Witterungsbericht Dezember 2005

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Der vergangene erste Wintermonat bescherte Zenting-Daxstein wieder einmal große Schneemengen mit eher unangenehmen Folgen. Bis zum 14. hielt sich die aus dem November herrührende Altschneedecke mit geringem Zuwachs (am 4. und 8.). Recht sonnig waren der 1. und 2. sowie der 11. und 12.12.

Am Morgen des 15. begann dann eine intensive Schneefallperiode bei Temperaturen um oder sogar etwas über null Grad, was zu schwerem Nass-Schnee führte. Nach den 40,4 mm vom 15.12. (die 35 cm Neuschnee bedeuten eine der größten Dezembermengen in 24 Stunden) kamen am 16.12. nochmals 43,7 mm dazu, die aber bei bis zu 0,8°C „nur" zusätzliche 19 cm Neuschnee brachten. Auch an den restlichen Dezembertagen kam es täglich zu Schneefällen, die aber nicht mehr so ergiebig waren. Verschärfend waren außerdem ab dem 19. häufig auftretende Nebelsituationen mit Raureifbildung. Dem großen Schneedruck waren schließlich viele Fichten (nur teilweise auch Laubbäume) nicht mehr gewachsen, sie brachen entweder im oberen Drittel ab oder sie wurden sogar ganz entwurzelt. Betroffen waren vor allem mittelalte Bestände von 30 bis 60 Jahren und hier wiederum Bäume, die am Rande von Waldungen in Hanglage standen. Die Feuerwehren hatten gerade über Weihnachten Dauereinsatz, weil viele Bäume Straßen blockierten, aber auch alle Loipen im Wald waren gesperrt. Aus der beigegebenen Grafik ersieht man aber, dass zwar viel Neuschnee gefallen war, aber die Rekorde nicht angetastet wurden. Die Werte von 1953 bis 1970 stammen von der Klimastation Rusel-Irlmoos, die in ähnlicher Lage wie Daxstein etwa 20 km westlich vom DWD betrieben wurde.

Am Monatsende hatte Daxstein 3 Tage mit Alpensicht sowie 17 Nebeltage zu vermelden, die Kältesumme betrug – 69,5°C.

Auch Österreich war in einigen Gebieten gut mit Neuschnee versorgt: Lunz am See 119, Badgastein 126 und Lofer 141 cm Neuschneesumme. Der Münchener Flughafen Erdinger Moos (immer häufiger firmiert diese Station unter „München", was völliger Unsinn ist: das Stadtzentrum von München liegt 35 km weit im Südosten und etwa 80 m höher!) meldete am 28.12. eine Niederschlagsmenge von 0,3 mm, was am nächsten Morgen eine Erhöhung der Schneedecke von 2 auf 10 cm zur Folge hatte. Dass dieser „automatische Unsinn" (gemeint ist der Niederschlagswert), wie ich ihn zu nennen pflege, nicht stimmt, liegt klar auf der Hand.

Über Wien/Hohe Warte gab es am 6.12. 2005 49 mm Niederschlag, der absolute Rekordwert für Dezember liegt hier bei 55,5 mm am 6.12.1895. Am 16.12. gingen speziell über dem Alpenraum heftige Schneefälle mit großen Niederschlagssummen nieder:
 
Warth/Arlberg 84,8 mm
Zugspitze 58,1
Oberstdorf-Röhrmoos 55,5
Bad Goisern 54,7
Bad Aussee 50

Die Zugspitze hatte am 17. 65 und am 18. noch einmal 50 cm Neuschnee. Ebenfalls am 16. stürmte es in Mitteleuropa, aber extrem stark waren die Orkanböen nicht (z.B. Wien-Unterlaa 126 km/h).

Temperaturmäßig interessant waren die Tiefstwerte am 30.12.:
 
Achenkirch/A -21,0°C
Spitzingsee -24,4
Seefeld/Tirol -25,9
Albstadt-Degerfeld -28,2
Samedan/CH -30,9
La Brévine/CH -35,9

Nach Osten zu war die Nacht zu Silvester nochmals fast genau so kalt (Seefeld -23,3°C), bevor dann von Westen zum Teil schlagartig Milderung einsetzte.

Im Moment scheint die Wintermilderung etwas abgeschwächt zu sein, dies zeigt sich auch daran, dass in Biarritz, im äußersten Südwesten Frankreichs, am 23.12. 2005 zum ersten Mal seit dem 20.1.1987 die Temperatur wieder ganztägig unter null Grad geblieben ist; Eistage sind dort wahre Raritäten.

Hinweis: diesmal musste die Monatsübersicht wieder ohne den Witterungsreport Express des DWD auskommen, da er bis heute (14.1.) nicht in meine Hände gelangt ist. Der Witterungsreport Daten für Februar 2005 (!) wurde zwar versprochen, ist aber ebenfalls noch nicht da.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 14.1.2006