Witterungsbericht Dezember 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Die seit vielen Monaten anhaltende, temperaturmäßig  stark übernormale Witterung riss auch im Dezember nicht ab und bescherte fast durchgehend zu milde Tage mit (zumeist)  viel Sonnenschein und zu wenig Niederschlag.

Auch in Zenting-Daxstein war dies der Fall: nur der 2., sowie der 27. und 28.12. waren gegenüber dem 30jährigen Mittel zu kalt, alle anderen Tage zu warm. Besonders der 8. brachte hohe Maxima: Daxstein 11,2, Klingenbrunn/Bahnhof 13,4 und Saldenburg-Entschenreuth 14,3°C. Die Monatsmitteltemperaturen erreichten in Klingenbrunn – 0,2, in Entschenreuth 0,7 und in Daxstein 1,7°C. Für Daxstein bedeutet dies den drittwärmsten Dezember der seit 1891 errechneten Temperaturbeobachtungen (zusammen mit 1979 und nach 1915 [1,8°] und 1934 [3,9°]). Zu Eistagen kam es nur ein- (Klingenbrunn am 19.) bis zweimal (Daxstein am 28. und 29. im Dauernebel), was für unsere Gegend äußerst ungewöhnlich ist. 1934 war  im Bayerischen Wald aber konkurrenzlos in seiner Wärme (Tm in Metten 4,0 und in Daxstein 3,9°C) mit nur 5 Frosttagen in Metten und 1 bis 3 Tagen Schneedecke, je nach Höhenlage.

Noch erstaunlicher war die Schneearmut. Nach einem der schneereichsten Winter, den es je gab, geizt 2006/07 mit Schnee wie kaum vorher. Der meiste Niederschlag in Daxstein fiel als Regen, nur am 28.12. sorgte ein Höhentief ab dem  Abend für eine dreitägige Schneedecke mit 6 cm größter Höhe am 29. Die seit 1883 nachweisbaren Schneehöhenmessungen (beginnend in Zwiesel-Rabenstein und dann aus Buchenau) zeigen, dass drei Tage mit geschlossener Schneedecke seit dieser Zeit als das absolute Minimum für mittlere Höhenlagen im Dezember gelten können. Neben heuer war das nur 1924 und 1934 der Fall. 1935 gab es aber dann im Januar reichlich Schnee, während 1925 auch der Januar extrem schneearm war. Übrigens verlief der Jahreswechsel zum elften Mal seit 1883/84 ohne Schneedecke (zuletzt vorher 1987/88). An weiteren Werten wäre noch anzumerken: 14 Nebeltage und 13 Tage mit (teilweise herrlicher) Alpensicht (=Sichtweiten größer als 100 km).

Bei der Erweiterung des „Wetter“-Blickfelds fällt die Ereignislosigkeit bei Niederschlagsexzessen, zumindest in Deutschland und Österreich, auf; nur von der Krunkelbachhütte wurde überhaupt ein Wert von mehr als 50 mm in 24 Stunden gemeldet: 54,1 mm am 31.12. In Niederösterreich immerhin war es teilweise sehr trocken, wie die Monatsmengen von 3 mm in Retz oder von 7 mm in Zwettl zeigen. Im Tessin brachte der 8.12. hohe Tagesmengen: Locarno-Monti 99 und Lugano 70,2 mm – beides aber keine Rekordwerte. An der Côte d’Azur regnete es am 2. so viel wie schon lange nicht mehr an einem Dezembertag: Nice-Aéroport 73 und Fréjus 195 mm. Die Grenzwerte der Monatssummen schwankten in Deutschland zwischen 13,3 mm (Jena-Sternwarte) und 135,3 mm auf dem Brocken.

Bei den Temperaturen gab es so manches „Highlight“, wie die folgende Tabelle beweist. In München reichte es zum höchsten Maximum am 8.12., am selben Tag in Salzburg/Flughafen sogar knapp zum absoluten Maximum für Dezember in der seit 1842 bestehenden Temperaturreihe (alter Höchstwert 18,6°C am 17.12.1989):


 
3.12.
Landsberg am Lech
17,8°C
Weil am Rhein
17,1
5.12.
Heitersheim
18,6
Müllheim/Baden
18,5
Basel-Binningen
18,1
Stuttgart-Neckartal
17,9
Bregenz
16,5
München
16,1
6.12.
Leibnitz
17,5
Gutenstein
17,1
Reichenau
17,0
8.12.
Dornbirn
20,6
Feldkirch
19,9
Bregenz
19,3
Salzburg-Freisaal
19,2
St. Wolfgang/OÖ
19,1
Sigmarszell-Zeisertsw.
19,0
Vaduz
18,8
Salzburg/Flughafen
18,7
Kufstein
18,2
München
17,0
15.12.
Schwarzenberg/Sachsen
17,0

In Emden gab es ebenfalls  noch einen absoluten Temperaturrekord für Dezember: 14,0°C am 6.12.

Die beständige Zufuhr milder Meeresluft zusammen mit der ungewöhnlich warmen Nord- und Ostsee bescherte den Gegenden nordöstlich einer Linie, die von der gesamten Nordseeküste über die Lüneburger Heide über den Raum Magdeburg bis ins mittlere Brandenburg (einschließlich Berlin) reicht, den wärmsten je registrierten Dezember. Die alten Rekordmarken (oft von 1934) wurden zum Teil deutlich überboten:


 
Schwerin
6,0°C
ab 1856
Warnemünde
7,0
ab 1901
Potsdam 
5,2
ab 1893
Berlin-Dahlem
5,7
ab 1908
Magdeburg
5,9
ab 1851
Lindenberg/Brb.
5,0
ab 1901
Hamburg
6,7
ab 1878
Greifswald
6,4
ab 1879
Emden
7,1
ab 1851

Selbst der Fichtelberg konnte das zweithöchste Monatsmittel seiner Wettergeschichte  vermelden, da hier auch noch die milde Inversionslage der zweiten Monatshälfte zum ohnehin vorhandenen Temperaturüberschuss beitrug (0,4°C). Letztere Station sowie Schwerin sind auch als Grafiken zu sehen:



Sehr unterschiedlich fiel die Bilanz der Sonnenscheindauer aus: während der Norden wenig von der Sonne verwöhnt wurde (Emden 28, Kiel 22 Stunden), wurden im Süden stellenweise alte Höchstwerte gebrochen. In Basel (112 Stunden) und Innsbruck (131 Stunden) wurden die alten Bestmarken nur um eine Stunde verfehlt (Basel 1951 113 und Innsbruck 1989 132 Stunden). Zum sonnigsten Dezember ab Messbeginn reichte es dagegen in Augsburg (94 Stunden, ab 1947), München (110,5 Stunden; alte Bestmarke: 105 Std. 1972) und in Karlsruhe (83,4 Stunden, alte Bestmarke: 82 Std. 1940 und 2003; ab 1895). Die Grafik von München  folgt hier:


Auch im Januar werde ich mich wohl nicht kurz fassen können, da sich schon jetzt eine Rekordwärme abzeichnet.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 13.1.2007