Witterungsbericht September 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Das Jahr 2006 liebt offensichtlich die Gegensätze: nach dem verregnet-kühlen August gebärdete sich der September wieder spätsommerlich und brachte gebietsweise Rekorde bei den Wärmegraden, heftige Gewitter und viele Sonnenstunden.

In Zenting-Daxstein reichte es am Ende zum viertwärmsten September der seit 1891 bestehenden Messreihe (zusammen mit 1932 und knapp nach 1999 [15,4°] und 1975 [15,5°], aber weit entfernt der September 1947 mit 17,1°). Nur zwei Tage waren gegenüber dem 30jährigen Mittel zu kalt (der 1. und der 8.9.). In Klingenbrunn/Bahnhof war es sogar der wärmste September seit mindestens 1974. Es gab zwei Gewittertage, fünfmal Nebel und am 2.9. Alpensicht.

Während es in Süddeutschland nur vereinzelt zum wärmsten September der letzten gut 100 Jahre reichte (z.B. Zugspitze, Stuttgart-Schnarrenberg, Karlsruhe), gilt dies in höherem Maße für Nord- und Ostdeutschland, wobei aber nirgends flächendeckend die bisherigen Rekordwerte gebrochen wurden; generell ausgenommen davon ist ganz Sachsen. Den wärmsten September der langen Beobachtungsreihen verzeichneten: Kiel (anbei die Temperaturgrafik), Emden, Göttingen, Greifswald, Schwerin, Warnemünde, Cottbus, Lindenberg, Aachen (siehe die Temperaturgrafik), Greven und Magdeburg; Angermünde egalisierte seinen Rekord. Andernorts blieb 2006 nur wenige Zehntel unter dem absoluten Höchstwert (z.B. Berlin-Dahlem). Verbreitet rekordmäßig verlief der September 2006 in der Nord- und Ostschweiz (Säntis: vgl. hierzu die Grafik, Zürich, Basel), zum Teil auch in Österreich (z.B. in Kremsmünster).

Auch die seit 1706 bestehende, lange Reihe von De Bilt in den Niederlanden meldete den wärmsten September aller Zeiten.



Besonders außergewöhnlich ist diese Septemberwärme angesichts der vorausgehenden tiefen Augusttemperaturen. Von der Schweiz bis nach Süddeutschland ist in der instrumentellen Periode (ab Mitte des 18. Jahrhunderts) noch nie ein solcher Temperaturanstieg vom August zum September vorgekommen wie heuer. Bislang galten ein halbes bis zwei Kelvin als Grenzwert, diesmal wurden es bis über 5 Kelvin (Zugspitze 5,0und Säntis 5,4 K!):


 
Bisher größte
Erwärmung
Erwärmung
2006
Aug. zu Sept.
Berlin
2,0 K1728
0,7 K
Wien
0,2 K1866
0,5 K
Basel
1,0 K1961
1,7 K
München
0,4 K1961, 1987
1,6 K
Hohenpeißenberg
1,7 K1961
3,3 K


In der jüngeren Vergangenheit gab es solche Erwärmungen vor allem 1961 und 1987, aber in viel geringerem Ausmaß als 2006. Diese Tendenz wurde von Frankreich bis nach Österreich beobachtet, eben da, wo es im August ausnehmend kalt gewesen war.

Am Monatsersten wurde aus anfälligen Lagen noch Luftfrost gemeldet (Mariapfarr im Salzburger Lungau 0,3°C), drei Tage später kam es zu den höchsten je gemessenen Septembertemperaturen von Osttirol bis in die südliche Steiermark: Lienz 31,9, Graz-Thalerhof 33,1 und Villach 33,7°C. Am 6.9. schließlich erreichte der Säntis die absolut höchste Septembertemperatur seiner Beobachtungsgeschichte: 17,6°C (bislang 17,0° am 17.9.1975). Sonst gab es keine sehr hohen Maxima, vielmehr waren eher die Nächte sehr mild.

Bedingt durch die hohen Temperaturen waren auch die kräftigen Niederschlagsereignisse noch sehr zahlreich, wie die Tabelle der hohen Tagessummen zeigt:



 
7.9.
Feldberg/Schwarzwald
64,9 mm
Murnau
54,5
Sonthofen-Breiten
53,5
Oy-Mittelbg.-Petersthal
52,0
Warngau-Schäfflerhof
51,1
Aßling/Lkr. EBE
49,8
11.9.
Galzig/Tirol
54
16.9.
Vaduz
92
Warth
60
Brand/Vorarlberg
58,7
Schwangau-Horn
58,6
17.9.
Schauinsland
105
Dillenburg
103,3
Kandern-Sitzenkirch
93,4
Gersbach
93,2
Freiburg-Ebnet
87,3
Fahy-Boncourt
75
Eppenbrunn
74,5
Wynau
74
Freiburg-St. Georgen
72,4
Luzern
70
18.9.
St. Wolfgang/OÖ
99
Marktschellenberg
86,1
Salzburg-Freisaal
81
Salzburg/Flhf.
76
Weidenberg-Görschnitz
70,5
Ruhpolding
68,4
Teisendorf
67,8
Winklmoosalm
66,8
Bad Steben
60,5
25.9.
Friedrichshafen-Unterraderach
59,4
Kisslegg
57,4
30.9.
Freiburg im Breisgau
56,6
Ummendorf
55,3


In Frankreich kam es jahreszeitgemäß zu noch weit höheren 24stündigen Tagesmengen:


 
13.9.
Solenzara/Korsika
195,6 mm
Conquérac
170
Montpellier
101,8
14.9.
Bastia/Korsika
153,0
15.9.
Nevers-Marzy
71,0
17.9.
Epinal/Champagne
88,0
24.9.
Mont Aigoual
184,6
Cap Cépet
158,4
Toulon-LaMitre
137,4


Wie schön öfter variierten die monatlichen Niederschlagssummen sehr stark: während in Weißenburg/Bayern der trockenste September seit mindestens 1879 beobachtet wurde (5,0 mm, siehe Grafik), gab es in Freiburg im Breisgau den zweitnassesten September seit 1887 (202,4 mm, nach 1940):


Zentraleuropa erlebte auch einen sehr sonnigen September, was sich besonders in Ostösterreich auswirkte: Wien erreichte fast den Sonnenscheinrekord von 1997 (271 Stunden, heuer 268). In Deutschland hingegen blieb der September 1959 völlig ungefährdet.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Oktober 2006