Witterungsbericht November 2007

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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In Teilen des Bayerischen Walds (vor allem in höheren Lagen) brachte der vergangene Monat Niederschlagsmengen und Schneemassen wie seit mindestens 125 Jahren nicht mehr, so dass der Rückblick diesbezüglich etwas umfangreicher als gewöhnlich ausfällt. Auch in einigen anderen deutschen Mittelgebirgslagen gab es ausnehmend viel Niederschlag.

Zunächst war es in Zenting-Daxstein noch schneefrei (ein wenig Regen fiel am 3. abends), aber am 6. in den frühen Morgenstunden begann eine extrem niederschlagsreiche Witterungsphase: bis zum 11. morgens gab es 147,2 mm und in den kommenden sieben Tagen nochmals 106,0 mm und das alles nur als Schneeregen oder Schnee. Die Schneedecke baute sich erst nur zögernd auf: am 8. und 9. in der Früh war sogar wieder alles grün, aber ab dem 9. abends zeigte die Natur, was in unserem Raum möglich ist: nach 17 cm Neuschnee am 10. bis zum 11. weitere 40 cm in 24 Stunden, eine extreme Zunahme für einen so frühen Zeitraum im Winterhalbjahr; schon vom 12. auf 13. gab es wieder 30 cm Neuschnee, dem tags darauf noch einmal 28 cm folgten. Am 15. und 16. wurden dann neue Rekordwerte für November erreicht (82 und 83 cm liegen etwas über den 80 cm vom 24.11.1910, die bisher den Grenzwert darstellten). Anschließend sackte der Schnee zwar zusammen, erhielt aber am 26. und 27. nochmals 16 bzw. 12 cm Zuwachs. Alles  in allem ergaben sich für diesen November bislang unerreichte 168 cm Neuschnee – gewissermaßen als Ausgleich für den schneearmen Winter 2006/07. An anderen Stationen ergaben sich ähnliche Ausnahmewerte für die höchste Schneehöhe:

  • Saldenburg-Entschenreuth         31 cm
  • Grainet-Rehberg                       55
  • Klingenbrunn-Bahnhof               62
  • Lindberg-Buchenau                   72

In Klingenbrunn lag die geschlossene Schneedecke sogar an 25 Tagen. Für Daxstein ist eine lange Reihe konstruiert (eigene Beobachtungen ab 1978), die zeigt, dass nur viermal seit 1883 eine Novemberschneedecke noch länger andauerte als 2007 (1891, 1912, 1919 und 1995):



1912 bedeckte sie sogar den ganzen Monat den Erdboden. Im Vergleich sind neben 2007 noch drei weitere schneereiche Novembermonate mit täglichen Schneehöhen (in cm) angezeigt: 1910, 1947 und 1952:

 
1910
1947
1952
2007
1.
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2.
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3.
10
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4.
10
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5.
5
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6.
5
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1 dbr.
7.
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.
4 dbr.
8.
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9.
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.
1
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10.
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.
23
17
11.
.
.
52
57
12.
20
.
58
43
13.
30
.
56
64
14.
30
.
58
80
15.
20
9
58
82
16.
10
26
58
83
17.
10
20
53
77
18.
10
16
50
75
19.
20
10
48
74
20.
30
5
48
65
21.
50
1
40
61
22.
60
.
29
59
23.
65
.
24
55
24.
80
.
29
49
25.
65
1
28
45
26.
60
9
27
58
27.
60
46
27
69
28.
58
39
21
72
29.
50
30
16
66
30.
40
28
14
72


Am Monatsende wurde dann auch der alte Niederschlagsrekord von 1947 (302 mm) knapp überboten, so dass die Wiedergabe der entsprechenden Reihe gerechtfertigt scheint:


Am 11. schließlich gab es ein Wintergewitter, das von 14.40 Uhr bis 15.02 Uhr dauerte. Nebel war entsprechend der Jahreszeit mit 18 Tagen recht häufig. Nur am 23. reichte es zu einer ordentlichen Alpensicht.

Der Herbst wurde, ganz im Gegensatz zum Vorjahr, mit 5,9°C Mitteltemperatur um 1,3 K zu kalt und sehr nass (494 mm entsprechen 166 % des 30-jährigen Mittels).

Nicht nur in Daxstein, auch auf dem Brocken wurde der bisherige Niederschlagsrekord gebrochen: 315,7 mm gab es heuer, bislang galten 306 mm als oberster Wert (1977); deshalb hier die Reihe:



In anderen Mittelgebirgslagen fehlte manchmal nicht viel, um den Rekord zu knacken: der Fichtelberg/Erzgebirge hatte 195 mm (2004: 218,6 mm). 

Ein schon öfter hier angesprochenes Phänomen zeigte sich auf dem Flughafen München im Erdinger Moos zum wiederholten Male: bei andauerndem Schneefall wird immer wieder viel zu wenig Niederschlag gemessen: am 14.11. etwa hatten alle Stationen im Münchner „Dunstkreis“ zwischen 4 und 7 mm Niederschlag (meist anhaltender, leichter Schneefall), der Flughafen aber völlig unerklärliche (und völlig falsche) 0,0 mm! Dies erklärt auch zum Teil die ungewöhnlich geringe Monatssumme des Niederschlags dieser Station (31 mm!).

Im nördlichen Mittelgebirgsraum gesellte sich zum reichlichen Niederschlag (z.B. Kassel 125 mm, Grenzwert 130 mm im Jahr 1890) auch noch eine große Sonnenscheinarmut: Kassel hatte 13 Stunden, das absolute Minimum wurde 1987 mit 11,1 Stunden erreicht. Die vollständige Reihe ist nachfolgend zu sehen:



Auf dem Kahlen Asten, dessen Sonnenscheinbeobachtungen ab 1934 vorliegen, gab es sogar den sonnenärmsten November: der alte Rekordwert von 1944 (6,0 Std.) wurde um 1,5 Stunden unterboten!

Der schon angesprochene Schneereichtum galt auch für einige Gebiete in der Schweiz: vom 10. auf den 11.11. erhöhte sich die Schneedecke in Davos um 62 und auf dem Weißfluhjoch um 68 cm: seit 1952 respektive 1944 hat es dort noch nie so viel Schnee in 24 Stunden im November „heruntergehauen“.

Wolfgang Webersinke, Dezember 2007