Witterungsbericht Februar 2007

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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In beinahe regelmäßiger Gleichförmigkeit seit September 2006 fiel auch der dritte Wintermonat wieder deutlich zu mild und extrem schneearm aus, was verbreitet den wärmsten Winter in Mitteleuropa seit mindestens 200 Jahren zur Folge hatte.

Obwohl keine besonders hohen Temperaturen im Februar vorkamen (2007 steht an fünfter Stelle seit Beobachtungsbeginn 1891), ergab es sich doch als Kuriosum, dass selbst in Zenting-Daxstein kein einziges Temperatur-Tagesmittel unter dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 lag! Trotzdem konnte sich die Januarschneedecke, die in der ersten Dekade noch tageweise etwas Zuwachs bekam, wenn auch zuletzt nur durchbrochen, bis zum 23.2. retten. Dazu kam noch ein kräftigerer Schneefall mit 9 cm zum Monatsletzten. Genauso viele Schneedeckentage wie Daxstein (24) hatte auch Klingenbrunn/Bahnhof. Niederschläge fielen wieder reichlich, nur vom 16. bis 24. war es überwiegend trocken. Am 27. ereignete sich noch ein stärkeres Wintergewitter. Nebel bildete sich an 17 Tagen und am 10. sowie 16. und 17. waren die Alpen zu sehen.

In den mittleren Lagen des Bayerischen Waldes wurde der Winter 2006/07 mit erheblichem Abstand zum wärmsten je gemessenen: Die Mitteltemperatur von Daxstein betrug + 1,9°C (Abw. + 3,8 K), von Klingenbrunn/Bahnhof + 0,7°C (Abw. + 3,9 K) und in Saldenburg-Entschenreuth + 2.0°C (Abw. + 4,3 K). Der bisher mildeste Winter in Daxstein war 1997/98 (1,0°C). Mit seinen nur 40 Tagen mit geschlossener Schneedecke steht er an zweiter Stelle der schneeärmsten Winter seit Beginn dieser Beobachtungen (zuerst in Zwiesel-Rabenstein 1883/84); die wenigsten Schneedeckentage hatte 1971/72 (38 Tage). Die Niederschlagsbilanz des Winters in Daxstein: 492,4 mm (das sind 133 % des Mittels).

Im Blick auf den mitteleuropäischen Raum zeigt sich, dass praktisch nirgendwo extreme Tageswerte der Temperatur oder des Niederschlags auftraten: in Deutschland etwa stieg die Temperatur maximal auf 17,5° am 16. in Aachen und zwei Tage vorher erreichte die Tagessumme des Niederschlags auf dem Ruhestein im Schwarzwald (ein ausnehmend feuchter Ort!) 48,3 mm und am 28. in Freudenstadt 50,0 mm. Allein für Lugano wird die höchste Februarmitteltemperatur seit Beobachtungsbeginn 1864 gemeldet: 7,1°C.

Umso interessanter fällt die Winterbilanz 2006/07 aus: ganz verbreitet handelte es sich heuer um den wärmsten Winter der instrumentellen Periode, also seit Mitte des 18. Jahrhunderts (nur aus Berlin wird 1755/56 noch ein wärmerer Winter gemeldet). Außer ein paar Tagen gegen Ende Januar, als es vor allem in Süddeutschland zu einer kleinen Winterepisode kam, herrschten milde West- und Südwestlagen vor und trieben die Temperaturen auf ein fast frühlingshaftes Niveau. Auch in alten Reihen (150 Jahre und älter) war der diesjährige Winter meist 0,5 bis 1 K wärmer als der bisherige Rekordhalter. Sobald es aber auf die Berge ging, war 2006/07 nicht ganz so extrem (Beispiel Hohenpeißenberg: zwei Winter wärmer als heuer). Hier nun eine kleine Rekordliste mit den Wintermitteltemperaturen von 2006/07:



 
Ort
Tm
Hamburg
5,4°C
Schwerin
4,8
Greifswald
4,7
Emden
6,1
Bremen
5,4
Hannover
5,6
Berlin-Dahlem
4,8
Leipzig-Schkeuditz
4,9
Dresden-Klotzsche
4,6
Görlitz
3,9
Aachen
6,2
Erfurt
3,1
Halle-Kröllwitz
5,4
Frankfurt am Main
5,5
Trier-Petrisberg
5,2
Würzburg
4,7
Bamberg
4,4
Karlsruhe
5,9
Nürnberg
4,1
München/Land
3,5
München/Stadt
4,6
Bregenz
4,1
Kremsmünster
3,6
Wien
4,9
Basel
5,3
Zürich
3,9
Locarno-Monti
6,2
Lugano
6,3
Genève
4,4


Meist lagen diese Mitteltemperaturen um 3 bis 5 Kelvin über den langjährigen Werten. Oft waren die bisher wärmsten Winter in den Jahre 1974/75 oder 1915/16. Für München fiel ein ganz alter Rekord, denn bisher war der Winter 1833/34 der wärmste. Deshalb hier die Grafik der Tagesmitteltemperaturen dieser beiden Winter:


Interessant, dass zur Zeit der größten Wärme im Januar 1834 im heurigen Winter die einzige wirkliche Kälteperiode auftrat.

Auf dem Hohenpeißenberg war 1989/90 der mildeste aller Winter, im Vergleich dazu der diesjährige:



Schließlich noch die Wintermitteltemperaturen von München und vom Hohenpeißenberg (dort sind die Winter von 1795/96 und 1989/90 noch wärmer als diesmal gewesen) seit 1781/82. Fast immer verlaufen die Kurven gleichförmig, nur dass die Kälte in München insgesamt stärker ausgeprägt ist als auf dem Voralpenberg:


Außergewöhnlich war auch die Schneearmut im heurigen Winter. In München etwa wurden nur 8 Tage mit geschlossener Schneedecke gezählt (allesamt im Januar); seit 1879 gab es nur 1924/25 noch weniger solcher Tage (5). Auch vermerkte man 2007 den dritten schneelosen Februar der Stationsgeschichte (nach 1926 und 1966). In Südösterreich blieben tiefe Lagen sogar völlig ohne Schneedecke.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, März 2007