Witterungsbericht August 2005

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
zurück zur Übersicht
 
Nach einer langen Reihe von zu warmen und oft sonnig-trockenen Augustmonaten probierte der August 2005 die andere Variante: teilweise zu nass (vor allem im Alpenraum), deutlich zu wenig Sonne und meist zu kühl, wobei vor allem die Hochzeit der neuzeitlichen Urlaubssaison unfreundlich und kalt ausfiel und die schlechte Meinung der Menschen über den Sommer stark negativ beeinflusste.

Ähnlich gestaltete sich der Witterungsverlauf in Zenting-Daxstein, wo nach zwei zu warmen Tagen am Monatsbeginn bis zum 17. durchgehend zu kaltes Wetter herrschte (Temperaturmittel der ersten 15 Tage nur 13,1°C = Abw. – 2,8 K nach den Tagesmitteln). Erst dann besserte sich die Witterung, besonders schön wurde es am Monatsende, ohne dass allerdings die Sommertag-Grenze erreicht wurde. Am 7., auf dem Höhepunkt der unfreundlichen Witterung, hagelte und graupelte es sogar. Interessanterweise fiel zu wenig Niederschlag, weil stärkere Gewitterregen ganz ausblieben und auch die Dauerregengebiete andere Regionen bevorzugten. An je fünf Tagen kam es zu Nebel und Gewitter. Alpensicht war nicht möglich.

Der gesamte Sommer war geringfügig zu warm und sogar zu trocken (344 statt 388 mm).

Im größeren Rahmen möchte ich diesmal mit der vor allem im Norden und äußersten Süden recht geringen Sonnenscheindauer beginnen. Die (zeitweise lückenhafte) Reihe von Emden ist abgedruckt. Heuer gab es nur 135,2 Stunden, womit 2005 an dritt-letzter Stelle seit 1892 steht (1912 86,5, 1960 107,4 Std.). Die unterschiedlichen Messmethoden und Stationswechsel der vergangenen 113 Jahre sind zu berücksichtigen. Soltau hatte 133 Stunden, 1960 allerdings schon 110,6 Std. Auf der Zugspitze sind die 118,3 Stunden ebenfalls schon öfter unterboten worden (1912 95, 1968 97 Std. z.B.).

Markant war der Kaltlufteinbruch vom 7./8.8.2005. Am 8. morgens meldete der Sonnblick – 7,3°C (Brunnenkogel/3400 m sogar – 10,5°C). Auf dem Säntis lagen 7 cm Neuschnee, an der Claridenhütte in Glarus sogar 30 cm. Tags darauf gab es in den „berüchtigten" Lagen leichten Morgenfrost: Seefeld -0,1, Mariapfarr – 0,2, St. Michael/Lungau – 0,3°C.

Kräftige Platzregen und eine schadenbringende V-b-Lage am 22./23.8. brachten hohe Tagessummen des Niederschlags, die nachfolgend aufgelistet sind: 
 
2.8. Kösching 65 mm
  Regensburg 56,2
  [höchste August-Tagessumme seit 1879!]  
14.8. Oberreute 63 mm
  Balderschwang 50
15.8. St. Bartholomä 98,8
  Bischofswiesen-Loipl 87,5
  Aschau-Stein 81,1
  St. Wolfgang 83
  Salzburg-Freisaal 75
  Inzell 73,3
  Winklmoos-Alm 70,6
17.8. Bischofswiesen-Loipl 115,3
19.8. Neuenbürg 81,5
  Oberreute 58,1
  Amorbach-Neudorf 55,6
20.8. Höchenschwand 53,9
21.8. Hechingen 60,5
22.8. Mindelheimer Hütte 216,8
  Reutte/Tirol 189
  Säntis 186,7
  Glattalp 179,8
  Warth 176
  Schwägalp 172,4
  Einsiedl/Kraftwerk 164,1
  Eschenlohe 141,5
  Oberstaufen-Rohrmoos 137,3
  Murnau 132,7
  Oberstdorf 121,7
  Garmisch-Partenkirchen 104,8
23.8. Wendelstein 102,3
  Aschau-Stein 90,5

Die Zweitagessummen erreichten außergewöhnlich hohe Werte, z.B. Weesen/Ch 270,2, Warth 249, Eigenthal/CH 213,8 mm, so dass die Verheerungen durch die Wassermassen verständlich werden. Verschiedentlich wurden die bisher größten Augusttagesmengen erreicht oder sogar überschritten (Garmisch bisher 98,0 am 2.8.1901, Oberstdorf 121,8 am 9.8.1970).

Dennoch sind im August auch schon andernorts viel höhere Tagesniederschläge beobachtet worden:
 
Bregenz 170 mm 09.08.1970
Hochrieshütte 164,3 09.08.1970
Hochgernhaus 213,3 12.08.1959
Weißenbach/Attersee 205,2 12.08.1959
Priesbergalpe 198,2 15.08.1949
Dornbirn/Vbg. 336 31.08.1910

Nur an wenigen Stationen reichte es für den nassesten August der Messreihe (z.B. in Reutte/Tirol), wenngleich die Werte ziemlich hoch waren:
 
Mindelheimer Hütte 487 mm
Spitzingsee 431
Reutte 414
Oberstaufen 382
Benediktbeuern/DWD 362
Oberstdorf 318
Hohenpeißenberg 252

In anderen Jahren gab es so etwas auch schon:
 
1970 Jachenau 497 mm
  Niedernach 484
  Mittenwald 477
  Hochrieshütte 471
  Benediktbeuern 451
1985 Inzell 495
  Ettenberg 489
  Schleching 461
  Jachenau 430

Der August 2005 war also besser als sein Ruf, wenn man bedenkt, was in früheren Jahren schon möglich war: 1833 und 1896 gab es in München in diesem Monat überhaupt keinen Sommertag, 1896 nicht einmal in Karlsruhe! (abs. Max. 24,0°C). Berlin hatte dasselbe Schicksal 1833, 1840 und 1956, Bremen noch viel öfter.1941, 1956 und 1962 meldeten zahlreiche Stationen in Norddeutschland ebenfalls keine Temperaturen über 25 Grad!

Wolfgang Webersinke, September 2005