Witterungsbericht Oktober 2004

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


In Mitteleuropa zerfiel der zweite Herbstmonat 2004 in drei unterschiedliche Witterungs-Perioden: erst warm (bis zum 8.10.), dann recht kalt und unbeständig und ab dem 20. vor allem im Süden wieder sehr mild. Die Niederschläge waren vorzugsweise im Südwesten sehr ergiebig, während in Ostdeutschland, vor allem in Thüringen, recht wenig vom Himmel kam.

In Zenting-Daxstein war diese Dreiteilung auch gegeben, wobei die Regenmenge nicht besonders hoch war (erste Dekade 30,6 mm, zweite Dekade 25,7 und dritte 14,5 mm). Bemerkenswert war der zweiminütige Hagelfall am 17.10. nachmittags mit einem Durchmesser der Hagelkörner von 1 cm, schon am Tag zuvor führte ein weiterer Hagelschauer auf der A 3 bei Straubing zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Fast alle Parameter lagen im Bereich des Normalen: Alpensicht 4 Tage [- 2 Tage], Nebeltage 12 [+/- 0].

Auffällig waren zwei Wärmespitzen im Süden Deutschlands (Bayern und Baden-Württemberg) um den 5.10. und um den 24.10. München/Stadt erreichte am 5. mit 28,2°C sogar die höchste je gemessene Oktobertemperatur der Messreihe (immerhin seit 1781; Ihringen hatte am selben Tag sogar 29,1°C; Karlsruhe 28,9°; Delémont/CH 28,4°). Sonst gab es keine Rekordwerte, generell war der 4.10.1985 zum Teil deutlich wärmer. Am 24.10. ging das Quecksilber nochmals über die 25-Grad-Marke:

Ihringen 27,0°C

Stuttgart-Neckartal 26,6

München/Stadt 25,2

In München/Stadt gab es insgesamt 3 Sommertage im heurigen Oktober, nur zweimal überhaupt traten hier mehr solcher Tage auf: 4 Sommertage 1929 und sogar 5 1942. Und nur zweimal überhaupt verspätete sich der letzte Sommertag noch weiter, und zwar am 28.10.1923 und am 28.10.1989.

Ein Blick zurück in den Oktober 1989 lohnt sich allemal: in der letzten Dekade überschritt in der damaligen Bundesrepublik an insgesamt fünf Tagen die Maximaltemperatur im Süden mindestens einmal die Sommertag-Grenze von 25,0°C. Folgende Daten geben davon Zeugnis:
 
21.10. 1989 Freiburg i. Br. 25,2°C
Lahr 25,8
22.10. Bremgarten 25,8
Baden-Baden 26,1
Karlsruhe 26,6
Bretten-Rinklingen 27,6
23.10. Garmisch-Partenk. 25,8
Hechingen 26,6
Stuttgart-Echterdingen 27,1
27.10. Kreuth 26,7
28.10. München/Stadt 25,3
Bad Reichenhall 25,4
Rosenheim 25,6
München-Nymphenburg 25,8

Die Monatsmitteltemperaturen lagen vor allem in den Föhnstrichen der Nordalpen sehr hoch für den Oktober. So kam es, dass die Werte in Innsbruck auf fast 600 m nahe an den Rekorden für Oktober lagen (12,7°C); noch milder war es seit 1900 hier nur 1907 und 1966 (mit je 13,0°C). In der gezeigten Grafik der Mitteltemperaturen von Innsbruck und (zum Vergleich das nur gut 100 km nördlicher liegende) München wird deutlich, wie bevorzugt Innsbruck gegenüber München im Oktober ist, liegt doch die Mitteltemperatur in den 224 bzw. 210 Jahren um 1,5 K auseinander (München 7,9°C und Innsbruck 9,4°C), was auf den häufigen Föhneinfluss in Innsbruck zurückzuführen ist.

Niederschlagsmäßig reicht die Bandbreite in Deutschland von 9,7 mm in Halle an der Saale bis 254 mm in Todtmoos im Schwarzwald. Aber auch in Reisach in Kärtnen fielen allein in den drei letzten Oktobertagen 167 mm! Bevorzugt im Oberrheingraben und im angrenzenden Basler-Gebiet in der Schweiz wurden prozentual die höchsten Werte erreicht. In den Reihen von Freiburg im Breisgau sowie von Basel-Binningen gab es nur 1939 noch größere Mengen als 2004 (Freiburg 194 und Basel 215 mm, wobei am letztgenannten Ort auch der Oktober 1896 174 mm hatte). Zur Freiburger Grafik ist zu sagen, dass die Niederschlagsmengen der Jahre bis 1886 nicht reell, weil viel zu hoch sind, da ein fehlerhaftes Niederschlagsmessgerät verwendet wurde.


 
 

Sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland sind ungewöhnlich verbreitete und häufige Gewitter beobachtet worden (in der Schweiz etwa landesweit an 13 Tagen des Monats, in Trier an 5 oder in Freudenstadt an 6 Tagen). Bis zur Monatsmitte gab es sogar noch kräftigen Hagel, so am 15.10. westlich von München im Gebiet Geltendorf Moorenweis.

gesamte Südwesten der Bundesrepublik sowie fast die ganze Schweiz verzeichneten ein mehr oder weniger großes Sonnenscheindefizit, das im Tessin am ausgeprägtesten war: Lugano hatte nach 1987 den zweit-sonnenscheinärmsten Oktober seiner Messreihe (ab 1885; siehe die Grafik).

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 13.11.2004

Letzte Aktualisierung 14.11.2004
Durch Wolfgang Webersinke