Witterungsbericht Juli 2008

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Die Unbeständigkeit des Sommers 2008 setzte sich im Juli unvermindert fort und führte zu zum Teil enorm ergiebigen Gewitterregen, die man sonst nur aus den extrem ergiebigen herbstlichen Regenfällen vom Mittelmeerraum her kennt.
In Zenting-Daxstein war es zwar auch relativ feucht, aber große 24-stündige Regenmengen kamen nicht vor, allein beim Regen vom 31.7. (28,1 mm) waren auch ein paar kleine Hagelkörner dabei. Ohne messbaren Niederschlag blieben höchstens 4 zusammenhängende Tage (27. bis 30.). Nebel gab es an 6 Tagen. Die Gewitter, die an 8 Tagen auftraten, waren allesamt nur leichter oder höchstens mäßiger Ausprägung. Ausnahmsweise waren am 19. die Alpen für einige Stunden zu sehen – dies gehört üblicherweise nicht zum Sommerprogramm. Recht hoch war der Bewölkungsgrad mit 71 % Himmelsbedeckung im Monatsmittel, auch dies ein Zeichen für die durchgehend unbeständige Witterung.

Zwar erreichten an manchen Tagen, speziell in Deutschland, die Temperaturen recht hohe Werte, aber nur auf der Nordseeinsel Norderney wurde der alte absolute Höchstwert (Reihe ab 1897) heuer genau egalisiert: 33,0°C (am 2.7. und zuvor am 29.7.1969). Eine kleine Übersicht zeigt die heißesten Tage des diesjährigen Juli:


 
Hohe Maxima der Lufttemperatur
1.
Waldshut-Tiengen
33,9°C
2.
Bendorf
36,4
Karlsruhe
36,2
3.
Holzdorf
35,7
Berlin-Eiskeller
35,5
29.
Barleben
34,9
31.
Bad Liebenwerda
35,3
Bretten
34,9

Nachts kühlte es nicht bemerkenswert tief ab, was man auch daran sieht, dass es in Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb und auch in Haidmühle/Bay. Wald keine Tage mit Luftfrost gab.

Wie schon eingangs erwähnt, bot der Niederschlag wesentlich mehr Spektakuläres. Die Übersicht über große 24-stündige Tagesmengen ist ziemlich lang und sicher nicht erschöpfend:


 
Große Tagesmengen des Niederschlags
2.
Weißenseiffen
67 mm
Dahlemer Binz
52,5
Bitburg
51,5
Eschweiler
44,1
3.
Hopferau (68,4 mm in 60 Min.)
130
Eimen-Vorwohle
106,7
Essel
78,2
Wilhelmshaven
67,9
Kreuth-Glashütte
67,7
Schierke (50,5 mm in 60 Min.)
60
Steingaden-Riesen
55
4.
Quickborn
46,5
6.
Riedenburg
52,8
Lugano
94
Locarno-Monti
85
7.
Eisenstadt/Burgenland
57,2
11.
Loiching
50,4
12.
Locarno-Monti
80,1
Naumburg-Elfenberg
63,7
Alberschwende/Vorarlberg
49,9
13.
Lugano
93,2
Oberstdorf-Birgsau
76,7
Warth
70,6
Mindelheimer Hütte
67,7
Nebelhorn
61,4
Feldkirch
61,2
Langen
58,3
Oberstdorf
55,7
Fraxern/Vorarlberg
51,4
19.
Emden
54,2
20.
Hirschenkogel/Burgenland
78,3
St. Veit/Pongau
58,0
Warth
52,6
Schmittenhöhe
51,0
21.
Brocken
55,9
Clausthal-Zellerfeld
45,2
22.
Aschau-Stein
49,1
23.
Rax
111,9
Lunz am See
74,3
Präbichl
72,8
Mönichkirchen
71,3
Eisenstadt
66,1
26.
Dortmund-Uni
204,3
Dortmund-Wickede
112,5
Nonnweiler-Sitzerath/Saarland
95
Kalterherberg
92
Monschau/Eifel
86
Sotzweiler/Saarland
82
Manderscheid/Eifel
69
Thailen/Saarland
65
27.
Berus
57,9
28.
Singen
83
Stockach
83 in 2 Std.
Bernbeuren-Prachtsried
50,1
29.
Colmberg-Binzwangen
67,4
Wertheim/Main
66
Hasloch/Main
61,8
Röllbach
54,1
Osterseeon/Kr. Ebersberg
53,1
Schmallenberg-Sellinghausen
50,7
30.
Weinbiet
71,8
Neustadt/Weinstr.
45 in 45 Min.

Herausragend ist dabei das Ereignis in Dortmund vom 26. Juli, da dieser Rekordniederschlag in wenigen Stunden fiel und dementsprechende Verwüstungen anrichtete. Müßig zu sagen, dass die 204,3 mm bisher noch nie auch nur annähernd in der Beobachtungsgeschichte der Stadt vorgekommen sind (ab 1891). Dennoch gab es auch früher schon beachtliche Tagesmengen: am 17.7.1910 115,4 mm und am 31.7.1951 140,0 mm. Besonders betroffen war der Südwesten der Stadt (Dorstfeld), die Station Universität befindet sich nicht allzu weit davon entfernt: von 15.40 bis 16.30 Uhr goss es nicht weniger als 122,5 mm (in 40 Minuten 92,5 mm). Die Emscher reagierte mit einer Flutwelle, die um 4 Meter binnen 90 Minuten anstieg. Zur gleichen Zeit fielen in den Nachbarstädten Bochum und Castrop-Rauxel nur 10,9 bzw. 44,0 mm Niederschlag. Auch die Juli-Monatssumme in Dortmund übertraf mit 308,7 mm den bisherigen Rekordhalter 1910 (298 mm). 

Beim großen Brandenburger Regen von Pritzwalk am 12.6.1993 regnete es von 7.30 Uhr bis 8.20 Uhr 107 mm. In Frankreich, das noch mit weit größeren Tagesregenmengen aufwarten kann, gibt es Vergleichsfälle: am 20.5.1868 fielen in Molity-les-Bains (Pyrénées Orientales) 313 mm in 2 Stunden oder beim historischen Gewitter von Marseille vom 1.10.1892 221,5 mm (in insgesamt 4 Stunden, davon 27 mm in 13 Minuten und 64 mm in 40 Minuten). Weitere sehr große Mengen in Frankreich innerhalb von 24 Stunden (Gewitterregen): 318 mm in Montpellier am 8.9.1938; 331 mm am 16.6.1956 in Landeda/Finistère; 323 mm am 14.6.1971 in Ste-Cécile-d’Andorge und 326 mm in Solenzara/Korsika am 1.9.1989. Man sieht also, wie schwer Dortmund getroffen wurde.

Nicht nur Dortmund hatte Rekordregen. Die 54,2 mm von Emden am 19.7. wurden in der langen Emdener Reihe vom 6.7.1931 übertroffen (88,4 mm); auch die 94 mm von Lugano (6.7.) sind schon weit überboten worden: 206,4 mm am 11.7.1890. Wesentlich näher am absoluten Maximum befindet sich aber die Monatssumme: 359 mm: dieser Wert wurde nur 1877, 1890, 1901 und 2000 überboten und 1940 gab es genauso viel Niederschlag. Deshalb hier nun die Grafik von Lugano:



Am 2.7. meldete das französische Département Allier in der Auvergne ebenfalls heftige Niederschläge: Vichy 74,8 mm, Paray-le-Monial 86,8 mm, St-Didier-en-Donjon 104,6 mm und Mayet-de-Montagne 145,0 mm. 
Extreme Nässe melden aber auch Helgoland: 135 mm (bei einem absoluten Maximum von 138 mm seit 1891) oder Eisenstadt im Burgenland (186 mm bei einem Maximum von 188 mm im Jahr 1975). 

Beim Sonnenschein wurde zwar der Nordosten von der Sonne verwöhnt, aber alles war weit entfernt von besonderen Werten.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, August 2008