndorf-Melk
"-23,3
Klausen-Leopoldsdorf
"-23,1

Nördlich der Alpen kam es häufig zu meist leichteren Schneefällen, so dass in der Nordschweiz, etwa in Zürich, an 16 Tagen Neuschneefälle auftraten, was den Rekord seit 1931 bedeutet. Zum Teil reichte es aber doch zu beträchtlichen Schneedecken:

7.1. in Aleçon 23, am 8. in Chartres 17, am 10. in Saint-Etienne 22 und am 13. in Pontarlier 23 cm sowie am 26. in Retz/Weinviertel 29 cm (Rekord 35 cm am 6.3.1965).

Noch ein kurzes Wort zum katastrophalen Vorhersagedesaster anlässlich von Daisy (6. bis 11.1.) im Raum Bayern – Österreich: Trotz aller Unwetterwarnungen (auch von der Zentralanstalt in Österreich!) fiel nur wenig Schnee und die – sträflich vernachlässigte - Grundregel für Oberbayern lautete immer schon: kommt starker Wind aus Südwest bis West, bleiben starke Niederschläge unter Garantie aus. Dafür war die DWD-Internetseite (nun schon zu wiederholten Malen!) einen ganzen Tag nur auf „Schmalspur“ geschaltet. Ich kenne sonst keinen Wetterdienst (zumal die kleineren, wie Österreich oder die Schweiz, aber auch keinen größeren, wie etwa Frankreich), der zu so einer Maßnahme greift und einen offensichtlich so wenig belastbaren Internetauftritt sein Eigen nennt. Wenigstens  in Mecklenburg-Vorpommern stimmte die Vorhersage mit Schneeverwehungen und Böen bis 122 km/h (Rügen) bzw. 93 km/h (Stralsund). Die Katastrophe von 1978/79 wurde aber auch nicht in Ansätzen erreicht, schon weil nördlich davon die extreme Kaltluft fehlte.

Bei der Sonnenscheindauer ergaben sich vor allem von Bremen/Niedersachsen ins mittlere Deutschland bis in die nördliche Hälfte Bayerns hinein große Defizite: Bremen 16,1 Stunden (Februarrekord seit mindestens 1913), Würzburg 9,2, Nürnberg 8,8, Bamberg 6,6 und Feuchtwangen-Heilbronn nur 3,5 Stunden. Die Grafiken von Bamberg und Nürnberg folgen:



2010 steht demnach bei Bamberg an erster, in Nürnberg an dritter Stelle der sonnenscheinarmen Januarmonate. In Nürnberg wurden die Sonnenstunden für 1879 bis 1900 anhand halbstündlicher Beobachtungen (so etwas gab es damals!) hochgerechnet, was wahrscheinlich sinnvoller ist als heute so manchmal gemessener Automatenunsinn.

A propos Automatenunsinn: in diesem Winter fallen mir besonders oft völlig falsche Automatenniederschlagsmessungen auf (sie zeigen sich als Punkte großer Niederschlagsmengen inmitten niederschlagsfreier Gebiete etwa auf der Niederschlagskarte des DWD); notorisch im Januar wurden in dieser Hinsicht Rotenburg/Wümme (Monatsanfang), Lieberose (5.), Stützengrün-Hundshübel (14./15.), Ahrensfelde (20./21.) und Bitburg (besonders hartnäckig falsch ab 22.). Dazu kommen dann noch die Schneehöhen-Messungen der Automaten, wo es ohne jeglichen Niederschlag Erhöhungen oder willkürliche Abnahmen gibt. Und weil wir schon beim Kritisieren sind: heute, am 15.2., warte ich immer noch auf die Internet-Version des Witterungsreports. Eigentlich war diese Variante als schnelle Alternative zur gedruckten Ausgabe gedacht, doch die Verspätungen werden auch hier zum System.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Februar 2010