Witterungsbericht September 2008

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der erste Herbstmonat war heuer insofern bemerkenswert, als zum ersten Mal seit dem November des vorigen Jahres eine unternormale Mitteltemperatur zustande kam. Dabei zerfiel der Monat in zwei völlig unterschiedliche Hälften: bis zum 12./13. war es andauend zu warm, anschließend durchweg deutlich zu kalt. Sehr ungewöhnlich waren die Höchstwerte am 15.9. in München: 8,0°C stehen am untersten Ende der um diese Jahreszeit möglichen tiefsten Maxima! Trotz der kühlen Witterung gab es insgesamt doch zu wenig Niederschlag, was vor allem den Nordostlagen zuzuschreiben ist, die nicht so feuchte Luft heranzuführen vermögen.

Gleiches gilt für Zenting-Daxstein: erst 12 zu warme Tage, dann alle bis Monatsende zu kalt. Dank der Hanglage reichte es aber weder zu Luft- noch zu Bodenfrost, während es in München an meiner Schul-Regenmessstation im Münchner Norden dicken Reifbelag am 18.9. morgens hatte. Die letzten beiden sommerlich anmutenden Gewittertage gab es am 1. und 12.9., Nebel trat an 5 Tagen auf, die Niederschläge waren allesamt belanglos, nur am Monatsletzten regnete es vergleichsweise ergiebig.

Von den Temperaturen her sollten nur die relativ häufigen Frosttemperaturen Erwähnung finden. In Deutschneudorf-Brüderwiese konnten 9 Frosttage gezählt werden, in Haidmühle 6. Große Hitze trat nirgends mehr auf.

Bei den Niederschlägen allerdings ist mehr zu berichten. In Deutschland ragen die großen Regenmengen vom 12.9. im Raum Schwandorf, im nördlichen Bayerischen Wald und südlich von Nürnberg heraus: Teublitz (südlich von Schwandorf) 108,8 mm, Roth bei Nürnberg 88,8 mm und Stallwang 67,2 mm. Zwei Tage später, am 14.9. gibt es in Tittmoning oberhalb der Salzach 65,4 mm. Auffallend dann noch der 30.9., als im Umfeld des Ebbegebirges 53,9 und in der Grafschaft Bentheim 55,0 mm fallen.

Noch ein Wort zu den Niederschlagsmessungen am Flughafen München: zum wiederholten Mal sticht der Wert durch seine Kleinheit hervor. Im ganzen Umfeld liegen die Messungen über 30 mm, allein der Flughafen meldet 19,8 mm. Dieses merkwürdige Phänomen wurde auch schon oft vom Frankfurter Flughafen berichtet.

Besondere Niederschlagsexzesse sind in der Schweiz und Frankreich aufgetreten. Am 3. gehen dort große Tagesmengen nieder: Genève-Aéroport 53 mm, La Dôle 58,Cimetta 77 und Locarno-Magadino 94 mm (alle Schweiz); in Frankreich gibt es noch mehr vom Himmelsnass: Rochegude 70,4 mm, Marzac 85,6, Romans 92, Visan 110 (davon allein zwischen 22 und 23 Uhr am 2. 87 mm), Montélimar 123 (119 mm in 2 Stunden) und Barzène 176 mm.

Am 6.9. geht es weiter mit 55,2 mm in Genève und 56,8 mm in Grenoble. Außergewöhnlich die Schweizer Mengen dann südlich der Alpen: Robiei 154, Camedo 217, Sonogno/Verzascatal 287 und Mosogno 447 mm; die absolut höchste Menge vonSonogno wird nicht ganz erreicht (314 mm am 10.9.1983). Nimmt man den ganzen niederschlagsreichen Zeitraum vom 3. bis 7.9., dann ergeben sich für Sonogno 659,5 mm (Rekordwert) und für Genève 159,3 mm. Genf besitzt eine außerordentlich lange Niederschlagsreihe (ab 1770, wobei ich leider nur die Werte ab 1851 besitze); in dieser gibt es nur 4 Fünftageszeiträume mit noch mehr Niederschlag: 

  • 29.9. bis 3.10.1888 200,3 mm
  • 21. bis 25.9.1863 181 mm
  • 17. bis 21.12.1841 181 mm
  • 20. bis 24.5.1827 176 mm

Am 11.9. dann sind einzelne Orte in Südwest- und Südfrankreich von Starkregen betroffen: Biarritz-Anglet 81 und Pujaut im Gard 89 mm.

Der 13.9. schließlich bringt dem Raum Basel Dauerniederschlag mit 71,1 mm in Binningen; nur 4-mal überhaupt gab es dort höhere 24-Stundensummen des Niederschlags.

Aufsummiert ergibt sich für Genf eine sehr hohe Monatssumme des Septemberniederschlags: 215 mm bedeuten den fünft-höchsten Wert seit 1851 (Maximum 272,2 mm 1993), deshalb abschließend die dazugehörige Grafik:


Wolfgang Webersinke, Daxstein, Oktober 2008