Witterungsbericht Juli 2009

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der Juli war beinahe eine Kopie des Juni: sehr unbeständig, viele Starkniederschläge, dabei trotzdem relativ viel Sonne und Temperaturen, die letztlich über dem Durchschnitt lagen.

Ähnlich war es in Zenting-Daxstein, wo es den 14. nassesten Juli der Stationsgeschichte gab (seit 1876 schwankten die Monatsextreme zwischen 9 mm, 1983, und 387 mm, 1926), der letzte noch nassere Juli wurde vor zwei Jahren registriert (246 mm). Der Landregen vom 18.7. brachte 61,1 mm (genau so viel 1948 am selben Tag!); maximal regnete es an einem Juli-Tag hier aber schon bis zu 129,3 mm (am 22.7.1944). Drei Mal hagelte es (am 8., 9. und 23., wobei der Hageldurchmesser am letztgenannten Tag bis zu 1,5 cm erreichte). 10 Gewittertage sind vier mehr als normal, am 19. kam es zu Alpensicht, an fünf Tagen zog Nebel auf.

Auffallend beim Temperaturverlauf war die Hitzespitze am 23.7. im Südosten Bayerns und im angrenzenden Österreich, wo zum Teil sogar Rekordwerte erreicht wurden, wie die folgende Übersicht zeigt:



 
Hohe Temp.maxima in Österreich am 23.7.
Waidhofen/Ybbs
37,9°C
Bad Goisern
37,3
Weyer
36,9
Salzburg-Freisaal
36,9
Gmunden
36,8
Bad Aussee
36,7
Golling
36,7
Salzburg-Flughafen
36,6
Bad Ischl
36,5
St. Wolfgang
36,1
Zell am See
35,1
Kremsmünster
34,9


Die fettgedruckten Zahlen bedeuten den absoluten Höchstwert in der Stationsgeschichte. Am selben Tag befand sich von der Nordschweiz bis ins südliche Bayern Saharasand in der Luft, der bei den ersten Niederschlägen dann ausgewaschen wurde (an meinem Auto auch deutlich sichtbar). Die Hitze wurde zum Teil von heftigen Hagelgewittern abgelöst, vor allem in der Nordschweiz, während in Südbayern und Oberösterreich Orkanböen wirksam wurden (Zwerndorf 130 km/h, Langenlebarn 137 km/h). Unsere Hitze war aber nur ein Abklatsch dessen, was in Korsika gemessen wurde: Ajaccio 40,2, Figari 43,0 und Sartène 43,4°C! Das Gegenstück dazu war ein kurzer Polarlufteinbruch in den Nordalpen am 18. (Ramsau 0,9 und Rauris/Salzburger Land 1,7°C) mit Schneefällen bis unter 1500 Meter. Dies führt uns zu den zahlreichen großen Tagesniederschlagsmengen im Berichtsgebiet, die in der nachfolgenden Übersicht zusammengestellt sind (sicherlich ohne 100%ige Vollständigkeit):

 
Hohe Tagesmengen des Niederschlags
1.
Berlin-Grünau
81,0 mm
in 75 Minuten
Schmöckwitz
70
in 84 Minuten
Münster/Markgräflerland
68,2
in 65 Minuten
Sohland/Spree
66,1
in 3 Stunden
Coschen
57,1
in 1 Stunde
2.
Schlieben/SA
99 ?
in 1 Stunde
Bad Kohlgrub
94,8
88 mm in 2 Stunden
Aschau-Stein
94,2
Rathmannsdorf
52
51 mm in 1 Stunde
3. 
Friedrichsthal/Saarland
88
53 mm in 1 Stunde
Sigmaringen-Laiz
72,6
66 mm in 1 Stunde
Neunkirchen/Saarland
69
Bad Feilnbach
68,7
Kierspe/NRW
65
Neubulach-Oberhaugstett
60,7
Steinweiler/Rlp
56,8
Arnstein/Ufr.
56
4.
Slubice/POL
121,5
Frankfurt/Oder (DWD)
100
Frankfurt/Oder (MM)
97,3
Feldberg/Mecklenbg.
92,8
Heckelberg
86,2
Eberswalde
60,2
5.
Steinbeißen/DGF
88,1
Albstadt-Lautlingen
50,1
6.
Seibersdorf/NÖ
101,1
72 mm in 30 Minuten
St. Pölten
72,1
Berndorf
61
Mönichkirchen
53,8
Lilienfeld
51,2
Wien-Schwechat
50
13.
Germersheim
53,2
14.
Wutöschingen-Ofteringen
59,3
Singen
54,4
Freiburg/Flh.
54,1
Lörrach
53
17.
Borgnone/CH
184,2
Intragna/CH
169
Mosogno/CH
157
Locarno-Monti
106,4
Lugano
105,5
Dornbirn/Vorarlberg
77,1
Brand
74,5
Alberschwende
72,4
Bregenz
71,9
Insel Mainau
69,4
Feldkirch
68,3
Sigmarszell-Zeisertsweiler
68,0
Konstanz/Wewa
67,3
Kyritz
64,2
Kressbronn
62,9
Konstanz-Südkurier
62,5
Drewitz
60,6
Friedrichshafen
60,2
Oberreutte
59,9
Jessen
59,3
Köthen
54,9
Grünow
52
18.
Hutthurm-Kringell
75,0
Obere Firstalm/Schliersee
70,0
Schöckl b. Graz
63,9
Spitzingsee
61,5
Daxstein
61,1
Saldenburg-Entschenreuth
57,7
Aschau-Stein
57,1
Graz-Uni
56,6
Fischbach
56,2
Gr. Arber
55,6
Rudolfshütte/Salzbg.
55,5
Lunz am See
54,6
Otterfing
53,1
Zugspitze
53,0
Kapfenberg
52,8
Sylvenstein
52,7
Markt Schellenberg
52,6
Kreuth-Glashütte
51,9
Kochel-Einsiedl
50,0
22.
Eggebek
60,3
Tarp
57,9
Groß Beißen/Emsland
52,8
23.
Bad Hersfeld
52,0
24.
Warth
51,5
30.
Neumarkt/A
56,6

Die 100 mm respektive 97 mm von Frankfurt/Oder (4.7.) sind im Juli bislang nicht vorgekommen (bisher: 94,0 mm am 12.7.1855), wohl aber deutlich übertroffen worden am legendären 8.8.1978 (153,3 mm). 

Vor allem in Nord- und Ostösterreich wurde, (ausgehend von den RR-Monatssummen) von einem ausnehmend nassen Sommer gesprochen (St. Pölten z.B. 208 mm, = 244 % des Mittels), aber auch aus Lugano wurde die höchste Julisumme des Niederschlags seit mindestens 1861 gemeldet:



Wie erinnerlich erschien diese Grafik auch im Bericht des Vorjahres, ohne das Wissen, dass heuer schon wieder ein feuchter Juli eingetreten ist. In Deutschland gab es nirgends Extremwerte des Monatsniederschlags, beispielsweise maß Kleve heuer 160,8 mm (1888 aber schon 210 mm) oder Frankfurt/Oder 168,5 mm (178 mm schon 1855 und 1957). 

Die Monatssummen waren auch auf engem Raum recht unterschiedlich, aber das ist für einen Sommermonat in Mitteleuropa nicht ungewöhnlich (Berlin-Schönefeld etwa nur 37,7 mm, dagegen in Frankfurt/Oder 169 mm).

Wolfgang Webersinke, August 2009