Witterungsbericht August 2008

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der dritte Sommermonat 2008 zeichnete sich, wie der ganze Sommer, durch anhaltende Unbeständigkeit aus. Längere zusammenhängende Hochsommerphasen fehlten, es bildeten sich keinerlei blockierende Hochdruckgebiete, die dafür hätten sorgen können. Stattdessen zogen Tiefs mit ihren Ausläufern oft gleich serienweise über uns hinweg. Dabei stellte sich aber ein meist überdurchschnittliches Temperaturniveau ein.

All das gilt auch für Zenting-Daxstein, das oft Niederschläge empfing, die aber fast immer wenig ergiebig waren (Ausnahme der nächtliche Regenfall vom 7. auf den 8., der innerhalb weniger Stunden 30,3 mm brachte). Ab dem 26. stellte sich der einzige längere Zeitraum ohne Niederschlag ein. Die Sonne schien aber, bis auf den 15., an jedem Tag, so dass trotzdemmeist passables Urlaubswetter herrschte. Zudem gingen auch nachts die Temperaturen kaum in den einstelligen Bereich (nur am 16., 17. und 25.). Die sechs Gewittertage fielen sämtlich in die erste Monatshälfte, wie auch acht von insgesamt neun Nebeltagen. Alpensicht kam noch nicht vor. Letztlich fiel der gesamte Sommer etwas zu warm aus (15,7°C entsprechen einem Überschuss von 0,9 K) und dabei zu trocken (321,5 mm bedeuten nur 83 % des Mittels 1961 bis 1990). Zu Gewittern kam es an 22 statt normalerweise 20 Tagen.

Von den Temperaturen her ereignete sich im Berichtsmonat nichts Ungewöhnliches, weder bei den absoluten Höchstwerten noch bei den Mitteltemperaturen. Bei den Niederschlägen bietet sich ein differenzierteres Bild: Häufig kam es in einzelnen Gebieten oder Landschaftsteilen zu großen Gewitterregen, am 15. auch zu Landregen mit erheblichen Mengen, wie die umfangreiche Übersicht zeigt:


 
Große Tagesmengen
1.8.
Aschau-Stein
81,2 mm
Brück/Brb.
68,5
Buchloe
68,1
Salzburg/Flh.
66,0
Geratshof
64,2
Herrenchiemsee
56
Sylvenstein
52,4
3.8.
Delmenhorst-Hasbergen
65
Greven
65,2
Ratingen-Homberg
64,5
Osnabrück
58,1
Münster
52,6
7.8.
Wagersrott
64,8
Norden-Norddeich
62,6
Schleswig
60,6
Cuxhaven
60,4
Krempel
52,7
Großer Arber
52,4
Jenner
52,4
Mettenheim-Lochheim
50,0
8.8.
Hohe Wand/A
75,9
Wächtersbach
53,3
Krumbach/Bucklige Welt
49,7
11.8.
Freistadt-Oberndorf
60,0
12.8.
Weisweil-Waldeckhof
64,7
Haslach/Kinzigtal
64,5
Feldberg/Schwarzwald
64,4
15.8.
Hermagor/Kärnten
185
Villacher Alpe
109
Obere Firstalm
88,7
Bleiberg/A
88
Flattnitz/Kärnten
87
Wendelstein
85,1
Spitzingsee
83,6
Windischgarsten
82,6
Murau/A
79
Lunz am See
78,8
Präbichl
78,2
Funtensee
76,3
Aschau-Stein
74,5
Rudolfshütte
74
Aigen/Ennstal
67
Feuerkogel
61
Reit im Winkl
60,3
St. Bartholomä
57
Amstetten
57
Mariazell
57
Jachenau-Tannern
56,5
Marktschellenberg
56,2
Zugspitze
53,4
Ried im Innkreis
51
Gmunden
51
Wallberg
50,1
22.8.
Hiddensee-Dünenheide
77
Itzehoe
55,7
Hiddensee-Dornbusch
53,8
Drochtersen
52
Heimbach/Eifel
52
23.8.
Dörnick
70
Bad Eisenkappl/A
64,5
Köhn/SH
54,3
Pelzerhaken
53,4
Leibnitz/A
50,7
31.8.
Haslach/Kinzigtal
57,1
Lahr
56,1

Die Monatsmengen fielen daher recht unterschiedlich aus. Während es im Mittelgebirgsraum Hessens und Thüringens ziemlich trocken blieb (Dachwig 20,6 mm, Bad Hersfeld 22,3 mm, Erfurt 28,5 mm), wurden andernorts vor allem im Norden Deutschlands fast rekordverdächtige Werte erreicht: List 181,7 mm (absoluter Höchstwert 1982: 193 mm), Helgoland 184 mm (2006 251 mm), Itzehoe 188 mm, Norderney 194,5 mm (Rekord 242 mm, 1917) und Schleswig 209 mm (= 3. Platz; Rekord 228 mm, 1946). Zur Illustration folgen die Grafiken von Schleswig, Kiel und Emden:



Die relativ hohen Summen aus dem Alpenraum oder im Schwarzwald sind bei Weitem weniger bedeutungsvoll, da hier von Haus aus viel Niederschlag fällt (Aschau-Stein 302 mm, Mummelsee 244 mm und Nebelhorn 242 mm). Die ZAMG meldete aber aus Eisenstadt, der Hauptstadt des Burgenlandes, einen Sommerregen-Rekord: 479 mm liegen beträchtlich über dem bisherigen Höchstwert von 356 mm aus dem Jahr 1938.

In denselben Gebieten mit hohem Niederschlag schien im Gegenzug die Sonne recht selten, ohne dass aber die bisherigen Grenzwerte in Gefahr gerieten:

  • Rostock 130 Stunden
  • Manderscheid/Eifel 130
  • Kahler Asten 131
  • Emden  135
  • Hamburg-Fuhlsb. 144

Die absoluten Minima lauten für den Kahlen Asten 94 Stunden, für Emden 86,5 und für Hamburg 127 Stunden. In Süddeutschland lachte die Sonne häufiger: Erdinger Moos 239, Simbach/Inn 240 und Landsberg am Lech sowie Mühldorf je 242 Stunden.

Wie schon des Öfteren gab es in und um Schleswig-Holstein kräftige Augustregen. Dies ist in den letzten 100 Jahren schon mehrfach der Fall gewesen. Der erste markante Fall ereignete sich am 4.8.1910, als eine breite Tiefdruckrinne von den Britischen Inseln über Deutschland hinweg nach Osten reichte und über dem Norden andauernde Regenfälle auslöste:


 
Landregenvom 4.8.1910
Ort
Wert
Westerland
101,8 mm
List
100,6
Wyk/Föhr
93,4
Harsefeld
91,1
Keitum
88,4
Kiel
76,2
Schleswig
71
Hamburg
69,4
Tondern
112,3
Hoyen
109
Branderup
107,5

Die kursiv gesetzten Stationen gehörten damals noch zum Deutschen Reich, heute sind sie Bestandteil von Dänemark (Nordschleswig). Der außergewöhnlichste Fall datiert vom 26. (und teilweise sogar 27.) August 1946, als die Lage ganz ähnlich der von 1910 war, nur dass das Tief noch stärker ausgeprägt war und wahrhaft sintflutartige Regenfälle hervorbrachte:


 
RR-Daten vom August 1946
Ort
Tagessumme
Monatssumme
26.8.
Boltenhagen
185,6 mm
288 mm
Lammershagen
177,3
318
Pelzerhaken
173,6
247
Stohl
168,4
266
Schönberg
153,9
266
Lensahn
152,1
258,5
Plön/See
139,2
277,9
Dahmeshöved
133,3
185,7
Ahrensbök
127,5
215,4
Bornhöved
123,2
213,8
Sieversdorf
114,5
191
Klein Waabs
113,9
259,4
Ülsby
111,5
187
Brebel
110,3
211,4
Nettelau
110,2
213
Schleswig/Stadtfeld
105,6
227,7
Neumünster
105,3
177,9
Kiel
104,9
235,5
Ort
Tagessumme
Tagessumme
26.8.
27.8.
Wismar
191,5
57
Neuburg
139
69,1
Güstrow
131,8
66,7
Bernitt
128,3
67,1
Brüel
127,8
67,1
Goldberg
122,5
67,1

Zum Glück war damals das Stationsnetz nach dem 2. Weltkrieg schon wieder einigermaßen intakt.

Der letzte Fall stammt vom 27.8.1989. An jenem Tag entwickelte sich ein veritables Sturmtief, das am Abend nordnordwestlich zog und einen schweren Nordoststurm an der Ostseeküste mit verheerenden Schäden auslöste, zusammen mit ergiebigem Regen:


 
Unwetter vom 27.8.1989
Ort
Wert
Schönwalde
135,0 mm
Neustadt/Holstein
134,0
Timmendorfer Strand
117,7
Eutin
112,6
Kiel
104,2
Ruhwinkel
102,2
Neumünster
101,5
Bordesholm
101,0
Gnutz
98,9
Lensahn
98,5
Bad Schwartau
98,1
Revensdorf
97,8

In diesem Jahr waren die Auswirkungen der Niederschläge zum Glück nicht so intensiv.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Sept. 2008