Witterungsbericht Mai 2004

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Mit dem heurigen Mai ist, bezogen auf Nord- und Ostbayern, eine äußerst ungewöhnliche Reihe zu Ende gegangen: seit 1991 gab es diesmal zum ersten Mal wieder einen (wenn auch nur wenig) zu kalten Mai; alle Maimonate von 1992 bis 2003 waren zu warm gewesen.

In Zenting-Daxstein waren zwar keine Kälterekorde zu verzeichnen, aber der letzte Schneefall am Vormittag des 23. Mai war doch recht aus dem Rahmen fallend, in den letzten 40 Jahren hatte es nur 2001 (am 4. Juni) und 1991 (24. Mai) noch später geschneit. Am allerschlimmsten war es 1921: damals hatten sich noch  am 22. Juni Schneeflocken unter den Regen gemischt.

Sehr gewitterarm war der Mai in diesem Jahr (nur am 12. und 21.5.), aber auch  Nebel gab es nur an 6 Tagen. Die Alpen waren am 2., 5. und 16.5. zu sehen. Temperaturmäßig war die Frühlings-bilanz durchschnittlich (6,6°C, d.h. 0,3 K zu warm), dabei deutlich zu trocken (202,3 mm entsprechen nur 65 % des langjährigen Mittels).

Zur Illustration habe ich von München die Temperaturmaxima des heurigen Mais mit denen von 1868 (sehr warm) und von 1876 (sehr kühl) verglichen (siehe die Grafik):

 In Mitteleuropa brachte dieser Monat einige herausragende Ereignisse, die im Folgenden kurz aufgelistet werden:

1.5. Homberg/Efze  78 mm RR

4. und 5.5. treten für Mai sehr tiefe Luftdruckstände auf. Am 4. Mai meldet um 20.00 Uhr MESZ Norderney 987 hPa, am Morgen des 5.5. München 988 und Innsbruck 987 hPa. Für München bedeutet dies den tiefsten Mailuftdruck seiner Messungen (ab 1781).

6.5. Stötten   51 mm RR
7.5. Kirtorf, Wasserkuppe und Wahl je 53 mm
8.5. Triberg   61 mm
10.5. Gröditz  62,1 mm
         Oschatz  54,9
         Chemnitz  51,7

20.5. Wärmster Tag, aber Maxima unter 30°C
(Innsbruck 29,1, Chur 29,8°C)

24.5. Nochmals gebietsweise Nachtfrost:
Seefeld  - 6,1°C
Albstadt-Degerfeld - 7,6
Sonnenbühl  - 7,5
Bernau im Schwzw. - 7,1

Die winterlichen Intermezzi führten im schweizerischen Andermatt zu einer Neuschneesumme von 63 cm, was in den letzten 40 Jahren noch nie vorgekommen ist.

Die Verteilung der Niederschläge war im vergangenen Monat doch reichlich kurios: während in Teilen Thüringens und Sachsens Rekordnässe vermeldet wurde, war der äußerste Nordwesten sehr trocken: Norderney hatte mit 3,3 mm den trockensten Mai seiner Messreihe, dagegen war es in Erfurt so nass wie nur einmal, und zwar anno 1818 (man vergleiche die Grafiken)! 1899 hatte es ebenso viel Niederschlag gegeben wie 2004.



Dass der Mai in diesem Jahr gar nicht so schlecht war, zeigen ein paar Beispiele aus der (kalten) Vergangenheit:

1879 erlebten weite Teile West- und Mitteleuropas einen sehr kalten Mai. In Paris (Tm 10,0°C) und in Nantes (Tm 10,1°C) war es der kälteste je beobachtete Mai (Paris immerhin ab 1757!). In Deutschland etwa hatte Kiel eine Mitteltemperatur von 9,1°. Auf dem Hohenpeißenberg fiel an 10 Tagen Schnee, die Alpensüdseite hatte große Niederschlagsmengen: Locarno 430, Lugano 488 mm. An einigen Tagen wurden sehr tiefe Tagesmittel der Temperatur gemessen:

München 10.5. 2,6°C
Stuttgart 7.5.  3,7

Bemerkenswert kalte Tage waren auch der 1.5.1836 (Bern Tm 2,5°C), der 2.5.1786 (Wien Tm 2,8°C) oder der 17.5.1839 (Bern Tm 3,7°C).

Stärkere Fröste sind wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit an der Vegetation nun sehr schädlich hier einige Beispiele:

1935 gab es zwei markante Kaltlufteinbrüche (am Monatsbeginn und um den 15.5.). Minima von 6,1° gab es in Mariazell und von -7,5° in Trochtelfingen am 2.5. (Bayreuth 5,2°, Schmücke 8,4°). Am 14.5. hatte Basel einen seltenen Spätfrost von 0,1°C. Am 17.5. schließlich ereignete sich der Fall einer späten Maischneedecke: 1 cm in München (aber auch z.B. in Ravensburg). Im ganzen Mai 1935 meldeten Neubrandenburg und Höllenstein je 14 Frosttage!

Sechs Jahre später 1941 wurden am 4. und 9.5. extrem tiefe Minima gemeldet:

4.5. Karlsruhe  - 3,7°C
       Basel   - 2,7
       Oberstdorf  - 8,5
9.5. Görlitz   - 4,0

1945, Anfang Mai fiel in Oberbayern reichlich Schnee (München 10 cm), wobei es am 1.5. auch noch sehr kalt war:

Genf-Cointrin   - 4,0°C
Solothurn   - 3,7
Badgastein   - 4,0

1953 kam es nach langer Zeit schönsten Frühlingswetters am 10. und 11.5. zu verheerenden Eisheiligen. Am 10. lagen in Bamberg 2, in Finsterau 10 und in Hof 14 cm Schnee! Am 11.5. zeigte das Thermometer folgende Tiefststände:

Freiburg i.Br.   - 1,2°C
Karlsruhe   - 2,0
Bruck a. d. Mur  - 4,6
Oberstdorf   - 7,3
Donaueschingen  - 7,6

Vier Jahre später war es am 7. und 8.5. 1957 wieder so weit. Am 7.5. meldete selbst Norderney Schneeregen und am 8.5. erreichte die Schneehöhe in München 2 und in Oberstdorf 35 cm. Fast überall gab es Schadensfröste:

7.5. Locarno-Magadino - 1,0°C
8.5. Zürich-Kloten  - 4,2
       St. Gallen  - 5,0
       Bad Tölz  - 6,1
       Isny   - 9,0
       Oberstdorf  - 10,9
9.5. Regensburg  - 4,0
       Innsbruck/Flh.  - 2,6

Besonders kalt war es dann noch einmal am 1.5.1962:

Konstanz   - 4,4°C
Münsingen   - 8,0

Auch am 12.5.1978 ging die Temperatur ebenfalls tief herunter:

Angermünde   - 5,1°C

Einen besonders interessanten Wintereinbruch mit starken Schneefällen erlebte die Nordschweiz am 23./24. Mai 1908. Ab 18.15 Uhr fiel in Zürich  heftiger Schneefall, in Bern lagen am späten Abend bereits 10 cm, in Zürich maß man am 24. morgens 8 bis 12 cm und auch in Feldkirch in Vorarlberg lag drei Tage lang eine Schneedecke.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 11.6.2004

Letzte Aktualisierung 08.07.2004
Durch Wolfgang Webersinke