Witterungsbericht Januar 2009

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der vergangene Monat bot ein Witterungsbild, das schon fast aus unserem Gedächtnis verschwunden war: winterlich kalt und deutlich zu trocken und dabei sonnenscheinreich das letzte Attribut allerdings auch ein Merkmal der milden Wintermonate der Jahre 1988 bis 2008.

In Zenting-Daxstein war die Niederschlags- und Schneearmut das Hauptkennzeichen: 22,9 mm Gesamtniederschlag sind seit 1876 nur in 5 Januarmonaten noch unterboten worden: 1885 (17 mm), 1972 (14 mm), 1997 (10,6 mm), 1894 (5 mm) und 1887 (3 mm). Und 16 cm Neuschnee sind extrem kümmerlich (die Loipen konnten überhaupt nicht gespurt werden!); in den letzten 50 Jahren gab es nur in zwei Jahren noch weniger Neuschnee: 1990 13 cm und 2001 11 cm (1970 ebenso viel: 16 cm). Die Höhe der Schneedecke variierte nur zwischen 12 und 17 cm. Folgende Monatssummen des Niederschlags wurden in der näheren Umgebung gemessen:


 
Daxstein
22,9 mm
Zwiesel
20,8
Untergriesbach-Schaibing
20,6
Haidmühle
19,7
Eging-Burgstall
14,7
Fürstenzell
14,6
Kringell
11,2

Die Mitteltemperatur lag immerhin fast 1 K unter der Norm, so dass der kälteste Januar seit 1987 registriert werden konnte (damals allerdings 6,6°C!). Die erste Monatshälfte war dabei deutlich kälter als die zweite. Alpensicht herrschte an 10 Tagen, Nebel an 13 Tagen. Auffällig die hohe Zahl an heiteren Tagen (10), die zu einer überdurchschnittlichen Sonnenscheindauer führte: Zwiesel 106,6 und Haidmühle  95,3 Stunden; in der langen Reihe von Finsterau (durchaus mit Haidmühle vergleichbar) rangiert allerdings der sonnige Januar 1989 weit vorne (133 Stunden).

Wahrscheinlich, weil viele Menschen die Kälte nicht mehr gewohnt waren, wurden die Tiefstwerte vom 6. und 7. Januar dieses Jahres als extrem bewertet, was sie aber nicht sind, denn an keiner Säkularstation wurden alte Rekordwerte erreicht oder unterboten. In Lindenberg in Brandenburg etwa sank die Temperatur am 7.1. bis 20,2°, der absolute Januarrekord steht aber weiterhin bei 23,6°C am 12.1.1940. Ebenfalls ungewohnt war die Dauer der kalten Witterung: immerhin vom 6. bis einschließlich 13.1. sank jede Nacht irgendwo in Deutschland die Temperatur unter 20 Grad. Nun aber die Übersicht über die besonders tiefen Minima im heurigen Januar:


 
Tiefsttemperaturen
6.
Oschatz
"- 26,2°C
Delitzsch
"- 26,0
Lübben-Blumenfelde
"- 25,0
7.
Oderwitz
"- 29,1
Wyhra b. Borna
"- 28,5
Dippoldiswalde-Reinberg
"- 27,7
Sohland/Spree
"- 27,5
Köthen/Anhalt
"- 26,5
Klitzschen b. Torgau
"- 26,6
Lippstadt-Bökenförde
"- 26,5
Tegkwitz
"- 26,2
Holzdorf
"- 25,2

Der DWD meldet in seiner Monatsübersicht Für zahlreiche Stationen war es der sonnenscheinreichste Januar seit Beginn der Messungen. Abgesehen davon, dass eine solche Aussage ohne Angabe des jeweiligen Messzeitraumes wenig sinnvoll ist, stimmt sie in ihrer Generalisierung ebenfalls nicht. Lediglich im Westen und Südwesten der Republik war dies teilweise der Fall. Nach meinen Unterlagen haben Essen, Aachen und Rheinstetten (wenn man diesen Ort als Fortsetzung der Sonnenscheinreihe von Karlsruhe ansehen möchte, was für diesen Parameter angehen mag) die bisherigen Bestmarken überschritten, wie auch die folgenden Grafiken zeigen:



Essen  registrierte heuer 109,9, Aachen 126,0 und Rheinstetten 94,7 Stunden. In Freiburg im Breisgau waren es 99 Stunden und damit ebenso viel wie 1957 (Werte ab 1933), Stuttgart-Echterdingen 119,6 Stunden (vor 3 Jahren  hier allerdings 122,8 Stunden; Werte ab 1893), Frankfurt am Main 95,2 Stunden (1954 98,5 Stunden; Werte ab 1908).

Zum Schluss noch einen Blick nach Frankreich, was man mir als frankophilen Menschen verzeihen möge. Am Morgen des 7. Januar hatte es in Teilen Südfrankreichs ergiebig geschneit, so dass in Marseille-Observatoire 15 und am Flughafen Marignane 29 cm Schnee lagen. Das Sturmtief Klaus betraf dann am 24.1. ein relativ schmales Gebiet vom Bordelais über die Pyrenäen bis zum Mittelmeer. Dort waren aber die Orkanböen so stark wie noch nie zuvor: Bordeaux 160 km/h (1999 im Dezember dort die bisher stärkste Bö mit 144km/h), St Paul de Fenouillet 173 km/h,  Cap Ferret 160 km/h, Perpignan-Rivesalte 183 km/h (bei dieser Höchstgeschwindigkeit wurde allerdings das Messgerät zerstört!). Dass dabei große Zerstörungen angerichtet wurden, wundert nicht.

Wolfgang Webersinke/Daxstein, 14.2.2009