Witterungsbericht Mai 2008

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der dritte Frühlingsmonat 2008 zeigte sich von einer deutlich zu warmen Seite, er war sehr trocken und nach Norden zu zunehmend extrem sonnig.

In Zenting-Daxstein handelte es sich um den sechst-trockensten Mai seit Reihenbeginn 1876 (1947 als Extrem mit nur 12 mm). Das Gros der Niederschläge fiel vom 15. bis 21. Mai (25,9 mm), am 6.5. waren auch Graupel untergemischt. An diesem Tag kam es auch zum einzigen, etwas stärkeren Gewitter, die anderen (1., 2., 15. und 18.) waren nur schwach ausgeprägt. An nur drei Tagen trat Nebel auf (6., 16. und 18.), Alpensicht gab es nicht. Am 29. und 30. überstieg die Temperatur die Sommertag-Grenze, was im Mai eher die Ausnahme darstellt.

Sehr ungewöhnlich im heurigen Mai war die sonnige Hochdrucklage in der ersten Monatshälfte, es gab fast keine größeren Niederschläge (einzige Ausnahme Isny am 11. mit 81,2 mm) und nahezu ungetrübten Sonnenschein, die zweite Monatshälfte war dann durchweg zyklonal geprägt, mit zum Teil starken 24-stündigen Niederschlägen:


 
17.5.
Stabio
102 mm
Cimetta
106
Lugano
107
Locarno-Monti
117
Magadino
123
18.5.
Großenzersdorf/NÖ
63,7
Harburg/Ries
50,5
Falkenberg/Niederbayern
50,1
19.5.
Pörtschach/Kärnten
64,8
29.5.
Krunkelbachhütte
68,9
Obermoschel
60
Bayerfeld-Steckweiler
60
Feldberg/Schwarzwald
58,4
Schauinsland
58
Düren
58
Bad Kreuznach
54,8
30.5.
Gilserberg-Moischeid
67,7
Münzenberg-Gambach
60,2
Hirschhorn/Neckar
58,5
Hoherodskopf/Vogelsberg
56
Kirtorf
55
31.5.
Rudolstadt
112,2

Ein ebenfalls herausragendes Ereignisin diesem Monat bestand in der außergewöhnlichen Süd-Föhnlage vom 26. bis 28. Mai. Dadurch wurde in hohen Schichten ungewöhnlich viel Saharastaub nach Mitteleuropa geführt, was zu deutlich wahrnehmbaren Lufttrübungen führte. In der Schweiz wurden sogar viele Olivenpollen in der Luft festgestellt. Die Vorhersage war in dieser Wetterlage sehr schwierig, z. B. am 27. gab es in der Schweiz statt Rekordtemperaturen dichte Leebewölkung und fast gar keinen Sonnenschein, dasselbe wiederholte sich tags darauf im südlichen Bayern. Der Föhnsturm erreichte teilweise Rekordstärke: Brienz 132 km/h, Glarus 136 km/h jeweils am 28. und 180 km/h auf dem Gütsch ob Andermatt am 27. Vor allem in Österreich wurden stellenweise die höchsten Maitemperaturen seit Messbeginn erreicht: Graz-Thalerhof und Weyer am 28. 34,9°C, Graz-Universität 34,1°, Salzburg-Flughafen 33,0°C am 27.

Stellenweise reichte es in der Schweiz (Alpennordseite: Güttingen 14, Luzern und Altdorf je 18 mm) und in Deutschland zum trockensten Mai, selbst langer Messreihen, z.B. nur 18 mm in Altdorf/CH, 9 mm in Sion. Folgende deutsche Stationen hatten den absolut trockensten Mai:


 
Station
Wert
Reihe ab
Ueckermünde
6 mm
1891
Berlin-Dahlem
7,8
1848
Coburg
7
1882
Weißenburg/Bayern
7
1879
Magdeburg
3,1
1880
Meiningen
2,6
1878
List/Sylt
2,9
1892
Würzburg
4,6
1880
Leipzig/Schkeuditz
5,2
1864

In Ueckermünde (mit 1943) und Berlin (mit 1868) wurde genau der bisherige Rekord egalisiert. Andere, vorwiegend norddeutsche Orte lagen recht nahe beim absoluten Minimum, etwa Norderney 7 mm (2004 3,3 mm) oder Hamburg 11 mm (1863 und 1905 jeweils nur 7 mm).



Ganz im Norden wurde der Monat zudem extrem sonnenscheinreich und brach alte Höchstmarken, so in Kiel (355,9 Std.), Kap Arkona (387 Std.), Hamburg (339 Std.), Bremen (314 Std., gerade noch eine Stunde mehr als 1989), Greifswald (367 Std.) und Warnemünde (395 Std.). Die alten Rekordwerte wurden zum Teil regelrecht deklassiert: Warnemünde hatte bisher als Höchstwert 345 Stunden (Mai 1959). 


Ganz vereinzelt kam die Monatsmitteltemperatur sogar ganz nahe an den bisher wärmsten Mai heran: in Geisenheim/Rheingau sind die 17,4°C nur 0,2 K vom Rekord von 1889 entfernt.

Wolfgang Webersinke/Daxstein, 14.6.2008