Witterungsbericht Januar 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Mit dem Januar setzte sich insgesamt ein durchaus hochwinterlicher Witterungsabschnitt fort. Während aber in den Niederungen die Temperaturen teilweise auf sehr tiefe Werte absanken trotz des Mediengeschreis aber noch weit entfernt von den bisherigen Grenzwerten blieb der Januar in Zenting-Daxstein insgesamt normal temperiert.

Alle Tage brachten Frost, aber nur an vier Tagen unter minus 10 Grad. An den ersten vier Monatstagen gab es etwas Neuschnee, dann erst wieder in großer Menge am 17. und 18. (am 18. morgens 35 cm Neuschnee) sowie nochmals am 21., so dass am 22. 137 cm Schnee lagen; eine solche Schneehöhe schon im Januar ist auch bei uns selten, zum letzten Mal gab es 1981 noch mehr. Am 28. und 29. lagen wir zum Ausgleich über der Inversion in milder und sehr trockener Luft, die relative Luftfeuchtigkeit ging bis auf 17 % zurück (noch weniger zuletzt am 15. und 31.1.1991 mit nur 14 %), dazu lagen die Alpen majestätisch quasi "vor der Haustür" (Alpensicht an insgesamt 5 Tagen). Im Monatsmittel hatten wir nur 71 % Luftfeuchtigkeit, was wohl der tiefste Wert überhaupt ist, der in den letzten 100 Jahren in den mittleren Höhen des Bayerischen Waldes erreicht worden ist. Der Vergleich ist aber schwierig, weil seither die Stationen oft gewechselt haben und heuer die feuchte Grundschicht sehr flach gewesen ist. Die vielen wolkenlosen oder nur locker bewölkten Tage spiegeln sich auch in der ausnehmend hohen Zahl von 15 heiteren Tagen nur der Februar 2003 hatte in Daxstein ebenso viele. Auch die Nebeltage waren mit 6 so wenige wie noch nie seit Beobachtungsbeginn hier 1984. Ringsum im Bayerwald summierten sich die Sonnenstunden auf über 130 (Zwiesel: 136 Std.), was gebietsweise (vor allem in mittleren Lagen) zum sonnigsten Januar überhaupt gereicht haben müsste: bislang war 1989 der Rekordhalter (Großer Arber 179, Finsterau 133 Stunden).

Der Sonnenscheinreichtum war auch in vielen Teilen des Bundesgebiets zu beobachten, meist aber reichte es nicht zum Überbieten der Rekorde, die weit gestreut liegen (1990, 1999 im Alpenvorland, teilweise auch 1971, in den südlichen Gebirgen oft 1989, punktuell 1954, 1942 und 1930). Eindeutig den sonnigsten Januar erlebte man in Aachen (125 Std.), Lüdenscheid (109 Std.), Magdeburg (106 Std.), Leipzig (104 Std.), Berlin-Dahlem (107 Std.), Görlitz (105 Std., mit 2002) und Stuttgart-Echterdingen (123 Std.). Die langen Reihen von Aachen, Berlin und Stuttgart liegen als Diagramm vor:

Auffällig im Berichtsmonat waren nur einige tiefe Temperaturminima und kräftige Schneefälle, beginnen wir mit den kalten Temperaturen:
 
16.1. St. Michael im Lungau -24.2°C
23.1. Ueckermünde -23,0
24.1. Lunz am See -26,0
  Mariazell -24,6
  Aigen im Ennstal -24,6
  Zwettl -24,5
  Litschau -24,1
25.1. Lunz am See -26,3
  St. Michael im Lungau -25,3
  Zeltweg -25,2

Wie aber schon gesagt handelte es sich in keinem Fall um absolute Tiefstwerte!

Am 2. Januar (und auch noch am 3.1.) kam es nördlich der Alpen zu starken Schneefällen (Salzburg-Freisaal 53 mm am 2.1.), die teilweise zu den höchsten Schneehöhen der Messreihen führten: Allentsteig 72, Litschau 85, Lilienfeld 95, Lunz 115 cm. Die Zugspitze meldete am 3. morgens 120 cm Neuschnee.

Dreieinhalb Wochen später war das Tessin mit Großschneefällen an der Reihe: am 29.1. hatten Locarno-Monti 58, Locarno-Magadino 60 und Lugano 67 cm Schnee, doch gab es früher schon einmal mehr (Locarno am 29.1.1978 85 cm). Die Schneefälle griffen bis nach Süd- und Südwestfrankreich aus: Montélimar 30, Lyon 21 cm und in Bordeaux lag mit 1 cm die erste Januarschneedecke seit immerhin 1987.

In anderen Regionen dagegen verlief der Januar sehr trocken, in Basel etwa gab es lediglich 9 mm, was nur 3 mm über dem absoluten Minimum von 6 mm im Jahr 1964 liegt:

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 4.2.2006