Witterungsbericht Februar 2005

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Zumindest südlich der Mittelgebirgsschwelle zeigte der vergangene Februar, dass auch in der langen milden Winterphase seit 1987/88 durchaus kalt-schneereiche Episoden stattfinden können. In Zenting-Daxstein blieb die Temperatur ab dem 14.2. dauerhaft unter der Null-Grad-Marke (erst am 8.3. überschritt sie sie wieder). Insgesamt war der Februar 2005 der kälteste seit 1986 (damals allerdings bei einem Monatsmittel von – 7,0°C). Wintergewitter ließen sich an 2 Tagen hören (am 12. und 13. – siehe auch meinen gesonderten Beitrag hierzu). Niederschläge gab es reichlich, die 46,2 mm vom 12. fielen jedoch zu großen Teilen als Regen. Die Schneedecke überschritt ein paar Mal die 100-cm-Marke (3., 15. und 16.), die Neuschneesumme war zwar übernormal, aber nicht außergewöhnlich (1999 schon einmal 231 cm bei einer maximalen Schneehöhe von 166 cm). Zum Gesamtbild des Monats gehören noch 7 Nebeltage und 4 Tage mit Alpensicht in der wunderbar sonnigen Zeit vom 5. bis 9.2.

Die Winterbilanz von Daxstein ist insgesamt normal: Mitteltemperatur – 2,3°C (Abw. – 0,4 K), Niederschlag 442,4 mm (120 % des 30jährigen Durchschnitts) bei einer recht reichlichen Neuschneesumme von 371 cm (seit November).

In der Gesamtschau gab es zuerst am 2.2. sehr starke Schneefälle im Süden Deutschlands und in Österreich (allein 100 cm Neuschnee auf der Seegrube bei Innsbruck). In München und Umgebung wurden am Abend des 2.2. folgende Schneehöhen erreicht:
 
2.2. München-Laim 45 cm
München/Stadt 38
Markt Schwaben 45

In der folgenden Grafik sind die größten Schneehöhen von München während der ersten Februar-Dekade seit 1887 abgebildet. Dort sieht man, dass 2005 auf den obersten Rängen firmiert (mehr als 38 cm nur 1958 und 1963). Am 7.2.1958 waren je nach Stadtteil zwischen 23 (Riem) und 36 cm (Nymphenburg) Schnee gefallen, wobei letzterer Wert in etwa die maximale 24stündige Neuschneesumme in München der letzten 120 Jahre darstellt. Die allerhöchste Schneedecke insgesamt wurde in München generell am 17.2.1942 erreicht (Riem und Sternwarte 59 cm, Berg am Laim 60, Botanischer Garten 73, im Umland Erding 48, Ebersberg 68, Sauerlach 85 cm).


 
 

Auffällig sind die tiefen Temperaturminima von Kleinzicken/Burgenland in der ersten Dekade, als unter Hochdruckeinfluss die Ausstrahlung in dieser Region besonders gut funktionierte:
 
Tiefstwerte von Kleinzicken/Burgenland
6.2. "- 22,7°C
7.2. "- 24,1
8.2. "- 25,6
9.2. "- 25,6
10.2. "- 21,7

Vom 10. bis 12.2. gab es im Thüringer Wald, im Schwarzwald und auch im Bayerischen Wald hohe Tagesmengen des Niederschlags, ohne irgendwelche alten Rekordwerte in Gefahr zu bringen (z.B. liegt der in Buchenau/Bayr. Wald bei 100 mm am 4.2.1909, der 3.2. 1909 hatte schon 57 mm gebracht!):
 
10.2. Nordhelle 44,9 mm
Schmücke 43,8
Kl. Inselsberg 43,8
11.2. Krunkelbachhütte 57,6
Rothaus 52,6
12.2. Gr. Arber 69,6
Buchenau 61,8
Haidmühle 59,1
Freudenstadt-Lw. 53,9

Dabei gab es am 12. in den Alpen extrem hohe Windgeschwindigkeiten (Säntis und Jungfraujoch 171 km/h). Zwei Tage später fielen vor allem in Westösterreich und im Appenzeller Land bedeutende Neuschneemengen:
 
14.2. Bad Raggaz 30 cm
Einsiedeln 35
Galzig/A 35
Säntis 45

Am 22. schließlich blieb der Schnee zum ersten Mal seit 1991 wieder in Nizza an der Côte d’Azur am Boden liegen, und zwar 3 bis 7 cm hoch, was natürlich zu zahlreichen Photos Anlass gab.

Noch weiter beschäftigen wird uns der Kaltlufteinbruch aus Nordosten zum Monatsende. Zahlreiche Minimumrekorde der Temperatur sind am 28.2. im südlichen Deutschland sowie in Österreich und der Schweiz gefallen, so z.B. in Karlsruhe (Tagesmittel 2005 – 7,6°C, bisher – 6,7° im Jahr 1929 oder auf der Zugspitze Tagesmittel 2005 – 27,0°C, vorher: -24,7° im Jahr 1971). In der weit zurückreichenden Reihe des Hohenpeißenberg wird aber sehr deutlich, wie viel stärker der säkulare Wintereinbruch zur selben Zeit im Jahr 1785 war: damals betrug das Tagesmittel der Temperatur – 20,3°C, 2005 am selben Tag lediglich – 13,0°C! Die Kaltluft scheint 1785 viel hochreichender gewesen zu sein als heuer.

Speziell im Erzgebirge lag zum Monatsende eine sehr hohe Schneedecke: der Fichtelberg meldete am 28. morgens 219 cm, damit fehlten nur 21 cm zum absoluten Februarmaximum aus den Jahren 1909 und 1965. Aber auch sonst in Europa gab es viel Schnee: etwa 300 cm in Maniccia auf Korsika (2360 m) zu Anfang des Monats oder am 11.2. 136 cm in Varfu Omu in Rumänien.

Besonders auf den hohen Alpengipfeln waren die negativen Abweichungen bei den Monatsmitteltemperaturen recht groß (> - 4 K) , so dass hier der kälteste Februar seit 1965 festgestellt werden konnte. Als Beispiele sind die Grafiken vom Säntis (2500 m) und vom Sonnblick (3106 m) hergestellt worden. Die Mittelwerte (1961 bis 1990) lauten für den Säntis – 8,0°C, für den Sonnblick – 12,8°C, die entsprechenden Werte für 2005 – 12,3 und – 16,6°C. Ähnliche Verhältnisse herrschten auch auf der Zugspitze.

Während auf der Alpennordseite viel Schnee und reichliche Niederschläge an der Tagesordnung waren, blieben inneralpine Täler und die Alpensüdseite im Schutz der Nordlagen meist ohne wesentlichen Niederschlag, so dass sich hier ein weiterer Trockenmonat einstellte: Brusio/Puschlav völlig ohne Niederschlag, Samedan 4, Lienz/Osttirol und Zermatt 6 mm. Da auch der Januar schon sehr trocken war, registrierte man z.B. im Tessin in den beiden Monaten so wenig Niederschlag wie selten in dieser Zeit (Lugano 11,6 mm, Locarno-Monti 10,1 mm). In der Grafik wurde Locarno bearbeitet, wo über die beiden Monate hinweg nur 1891 (1 mm), 1878 (8 mm) und 1953 (9 mm) noch weniger Niederschlag zusammenkam, 1923 belegt zusammen mit 2005 den vierten Platz, gleich danach liegt 1981 mit 11 mm. Im besonders nassen Zweimonatszeitraum 1951 (extremer Lawinenwinter!) wurden dagegen 513 mm gemessen.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Niederschlagswerten bei Schneefall in den gängigen automatischen Niederschlagsmessern. Ingo Beele hat schon des Öfteren über wenig glaubhafte Mengen im Vergleich zu den gemeldeten Neuschneehöhen am Frankfurter Flughafen berichtet. Dieses Phänomen scheint meinen Recherchen zufolge weit verbreitet zu sein, z.B. München Flughafen Erdinger Moos (immer öfter, aber trotzdem vollkommen falsch als München in den Medien verbreitet!), am 7.3. 2005 0,1 mm gemeldet, die am nächsten Tag eine Neuschneehöhe von 4 cm erzeugt haben sollen. Dass unter diesen Umständen die monatliche Niederschlagsmenge bei viel Schnee nicht mehr mit den früheren, reinen Hellmann-Messungen vergleichbar ist, liegt auf der Hand.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, März 2005