Witterungsbericht November 2004

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Wie schon öfter in letzter Zeit brachte der November 2004 stark unterschiedliche Niederschlagsmengen: in Sachsen zum Teil Rekordnässe, nach Westen und Südwesten stark unternormale Summen. In einigen Regionen gab es bedeutende Sturmereignisse. Die Temperaturen blieben insgesamt normgerecht.

Nach vier sehr milden Tagen (zum Teil sogar nachts über + 10°C) schwankten die Temperaturen in Zenting-Daxstein meist um das langjährige Mittel oder lagen etwas darunter. Am 7. fiel der erste Schnee, aus dem auch gleich die erste Schneedecke wurde, die sich bis zum 17.11. halten konnte. Schon am 10. wurde der erste große Neuschneezuwachs beobachtet (15 cm), der aber am 20. und 21. noch bedeutend übertroffen wurde: auf 16 cm Neuschnee folgten weitere 23 cm am 21. Ein noch größerer Zuwachs an Neuschnee konnte zuletzt am 20.11.1995 festgestellt werden: 28 cm. Die gesamte Neuschneemenge war mit 74 cm sehr ansehnlich für November. Mit 19 Schneedeckentagen wurde das Mittel von 10 Tagen bedeutend übertroffen. Novembergerecht trat an 18 Tagen Nebel auf, nur an zwei Tagen herrschte Alpensicht.

Der Herbst 2004 schloss in Daxstein mit einem leichten Temperatur- (7,8°C = + 0,6 K) und Niederschlagsüberschuss (352 mm bedeuten 119 % der Norm).

Im mittel- und westeuropäischen Zusammenhang begann der Monat mit Stauniederschlägen im Tessin (1.11. Locarno 86 mm; Simplon-Dorf 230 mm am 1. und 2.11.) und einer milden Föhnphase auf der Alpennordseite: Windischgarsten Maximum von 24,8°C am 4.11. Am selben Tag erreichte Nizza sein bisher höchstes Novembermaximum (25,4°C), Cannes hatte 25,8°C. Davos maß die zweithöchste Novembertemperatur seit 1901 (2.11.2004 16,7°C, Rekord 17,5°C am 1.11.1965).

Eine Woche später kam es vor allem in Westdeutschland zu einer sehr frühen ersten Winterschneedecke mit großen Behinderungen im Straßenverkehr: 10.11. Köln/Stadt 3 und Flughafen Köln/Wahn 6 cm. Am selben Tag fielen in Dellach/Drau 57 mm Niederschlag.

Der 14.11. brachte in der Westschweiz (speziell am Genfersee) einen ausnehmend starken Bisensturm mit bisher nicht erreichten 95 km/h in Genf und sogar 98 km/h in Changins.

Sturm war auch das Thema am 18.11.: In Wien kam es zur höchsten je registrierten November-Windstärke: 119 km/h bewirkten vielfältige Schäden (bisheriger Maximalwert: 115 km/h am 7.11.1952). Aber auch an der Ostsee blies es stark: 169 km/h auf Hiddensee.

Am Folgetag war dann das österreichische Flachland zwischen Flachgau und Niederösterreich an der Reihe: Salzburg 119, Kremsmünster 122 und Lilienfeld 126 km/h. Zudem wurde in Reykjavik auf Island das absolut tiefste Novemberminimum der Temperatur gemessen: - 15,0°C.

Über den gesamten Monat schien besonders im Nordosten der Schweiz die Sonne sehr wenig: St. Gallen nur 22 Stunden.

Beim Niederschlag gab es wieder ein breites Spektrum: ausnehmend gering beregnet der Bodenseeraum. Als Beispiel zeige ich die lange Reihe von Friedrichshafen, die seit 1851 besteht. Heuer fielen 17 mm, die in 8 Jahren noch unterboten wurden (1853 8, 1862 15, 1867 16, 1899 8, 1902 11, 1920 8, 1953 15 und 1955 9 mm).

Dagegen waren größere Teile von Sachsen zum Teil extrem nass. Auf dem Fichtelberg wurde der alte Niederschlagsrekord von vor 2 Jahren (185 mm) mit 219 mm heuer deutlich übertroffen.

In Chemnitz reichte es mit 132 mm immerhin zum dritt-nassesten November der seit 1864 existierenden Messreihe (nach 1922 und 2002):

Ein Blick 100 Jahre zurück auf den November 1904 zeigt uns am 23. und 24.11. massive Schneefälle von bayerisch Schwaben über die Münchener Ebene bis ins westliche Niederbayern. Die sonst so schneereichen Alpen oder der Bayerische Wald (Beispiel Daxstein) waren nur am Rande betroffen. Einige ausgewählte Schneedeckenbeobachtungen aus jenen Tagen legen Zeugnis dieses Witterungsextrems ab:
 
Schneehöhen in cm
23. bis 30.11.1904
München
Hohenpeißenbg.
Weihenstephan
Altenerding
Ebersberg
Daxstein
23.11.1904
1
14
Flecken
3
10
10
24.11.1904
28
25
28
40
30
28
25.11.1904
39
37
37
45
36
28
26.11.1904
34
32
26
45
35
22
27.11.1904
30
28
22
45
36
24
28.11.1904
26
24
20
44
35
21
29.11.1904
20
24
20
42
30
20
30.11.1904
16
21
17
40
20
27

Ähnlich große Novemberschneefälle gab es in dieser Gegend nur noch am 13./14.11. 1985.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 11.12.2004

Letzte Aktualisierung 14.12.2004
Durch Wolfgang Webersinke