Witterungsbericht März 2008

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
zurück zur Übersicht
 
Wer geglaubt hatte, dass der März nun den endgültigen Durchbruch zum Frühling bringen könnte, wurde eines Besseren belehrt: gerade ab Monatsmitte meldete sich der Winter wieder deutlich zurück. Trotzdem wurde der erste Frühlingsmonat etwas zu mild, bei meist leicht unternormaler Sonnenscheindauer und deutlich zu nassen Niederschlagsverhältnissen.

 
 

In Zenting-Daxstein waren die Tage vom 18. bis 26.3. sowie die drei unternormal temperierten Tage der ersten Monatshälfte so kalt, dass der gesamte Monat genau dem Mittel 1961 bis 1990 entsprach (so etwas kommt nur ganz selten vor). Nur acht Tage blieben völlig trocken, vom 10. bis zum 26. einschließlich fiel jeden Tag Niederschlag, ab dem 18. sogar ausschließlich  als Schnee, was genau zu den Feiertagen zu großen Schneefällen führte, wie sie den ganzen Winter über nicht vorgekommen waren: 27 cm Neuschnee am Morgen des Karfreitag und noch einmal 34 cm bis zum Karsamstag-Morgen. Damit gehören diese zwei Tage zu den größten Neuschneefällen in der zweiten Märzhälfte überhaupt (Beobachtungsbeginn 1893). Noch  weitaus ergiebiger war der Neuschnee vom 30. auf den 31.3.2000, als es 90 cm innerhalb eines Tages schneite (der absolute Rekord schlechthin in Daxstein), aber auch 1979 muss erwähnt werden, wo am 29.3. der Schnee 10 cm hoch lag, tags darauf waren es 40 und am 31.3. konnten 70 cm gemessen werden. Großflächige Stromausfälle waren damals die Folge, denn es handelte sich um besonders pappigen Nassschnee. Insgesamt fielen heuer im März in Daxstein 103 cm Neuschnee, was zwar deutlich mehr als normal, aber nicht außergewöhnlich viel ist.
 

 

Die Monats-Niederschlagssumme beläuft sich auf 262,4 mm und steht damit an 7. Stelle der nassen Märzmonate seit 1876 (1988 393,9, 2000 383,9, 1878 330, 1914 295, 1906 281 und 2001 264,2 mm). 
 

 

Auffällig waren die 5 Gewittertage (ebenso viele auch in Aachen und Gera) so viele gab es seit 1893 noch nie im März, wie die beigegebene Gewittergrafik zeigt. Gleich zu Monatsbeginn das erste von 10.12 Uhr bis 10.45 Uhr, am 13. gab es gleich drei, dann am 16., 19. und 20.



 
 


Nachzutragen bleiben noch 17 Nebeltage und nur 2 Tage mit Alpensicht (am 13. und 30.3.).

 
 

Das Orkantief EMMA richtete am 1. auch in der näheren Umgebung von Daxstein Schäden an. Daxstein selbst ist bei Weststurm durch das Brotjacklriegel-Massiv im Westen immer von Böen verschont, aber Richtung Schöfweg im Sonnenwald, etwa ein Kilometer vor letztgenanntem Ort wurden relativ viele alte Fichten, auch mitten im Wald, samt dem Wurzelteller aus dem Boden gedreht, was durch die großen Niederschläge (nur Regen) am 29.2. natürlich sehr gefördert wurde. Im Bundesgebiet und darüber hinaus gab es in diesem Zusammenhang erhebliche Windböen, wie die folgende Tabelle zeigt: 
 
Windspitzen vom 1.3.2008 in km/h
Wendelstein
223
Wallberg
191
Feuerkogel/OÖ
186
Säntis
177
Leiserberge/Weinviertel
165
Feldberg/Schwarzwald
162
Fichtelberg
155
Chasseral
152
Chemnitz
152
Loferer Alm
149
Benediktbeuern
146
Wien-Schwechat
141
Salzburg
141
Kleve
137
Mühldorf
137
Waging am See
137
Weinbiet
132
Freudenstadt
131
Kahler Asten
128
Kremsmünster
125
Gera
123
List
117
Berlin-Schönefeld
114

Am  6. März erreichten in Alpentälern die Minima noch hochwinterlich tiefe Werte: Seefeld in Tirol meldete 20,6°C, Oberstdorf noch 19,0°C. Am anderen Ende des Monats war es am 30.3. schon frühlingshaft: Feldkirch/Vorarlberg 22,4°C.
 

 

Die oben angesprochenen Neuschneefälle waren auch in einigen Teilen Österreichs besonders ergiebig, wie die folgenden Schneehöhen vom 26.3. zeigen: Tauplitzalm 350, Loser 328, Warth/Arlberg 125, Mittelberg/Kleinwalsertal 110, Seefeld 50 und Lilienfeld 27 cm.
 

 

Der März war zwar nass, aber Niederschlagsrekorde wurden, meines Wissens nach, nirgends gebrochen. Z. B. hatte Schleswig heuer 112,8 mm (1994 aber 125 mm), Aachen 114,5 (1988 aber 155 mm) oder die Zugspitze 306,9 mm (2000 aber 449 mm). Allein Helgoland kam mit 95 mm ganz nahe an den Rekord von 1937 heran (damals 96 mm; Reihe ab 1891).
 

 

Auffällig hingegen gestaltete sich das Luftdruckmittel, das vor allem im Norden extrem tief lag: List auf Sylt meldete 1000,3 hPa, Berlin-Dahlem 1003,4, was dort zum tiefsten Mittel seit mindestens 1909 führte. Nach Süden zu wurden die Werte aber höher, etwa in Konstanz 1010,7 hPa.
 

 

Wolfgang Webersinke, Daxstein, April 2008