Witterungsbericht April 2009

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Nach nur zwei Jahren erklomm der April erneut kaum zu vermutende Rekorde hinsichtlich Wärme, Trockenheit und Sonnenscheins; deutschlandweit erreichte er „nur“ die höchste Mitteltemperatur seit 1901.

In Zenting-Daxstein war der April noch einmal um 0,3 K wärmer als der von 2007 (12,0° gegen 11,7°C) und diesmal reichte es nicht einmal mehr zu Bodenfrost, wiewohl die 20-Grad-Marke nicht geknackt wurde. Vom 1. bis 15.4. wurde eine Mitteltemperatur von 12,9°C gemessen, was 8,4 K über den täglichen Werten dieser Zeit liegt. Damit war die erste Aprilhälfte so warm wie normalerweise die erste Junidekade (13,2°). Beim Dauerniederschlag, der frühmorgens am 17.4. begann und 31 Stunden lang anhielt (Ende 18.4. 12.30 Uhr MESZ) fielen insgesamt 76,0 mm Regen. Alpensicht gab es keine, dafür noch 4 Nebeltage. Am 5. entlud sich nachmittags ein leichtes Ferngewitter und am 16. kündete nach 22 Uhr im Nordwesten Wetterleuchten von einem fernen Gewitter. Die letzte Winterschneedecke am Monatsanfang (1. 40 cm  durchbrochen) zerfiel rasch: am 3. waren noch Flecken, die ab dem 6. in Reste übergingen und die am 11. ebenfalls verschwunden waren.

Von der Mitteltemperatur her ergab sich nur in den nördlichen und östlichen Bundesländern klar der wärmste je gemessene April (in Mecklenburg-Vorpommern,  Berlin und Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen). Aber selbst da lassen sich Gebiete finden, wo 2007 wärmer war: z.B. Arkona (2007 8,2, heuer 7,7°), Westermarkelsdorf (2007 9,4, heuer 9,1°) oder Norderney (2007 11,0, heuer 10,4°C); also Inseln, die in diesem Jahr wohl stärker dem kühlenden Seewind ausgesetzt waren. Je weiter man Richtung Südwesten vorankommt, desto häufiger geriet der 2009er ins Hintertreffen und generell gilt dies für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und den südlichen Teil  Hessens (z.B. Geisenheim/Rheingau 14,0 heuer gegen 14,2° 2007 oder Konstanz 12,5 gegen 14,2° 2007). Es sieht fast so aus, als hätte 2009 genau da geschwächelt, wo 2007 besonders stark gewesen war (im Südwesten), für den Nordosten war es genau andersherum. Als Beispiele für die herausragende Wärme habe ich den Fichtelberg im Erzgebirge und Bremen ausgewählt:



Bei der Sonnenscheindauer konnte nur die Nordosthälfte Deutschlands die alten Rekordmarken überbieten: Ostsachsen, große Teile Brandenburgs mit Berlin, Mecklenburg-Vorpommern sowie Hamburg und Bremen: Lindenberg hatte praktisch genau so viele Stunden wie 1953 (289), folgende Orte dagegen klar das absolute Maximum im April:

  • Bremen                        268,2 Stunden
  • Dresden-Klotzsche                   278,5
  • Hamburg-Fuhlsbüttel                 268,0
  • Potsdam                                  288,3
  • Warnemünde                            308,2
  • Putbus                                     323,2
  • Grambow-Schwennenz  342,2

Zur Illustration folgen die Grafiken von Berlin, Hamburg und Dresden:



Bei der Niederschlagsmenge dürften wohl nur im Raum Berlin/Brandenburg einige alte Rekorde auf der Strecke geblieben sein: sicher gilt dies für Berlin-Buch, wo 0,6 mm das minimalste seit  mindestens 1889 bedeuten (bisher 1 mm 1893 und 2 mm 1988) sowie für Teterow (1,1 mm, dort 1893 2 mm). Teterow war eine der ersten Stationen, die vom DWD automatisiert wurden, somit gleicht diese Reihe seit 1997 eher einem Schweizer Käse …In Görlitz wurde das absolute Minimum von 2007 (2,0 mm) mit 2,7 mm beinahe wieder erreicht, weshalb hier nun die Grafik dieser Station folgen soll:


In Österreich gab es im Waldviertel (Zwettl 1 mm) und in Niederösterreich (Langenlebarn 1 mm) ebenfalls zum Teil sehr geringe Monatswerte.

Besonders feuchte Gegenden im April 2009 waren einmal die Gebirge vom Fichtelgebirge  bis zum Bayerischen Wald (Plauen 86,6 mm, Fichtelberg-Hüttstadl 89,3 mm, Prackenbach-Neuhäusel 101,1 mm, Schirnding 112,2, Daxstein 115,4 und Großer Arber 137,3 mm) sowie der Raum Köln/Bonn (Bonn/Met. Institut 91, Bonn-Roleber 82,1 mm), so dass dort zum Teil die Sollwerte überschritten wurden.

Im Schnitt also ein außergewöhnlicher Monat, aber mit nicht so gravierenden Auswirkungen wie 2007, da die Feuchtigkeit des Winters heuer wesentlich großzügiger wirkte.

Wolfgang Webersinke, Daxstein im Mai 2009