Witterungsbericht November 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Wärmster Herbst seit Beginn der Instrumentenbeobachtungen


Nach dem ebenfalls deutlich zu warmen November 2006 ist der Fall eines extrem warmen Herbstes eingetreten, wie er sich selbst in den ältesten Temperaturreihen nicht findet.

Zunächst zu Zenting-Daxstein. Gleich zu Beginn des Monats kam es zu den ersten winterlichen Witterungserscheinungen, wie Schneefall (1.11.), erster Schneedecke und erster Frosttag (beide am 2.11.). Nur der erste Eistag lässt auch im Dezember weiter auf sich warten. Die ersten fünf Tage waren auch die einzige zusammenhängende Periode mit unternormalen Temperaturen im diesjährigen Herbst. Anschließend dominierte milde Witterung mit teils nebligen Verhältnissen (an 14 Tagen insgesamt) oder (bei föhnigem Südwind) mit Alpensicht (an 10 Tagen). Lediglich am 12. und 13. gab es nochmals Schnee und Schneeregen. Schließlich errechnete sich eine Herbstmitteltemperatur von 10,2°C (genau 3 K zu warm), was zum weitaus wärmsten Herbst in Daxstein seit mindestens 1891 führte (bisheriger Rekord aus dem Jahr 1947: 9,4°C, gleich danach 1982 mit 9,3°C). Die Niederschlagsmenge hatte nur 196,5 mm (66 % des 30jährigen Mittels).

Zu Monatsbeginn zog ein Sturmfeld besonders die Nordseeküste in Mitleidenschaft: Harlesiel 144, Baltrum, Borkum und Pellworm je 141 km/h Spitzenbö. Am 3.11. kam es auf der Alpennordseite im Gebiet von Salzburg und im oberösterreichischen Salzkammergut zu Rekordschneefällen für Anfang November: Zell am See 24, Radstadt 35, Mondsee 40 und Vorderer Gosausee 60 cm. Tags darauf fiel das Thermometer in Haidmühle auf 11,1 und in Klingenbrunn/Bahnhof auf 8,1°C.

Besonders ausgiebige Niederschläge ereigneten sich an nur wenigen Tagen: Lunz am See/Niederösterreich 54 mm am 5.11., Galzig/Tirol am 12.11. 88 mm und schon wesentlich beachtlicher am 17.11. in Aubenas 137,4 und Montélimar 127,8 mm (dort die höchste Tagesmenge für November der Messreihe).

Ansonsten machte der November nur durch hohe Tagestemperaturen von sich reden, die vor allem auf der Alpennordseite oft durch Föhn noch einmal gesteigert wurden. Hier nun die entsprechende (lange) Liste:


 
7.11.
Lechfeld
18,7°C
Landsberg
18,7
8.11.
Reichenau/Rax
19,5
16.11.
Bretten
21,7
Niederstetten
21,6
Feldkirch
21,5
Zwickau
21,4
Aue
20,9
Ihringen
20,8
Bden-Baden
20,8
Landsberg
20,7
17.11.
Leibnitz
20,5
Rudolstadt
19,7
24.11.
Feldkirch
20,6
25.11.
Feldkirch
22,7
Bad Ragaz
22,2
Fischen/Allgäu
22,2
Dornbirn
22,2
Vaduz
22,1
Freiburg i.Br./Uni
22,0
Müllheim/Baden
21,8
Oberstdorf
21,3
Freiburg-Ebnet
21,2
Alberschwende
20,5
Reutte
20,0
Kiefersfelden
20,0

Am letztgenannten Tag wurden viele Dekadenrekorde für Ende November gebrochen. Vor allem in den Föhnstrichen war es auch in der Nacht vom 24. auf 25.11. extrem warm; Feldkirch in Vorarlberg etwa meldete um 3.00 Uhr MEZ 20,4°C!

An zwei Stationen in Deutschland wurde sogar der wärmste November seit mindestens 130 Jahren verzeichnet: in Hamburg mit 8,1°C (bisher 7,8°, 1938) und in Emden mit 9,0°C (bislang 8,7°, 1899; ab 1851). Die Grafik von Hamburg folgt:



Jeglichen bislang gekannten Rahmen sprengten aber die Mitteltemperaturen der drei Herbstmonate 2006 insgesamt: in fast ganz West- und Mitteleuropa sowie in Südskandinavien (z.B. Oslo) wurden die bisherigen wärmsten Herbste oft um mehr als 1 K übertroffen (meist 1987, 1982, 1947). Als Beispiele in den Grafiken wurden der Hohenpeißenberg und Wien/Hohe Warte ausgewählt. Auf dem Hohenpeißenberg war bis heuer 1810 der wärmste Herbst (10,0°C), 2006 erreichte gleich 11,2°; Wiens Rekordhalter stammte von 2000 (11,8°), heuer waren es 12,5°. Ob München, Hannover, Lyon oder Berlin, überall bietet sich ein ähnliches Bild. 


Nach dem Sommer 2003 (immer noch beispiellos in seiner Ausprägung) hat der Herbst 2006 neue Höhen der Temperaturabweichung gebracht, wie sie in der andauernden Wärme-Periode wohl nun immer öfter auftreten.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 9.12.2006