Witterungsbericht Mai 2007

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Zumindest, was den Niederschlag anging, war die Natur im Mai auf Ausgleich bedacht: statt Dürre nun kräftige und ergiebige Niederschläge fast überall, zum Teil rekordmäßig viel. Ansonsten: neunter in Folge zu warmer Monat und nur im Süden deutlich zu viel Sonnenschein.

Immerhin verzeichneten in Zenting-Daxstein 12 Tage eine zu tiefe Mitteltemperatur, dennoch war der Monat fast 2 K zu warm, besonders vom 21. bis zum 27. fielen vor allem die Nächte fast sommerlich aus. Am Morgen des 5.5. war die Aprildürre beendet und anschließende häufige Niederschläge förderten das Pflanzenwachstum ungemein. Zumindest in Süd- und Ostbayern kann von einer bevorstehenden Missernte - wie vom Bauernverband voreilig ausgerufen überhaupt keine Rede sein: wohl selten hingen die Obstbäume so voller Früchte und der prächtige Mais wächst fast beängstigend schnell in die Höhe.

Am 22.5. gab es bei einem Gewitter fast 15 Minuten kleinkörnigen Hagel ohne große Schäden. Nebel trat an drei Tagen auf, die Alpen waren nie zu sehen. Auf Rekordkurs der Frühling: Mit 9,7°C Mitteltemperatur (Abw. + 3,4 K) übertraf er den bisherig wärmsten von 1934 um 0,4 K (1934 9,3 und 2007 9,7°C). Die 285 mm Niederschlag lagen im Normalbereich (91 %).

Beginnen wir gleich mit dem Frühling: zumindest  in den letzten 150 Jahren gab es keinen vergleichbar warmen wie 2007, sei es in Frankreich, der Schweiz, Deutschland oder Österreich. In Karlsruhe z.B. waren nur 1811 und 1822 wärmer, für Wien steht 2007 an erster Stelle vor 2000 (ab 1775). In München muss sich 2007 nur ganz knapp von 1794 geschlagen geben, wie nachfolgende Grafik zeigt:



Aber nicht nur die Temperatur sprengte alles Vorherige, ähnlich war es bei der Sonnenscheindauer. Die bislang sonnigsten Frühjahre in München von 1934 und 1953 wurde geradezu deklassiert:


Richtung Bodensee erreichte die Sonnenscheindauer sogar fast 800 Stunden!

Als Ausgleich zum April gibt es diesmal wieder eine längere Liste mit großen 24-stündigen Niederschlägen:


 
Tag
Ort
Menge
5.5.
Herrenchiemsee
126,7 mm
Prien
112
Grassau
91,2
Warngau-Schäfflerhof
75,8
Hohenpeißenberg
54,9
7.5.
Braunlage
73,0
Brocken
67,1
Torfhaus
60,3
Schierke
59,5
8.5.
Ruhestein
105,2
Mummelsee
104,8
Feuerkogel
101
Marktschellenberg
77,9
St. Wolfgang
72
Lunz am See
70
Mariazell
57
Gmunden
56
9.5.
Lunz am See
66
Feuerkogel
57
Mariazell
51
14.5.
Neukirchen
57,9
Görlitz
52,7
15.5.
Rudolfshütte
56
16.5.
Alberschwende
55,2
17.5.
Warth
52,7
20.5.
Langeoog
52,3
22.5.
Zwickau
80
Cottbus
71,1
Bad Muskau
62
Hähnichen-Trebus
59,5
25.5.
Wahlen
53,4
26.5.
Niederstetten
67
27.5.
Welzow
62,7
Hopferau
60,6
Guteborn
50,8
28.5.
Neuglienicke
61,2
29.5.
Nennhausen/Havelland
90,5
Alberschwende
89,9
Warngau-Schäfflerhof
89,1
Aschau-Stein
87,9
Großhartpenning
81,8
Kreuth-Glashütte
78,4
Kufstein
69
Achenkirch
54,4


Die fett gedruckten Werte des Brockens (ab 1895), von Braunlage (ab 1891) und von Cottbus (ab 1883) sind auch absolute Rekordwerte für den Monat Mai.

An mehreren Stationen vom Niederrhein über das norddeutsche Flachland (inklusive Harz) bis nach Brandenburg und in Straubing (als isolierte süddeutsche Station) würden alte Rekordmarken des nassesten Maimonats gelöscht und von 2007 überboten:



 
Ort
Monatssumme Mai 2007
Rekord bisher
Reihe ab
Brocken
317 mm
256 mm
1895 m.U.
Braunlage
236
168
1931
Clausthal-Zellerfeld
280
229
1854
Osnabrück
163
157
1871
Hannover
171
154
1856
Soltau
130
113
1891
Marnitz
132
113
1864
Cottbus
175
173
1883
Gardelegen
137
124
1871
Bocholt
133
131
1891
Berlin-Dahlem
148
145
1848
Straubing
135
133
1879


Von Osnabrück, Hannover und Gardelegen folgt eine grafische Aufbereitung:


Manchmal fehlten nur ein paar Millimeter zum absoluten Höchstwert, wie etwa In Frankfurt/Oder (2007 154, 1932 162 mm), Potsdam (2007 153, 1899 157 mm) oder Helgoland (2007 101, 1983 103 mm).

Alles in allem erneut ein besonderer Monat, der weit von der Normalität abwich.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Juni 2007