Witterungsbericht Oktober 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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An den oft spätsommerlichen September schloss sich ein ebenso übernormal warmer Oktober an, so dass die Temperaturen der beiden Monate in größeren Bereichen Mitteleuropas die bisherigen höchsten Mitteltemperaturen erreichten oder sogar überschritten (z.B. in Zürich; in München steht 2006 an zweiter Stelle nach 1942). Bei mildem Novemberverlauf ist sogar der wärmste Herbst aller (mit Messungen belegten) Zeiten zu erwarten.

Auch in Daxstein handelte es sich 2006 um den zweitwärmsten der Messreihe (nach 2001). Zu kühl waren nur der 5., 6., 7., 16. und 17. Oktober. Viele milde Herbsttage und eine 15tägige Trockenperiode vom 8. bis 22.10. prägten das Witterungsbild. Zu Nebel kam es an 7 Tagen, die Alpen waren am 22., 26. und 30. zu sehen. Abendliches Wetterleuchten am 29. kündete von einem fernen Gewitter im Südosten.

Meistens war der Oktober 2001 (teilweise auch 1995) wärmer als heuer. Zu den absolut höchsten Mitteltemperaturen reichte es vor allem an der Nord- und Ostseeküste (wohl auch ein Effekt der sehr hohen Wassertemperaturen), in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und südwärts bis ins Rhein-Main-Gebiet, wobei örtlich nur am Rekordwert „gekratzt“ wurde, wie nachfolgende Tabelle zeigt:


 
Ort
Tm Okt. 2006
Alter Rekord +Jahr
Kiel
13,0 °C
12,7
2001
Hannover
13,5
13,5
2001
Hamburg
13,0
12,9
2001
Greifswald
12,5
12,4
2001
Warnemünde
13,2
13,0
2001
Schwerin
12,6
12,6
2001
Magdeburg
13,2
12,6
2001
Frankfurt am Main
13,4
13,4
2001
Kassel
12,3
12,3
2001
Geisenheim
13,3
13,1
2001

Für Kiel und Kassel wurden die entsprechenden Grafiken erstellt:



Sehr warm wurde es am 3. Oktober im Osten Österreichs, als in Wien-Schwechat die höchste Oktobertemperatur seit mindestens 1948 erreicht wurde (bisher 27,1°C am 2.10.1956). Nicht in Gefahr geriet der Höchstwert von Eisenstadt: 30,1°C am 1.10.1956:


 
3.10.
Wien-Schwechat
27,8°C
Wien/Innenstadt
27,7
Eisenstadt
27,7
Wiener Neustadt
27,4


Das besonders Außergewöhnliche waren dann die Höchstwerte am 26. Oktoberin mittleren Höhenlagen. Zu einem solch späten Termin hatte es noch nie auf dem Hohenpeißenberg einen Sommertag gegeben, ebenso auf dem Klippeneck (Messungen dort seit 1927); beide in knapp 1000m Höhe. Gleiches gilt für Davos (Beobachtungen ab 1901) und Altdorf in der Schweiz:


 
26.10.
Grenoble-LeVersoud
30,8°C
Vaduz
28,8
Emmendingen-Mundingen
28,6
Müllheim
28,3
Heitersheim
27,8
Bad Ragaz
27,6
Altdorf/CH
27,5
Klippeneck
25,8
Hohenpeißenberg
25,2
Reutte/Tirol
24,5
Davos
20,7


In Grenoble war es nur ein einziges Mal noch heißer im Oktober, dies allerdings am Monatsanfang (!): 31,3°C am 4.10.1966.

Am 27.10. 2006 gab es vereinzelt in Österreich nochmals einen Sommertag: Puchberg 25,3 und Reichenau/Rax 25,9°C.

Beim Niederschlag waren einzelne Tage wieder sehr gut beregnet, ohne dass allerdings außergewöhnliche Mengen gemessen wurden (nur in Toulouse-Blagnac kam es bei einem Gewitter am 11.10. zum höchsten je vorgekommenen 24stündigen Niederschlag: 68,6 mm):



 
3.10.
Locarno-Monti
155 mm
San Bernardino
135
Cimetta
132
Epinal
72
Krunkelbachhütte
69,3
Feldberg/Schwarzw.
59,4
Ruhestein
53,8
Bischofsgrün
53,5
Lahr
51,8
Warth
51


 
23.10.
Schöntal/Jagst
54,6 mm
Hirschhorn/Bergstr.
54
Feldberg/Schwarzw.
53
Öhringen
48,5


Am 29.10. schließlich hatten die Rudolfshütte im Salzburger Land 59 und Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge 50,5 mm.

In Wien/Hohe Warte schien die Sonne besonders andauernd und der seit 35 Jahren bestehende Sonnenscheinrekord des Oktober (1971: 203 Stunden) wurde um 8 Stunden übertroffen. Die Grafik ist hier zu sehen:



Schon im September kam der Osten Österreichs nahe an die Grenzwerte heran, so dass hier ein ganz ungewöhnlicher Sonnenscheinüberschuss konstatiert werden muss.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 11.11.2006