Witterungsbericht Januar 2008

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Die über einige Monate hinweg zum Teil etwas zu kalte Witterung ging wieder zu Ende und ein deutlich zu warmer Januar 2008 folgte, wenngleich die Rekordwerte des Vorjahres nicht erreicht wurden.

In Zenting-Daxstein reichte es zusammen mit 1988 und 1936 zum fünft-mildesten zweiten Hochwintermonat seit 1891 (2007 1,7°, 1948 1,6°, 1921 1,4° und 1975 1,2°). Extreme Wärmespitzen fehlten zwar, aber das hohe absolute Minimum von – 5,7°C ist besonders hervorzuheben. In früheren Jahren wurden vereinzelt ebenso hohe Minima gemessen: 20.1.1898 Buchenau – 5,9°; 15.1.1916 in Hausstein – 5,9°; 25.1.1920 in Hausstein – 6,1° und ebendort 1975 nur – 5,3°C als Monatstiefstwert. Und dass es heuer nur zu 3 Eistagen am Monatsbeginn kam, ist ebenfalls mehr als ungewöhnlich (Haidmühle hatte auch nur 5!). Zur Zeit der normalerweise kältesten Tage des Jahres, vom 15.1. vormittags bis zum Nachmittag des 22.1. war es sogar vollkommen frostfrei! 

Im Gegensatz zum Vorjahr hielt sich zumindest die Schneedecke den ganzen Monat bei nur geringen Neuschneefällen. Letztlich verdankt sich dieser Umstand nur den ergiebigen Schneefällen von November. Dies alles gilt aber nur für Daxstein, im Nachbarort Schöfweg (770 m) lag generell weniger Schnee und dies auch oft noch durchbrochen, so dass insgesamt kein vernünftiger Wintersport möglich war. Den 16 Nebeltagen stehen immerhin 11 Tage mit zum Teil hervorragender Alpensicht gegenüber.

In Alpennähe herrschte in der ersten Monatshälfte oft Föhn, vor allem vom 3. bis 5.1., dann am 10. und 11. sowie erneut vom 15. auf 16.1. Da auch in der zweiten Monatshälfte die Zufuhr milder Luft aus westlichen Richtungen vorherrschte, wurde es wieder, wie im Vorjahr, aber nicht so extrem, ein deutlich zu warmer Wintermonat. An der Alpennordseite war in tieferen Lagen große Schneearmut zu konstatieren, so lag z.B. in Zürich an keinem einzigen Januartag eine geschlossene Schneedecke, wie zuletzt im Januar 2002 und 1996. In München lag am Monatsanfang eine dünne, durch Industrieschnee hervorgerufene Schneedecke, ansonsten spürte man nicht viel vom Winter. Auf der Alpensüdseite hingegen gab es mehr „Wintergefühle“: in Lugano lag an 5, in Locarno sogar an 10 Tagen eine geschlossene Schneedecke. In diesem Jahr ereignete sich auch ein besonders starker Nordföhn, und zwar am 27.1., als in Samedan, im Oberengadin, eine für dortige Verhältnisse extreme Bö von 135 km/h auftrat. Größere Zerstörungen wurden auch aus Lienz in Osttirol gemeldet. Dieser Nordföhn trieb die Temperaturmaxima im Tessin auf außergewöhnlich hohe Werte: Stabio 22,0 und Lugano 21,0°C. Im vorigen Jahr waren die Maxima aber noch deutlich höher!

An diesem 27.1. kam es auch in weiten Teilen Oberbayerns zu einem ganz und gar ungewöhnlich starken Rückgang der Luftfeuchtigkeit: das Mittel dieses Tages betrug in München/Stadt 20, auf dem Hohenpeißenberg 19 und in Tegernsee kaum glaubliche 12 Prozent! In München lag dabei der Wert um 13.00 Uhr bei 15 %. Bislang galten in der Stadt 22 % als historischer Tiefstwert, gemessen am 16.1.1899 abends an der Centralstation in der Gabelsbergerstraße. Dieser Rückgang der Feuchte ereignete sich heuer bei einer extrem starken nordwestlichen Strömung, also keineswegs bei Föhn.

Die großen Niederschläge heuer in einem Streifen vom Münsterland über die nördlichen Mittelgebirge hinüber bis in das Oderbruch führten nur ganz selten zum Überschreiten bisheriger Grenzwerte. Nach den bisherigen Auswertungen reichte es allein in Wittenberg zum größten 24-stündigen Niederschlag seit mindestens 1891 im Januar, und zwar 37,4 mm am 20.1.2008; das Gleiche gilt für die Monatssumme von 110 mm; hier lag der Höchstwert bisher bei 106 mm (1944). Hier die entsprechende Grafik:



In Frankfurt/Oder handelte es sich heuer um den drittnassesten Januar seit 1848:


Sehr unterschiedlich war diesmal die Besonnung: während in Nordwestdeutschland zum Teil der sonnenscheinärmste Januar seit Messbeginn zu beobachten war (Emden und Oldenburg i.O. nur 15 Stunden), erreichte Genf den sonnigsten seit Messbeginn (112 Stunden). Beide Grafiken folgen hier:


Auch in München zeigt der Januar seit etwa 1989 ein ausnehmend sonniges Gesicht; während vorher kein einziger Januar die 100-Stunden-Marke geknackt hatte, ist dies heuer bereits zum fünften Mal seit 1990 gelungen. Die Sonnenscheinzunahme im Alpenvorland ist ein herausragendes Zeichen der Klimaänderung seit etwa 20 Jahren.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Februar 2008