Witterungsbericht Mai 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der heurige Mai blieb deshalb in so negativer Erinnerung, weil die Wärme- und Niederschlagsverteilung invers zum üblichen Monatsverlauf vonstatten ging: in Daxstein gab es bis zum 20. Mai nur zwei  etwas zu kalte Tage (der 1. und der 14.), die anderen Tage waren meist leicht übernormal temperiert; anschließend aber war es markant zu kühl. Der Niederschlag machte sich erst rar, denn bis zum 12. waren lediglich 2,0 mm gefallen. Ab dem 13. fiel überreichlich Niederschlag (siehe auch die erstmals veröffentlichten täglichen Werte!).

Die dritte Dekade brachte in Daxstein 182,6 mm Regen, davon allein 70,8 mm von Mittag des 26. bis zu den frühen Morgenstunden des 27. Diese Menge bedeutet die dritthöchste Maitagesmenge seit 1895 (nach 73,0 mm  am 17.5.1902 und sagenhaften 123,3 mm am 30.5.1932). Im letztgenannten Mai 1932 war auch die dritte Dekade noch nasser als 2006 (201 mm). Die gesamte Monatsmenge erreichte sogar den zweithöchsten Wert der Reihe ab 1876 (nur 1932 noch deutlich mehr: 266 mm); der Hochwassermai 1932 ist auch mit einer Grafik der täglichen Mengen vertreten wie auch die Maimonate ab 1876:

2006 geht auch als das nasseste Frühjahr der gesamten Messperiode ein: 620,0 mm bedeuten 199 Prozent des Mittels 1961 bis 1990. Bislang galt 2001 als feuchtestes Frühjahr (mit 590 mm). Auch hier die Grafik der Frühlingsniederschläge in Daxstein:

Nach dem Winter war auch das Frühjahr zu kalt (5,8°C statt 6,3°).

Gewitter waren im Mai seltener als im April (am 9., 13., 14., 16. und 25.). Nebel bildete sich an 6 Tagen. Am Monatsletzten kam es auch zu Graupel und Hagel.

Im Überblick von Deutschland, Österreich und der Schweiz beginnt der Mai 2006 mit häufigem Nachtfrost (Seefeld 1,7°C, Zwiesel 2,0°C). Zwei Tage später schaffen Kalkar 28,2 und Ihringen 28,1°C. Am 7.5. gibt es im Lungau wieder Nachtfrost (St. Michael 2,4°C), ebenso am 15. in der Lüneburger Heide (Fassberg 1,1°C).

Die 50-mm-Marke wird zum ersten Mal  am 8.5. überschritten: Höchenschwand 52,3 und Marlsburg-Marzell 50,3 mm. Danach wieder am 16. (Aschau-Stein 51,8 mm) und am 19. (Spittal an der Drau 59 mm).

Der 20. bringt orkanartige Böen: Weinbiet 159 km/h, Würzburg 126 und Wertheim 124 km/h.

Der 22. wird zum ersten und einzigen Sommertag im Alpenvorland; München 28,4°C, Augsburg 29,0, Salzburg-Freisaal 29,3°C.

An den Tagen vom 26. bis 29.5. überschreitet die Niederschlagsmenge in verschiedenen Gebieten die 50-mm-Marke: am 26. im Bayerischen Wald und in der Rhön: 
 


 
Daxstein
70,8 mm
Buchenau
70,1
Gr. Arber
68,2
Grainet-Rehberg
63,2
Zwiesel
56,6
Wasserkuppe
52,6

Am 27.5. verlagerten sich die Dauerniederschläge in die Oberpfalz und das Fichtelgebirge:


 
Mähring/DWD
69,4
Mähring/MM
61,4
Fichtelberg-Hüttstadl
60,0
Ludwigschorgast
55,5


Am 28.  ist dann das Allgäu dran: Balderschwang 55,8 mm und Oberstdorf-Birgsau 51,8 mm und am 29. der Schwarzwald: Todtmoos 62,2 mm.


Zum Monatsende wird es schließlich so kalt, dass es vereinzelt bis in tiefere Lagen eine geschlossene Schneedecke gibt: Immenstadt-Reute am 30. 4 cm und am 31. in Meiringen im Schweizer Haslital (595 m) 2 cm.

Im ganzen Monat summierten sich die Niederschläge in einzelnen Regionen zu Mengen, die nahe an die bisherigen Rekordwerte kamen oder sie sogar überschritten. Im Bayerischen Wald war in Daxstein nur 1932 nasser, in Klingenbrunn/Bahnhof (181,4 mm) war es 2001, 1965 und 1932 feuchter. In der östlichen Oberpfalz und im östlichen Oberfranken  gab es an einigen Orten absolute Rekorde für Mai seit mindestens 1901: Kronach (163,4 mm), Mähring (196,2), Schönsee (174,0) und Waidhaus (157,9 mm). Die 142 mm von Weiden wurden nur einmal (mit 149 mm) überboten. In Bamberg war 2006 der zweitnasseste Maimonat seit 1951 nach 1984.

Aber auch am Niederrhein war es sehr feucht: Kleve hatte seit 1931 nur 1983 und 1972 noch mehr Niederschlag und auf dem Säntis (2006: 406 mm; aber Achtung wegen der schwierigen Verhältnisse beim Messen des Niederschlags im Hochgebirge!) zeigen seit 1883 nur zwei Jahre noch höhere Maimengen: 1999 und 1933 (damals allerdings 696 mm).

Mit dem Juni beginnt dann der erste Sommermonat mit Nachtfrost.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Juni 2006