Witterungsbericht September 2004

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Der Herbst begann in Zenting-Daxstein wunderbar sommerlich: milde Nächte, angenehme Temperaturen tagsüber. Nur am 4.9. entwickelte sich in unserer Gegend das einzige Gewitter über dem Gebiet der Bundesrepublik. Dieses Ereignis war auch in anderer Hinsicht außergewöhnlich: es donnerte und regnete zumeist bei einer Bewölkung von 6/8, wobei der westliche Himmel frei von Wolken blieb, so dass das Gewitter meist bei Sonnenschein ablief. Das Gewitter stand ab 15.00 Uhr im Ostnordosten von Daxstein und erreichte von 15.59 bis 16.15 Uhr MESZ seine größte Intensität mit sehr lauten Donnerschlägen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Regen nicht besonders stark, für eine Minute fiel Hagel mit einem Durchmesser von 1 cm. Um 16.15 Uhr, als das Gewitter schlagartig beendet war, setzte ein heftiger Regenschauer ein. Die Gesamtregenmenge betrug 5,4 mm.

Dieser Niederschlag blieb der einzige in der ersten Septemberdekade; schon viermal seit Daxsteiner Tageswerte vorliegen, war dieser Zeitraum völlig ohne Regen geblieben: 1895, 1914, 1959 und 1969. Auch die Bewölkung war rar: nur 1,4 betrug das Mittel in diesen 10 Tagen. In der Folge verschlechterte sich die Witterung mehr und mehr und die dritte Dekade ertrank förmlich im Regen: 119,0 mm bedeuten die nasseste dritte Dekade in Daxstein überhaupt seit mindestens 1895 (alter Rekordhalter 1957 mit 106 mm), wobei die Werte vom 22.9. (37,7 mm) und vom 23.9. (51,8 mm) jeweils Tagesrekorde waren. Über 50 mm Tagesniederschlag sind in Daxstein im September relativ selten: heuer war es das 10. Jahr seit 1895, das dieses Ereignis bereithielt (absolutes Maximum: 77,7 mm am 12.9.1922).

Die Gegensätzlichkeit des Monats Sonnenscheinreichtum in der ersten Dekade, trübes Regenwetter in der dritten zeigte sich in ganz Deutschland. Besonders die Sonnenscheindauer der ersten zehn Tage dürfte wohl kaum je überboten worden sein (selbst nicht im Extremmonat September 1959), z.B. verzeichnete das Meteorologische Institut in der Theresienstraße in München 120,8 Stunden (1959 waren es nur 105 Stunden).

Erwähnenswert sind aber die 24stündigen Regenmengen an einzelnen Tagen des Zeitraums vom 21. bis 25. September:
 
Hohe Tagesmengen des Niederschlags:
21.9. Quickborn 70,0 mm
22.9. Büchel 102
Beerfelden-Airlenbach 63,2
Loferer Alm/A 54
23.9. Loferer Alm/A 66
Baiersbronn-Mitteltal 62,8
Mummelsee 60,8
25.9. Lindau 80,3

Die Monatssummen des Niederschlags schwankten in Deutschland zwischen 15 mm in Grünow in Brandenburg und 230 mm am Mummelsee im Schwarzwald.

Noch eine kurze Rückschau auf den September 1904. Nach dem im Julibericht beschriebenen Trockensommer folgte vom 17. bis 23. September 1904 eine sehr kühle Witterungsepisode, die aus Nordosten kalte Festlandsluft heranführte (am 20.9. in München teilweise stürmische Böen aus Nordost!) und mehrfach Luftfrost auslöste, wie der folgenden Aufstellung zu entnehmen ist:

Temperaturminima September 1904:

19.9:  München-Harlaching - 1,5°C
         Landshut - 1,0
20.9. München-Harlaching - 1,1
         München-Sternwarte - 0,2
         Landshut - 0,1
         Kahl am Main - 1,0
         Augsburg - 0,9
         Ansbach - 0,6
21.9. Hohenpeißenberg - 2,3
         Augsburg - 1,2
         Landshut - 1,2
        München-Harlaching - 0,8
23.9. München-Harlaching - 0,6

In Bayern traten relativ häufig zwei Frosttage auf (u.a. in Metten, Bayreuth, Weißenburg, Rosenheim, Tegernsee, Buchenau), zum Teil 3 (Landshut, Garmisch-P., Mittenwald, Hohenpeißenberg), in München- Harlaching und Oberstdorf 4, in Alexandersbad im Fichtelgebirge 5 und in Eggenfelden und Hof sogar 6
Wolfgang Webersinke, Daxstein, 9.10.2004

Letzte Aktualisierung 26.10.2004
Durch Wolfgang Webersinke